16.09.2019 - 06:13 Uhr

Nachdem es mir 2019 gelang mich vom zwanghaften Bloggen abzunabeln, möchte ich mich an dieser Stelle hin und wieder in Kompaktbauweise melden, so, wie ich das mal einige Zeit in meinem "Golftagebuch" gemacht habe. Die aktuellsten Einträge stehen jeweils oben…

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12.9.2019
Bei uns im Haus wird die Wohnung über mir renoviert und neuer Fußboden gelegt, was mit meinem Bedürfnis nach morgendlicher Ruhe inkompatibel ist. Also bin ich ins Mossautal zu den Holitzkas geflüchtet. Nur wird da auch gerade ein neuer Fußboden gelegt, aber die Baustelle ist überschaubar und beginnt nicht um 7 Uhr morgens...
Jedenfalls eine gute Gelegenheit, mal wieder den Golfclub Odenwald zu besuchen. Wir spielten gestern Abend 9 Loch als Scramble, was mir mittlerweile viel Spaß macht und gerieten in einen Rausch, in dem wir zwei alte Knaben die 9 Loch 2 über spielten, wobei mir drei echt lange Monsterputts gelangen. Wo es ging, spielte ich ein Eisen 5 mit Stahlschaft, das ich eigentlich überhaupt nicht mehr treffen kann. Aber es macht Spaß - und wie selten hat man noch Spaß auf dem Platz? 

Heute morgen im Nieselregen (und nicht mehr so ganz von der Muse geküsst) versuchte ich die meisten Schläge mit einem Eisen 4 zu machen, das ich in Hollys Schuppen fand. Das ging weitgehend schief, weshalb wir heute nur die schönen Schläge gezählt haben und so wurde es trotzdem eine nette Runde.

Gestern hatten wir im Golfclub Äpfel gesammelt und Holly hat die heute mit Zwiebeln, Kartoffeln und Hühnchen zu einem Odenwälder Kurkuma-Scrambel verkocht, nach dem man sich nur die Finger ablecken konnte.

Irgendwie gelingt es uns doch immer wieder, etwas Glück aus diesem seltsamen Spiel zu pressen. 

Zurück fand ich Post von Basti von Easy Lakeballs. Ich hatte mich über den versnobten Artikel eines Münchner Clubfitters aufgeregt, der über Lakeballs her zog. Der war kürzlich im Golftime-Newsletter erschienen und ich hatte Basti angeboten, dazu mal eine gepfefferte Antwort zu schreiben. Aber der sieht das ganz cool. Seine Geschäfte laufen prächtig, was man von manchem Clubfittern nicht sagen kann. Basti hat ohnehin die Ruhe weg, aber mich hat dieses Bashing geärgert. Ich schrieb ihm: "(...) Mir stinkt die Arroganz, mit der dieser Clubfitter das vorträgt um sein überzüchtetes Fitting zu verkaufen. Als ob mehr als 0,0001 Prozent deutscher Golfer merken würden, mit welchem Eisen welcher Ball besser fliegt. Und dann dieses Foto mit den alten Drecksbällen aus dem Sumpf, als könnte man sowas als Lakeballs verkaufen... (...) man sollte wirklich mal einen Doubleblind-Contest machen. (...)."

Ich spiele seit Jahren Wilson DX2. Manche bekomme ich von Wilson neu und manche von Basti als Lakeballs. Da glaube doch keiner, dass ich da irgendeinen Unterschied merken würde. Na gut, die neuen Bälle sind schneller weg. Kennt man von Titleist-Spielern. Wie oft habe ich das erlebt: Junger Parkplatz-Pro legt neuen Titleist Pro V1x aufs Tee, faked eine Preshot-Routine und zack und weg ist der Ball.
Lakeballs dagegen haben schon was erlebt, haben Erfahrung und verursachen beim Spieler nicht die Panik, die manchen bei dem Gedanken überkommt, dass sie einen nagelneuen, unverschämt teuren Ball O.B. ballern könnten. Und Lakeballs kennen die einsame Abgründe eines kalten Sees und meiden deshalb das Wasser wo es geht. 

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7.9.2019
Frau Oelmann lobt meine Herbst-Kolumne für die NRW-Golfjournale, die ich ihr vorab als PDF zugeschickt hatte.  „Guten Morgen, Eugen, die Kolumne ist richtig super geworden, habe gerade wieder herzhaft gelacht! :-) Und die haben sogar diesen politisch gefährlichen Abschnitt drin gelassen, Respekt!“

Ihr Lob hat mir ehrlich gesagt gut getan. Derzeit schreibe ich an einem Buch, das gar nichts mit Golf zu tun hat und wenn sich das NRW-Golfjournal als einziges Print-Magazin noch meiner erinnert und zweimal im Jahr einen Beitrag anfragt, dann ist es gar nicht so einfach, wieder in die Golf-Welt zu hopsen um ein amüsantes Thema zu finden, das nicht vor Sarkasmus trieft. Ob mir das gelingt, kann der Leser im Herbst beurteilen, wenn das Heft erscheint, bzw. ich  das PDF etwas später ins Netz stelle.

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4.9.2019
Ein ruhiger Nachmittag, nicht zu heiß. Habe etwas im Golfpark Winnerod abzuliefern und gehe zu meiner eigenen Verwunderung 9 Loch über den Platz. Ich spiele eine Bahn nur jeweils mit einem Schläger, die ersten drei Bahnen mit dem Eisen 6, denn die nächsten zwei mit der 7. Alle Schläge heißt, auch Bunker und Putts. Ein gesäbelter Pitch aus 30 Meter mit dem weit geöffneten Eisen 6, der nicht zu lange ausrollt, ist nicht so einfach. Früher, als ich noch täglich trainiert habe, konnte ich sowas besser. Aber immerhin: Ich habe auf 9 Loch drei Chip-In's, mehr als bisher in diesem Jahr.

Im Clubhaus schnappe ich mir eine GolfTime, die ich beim Essen anblättere. Zwei Kolumnen blieben hängen, weil sie offenbaren, dass es anderen auch so geht wie mir: Götz Schmiedehausen erklärt, warum das Turnierleben in vielen Clubs zusammenbricht (er hat auch keine Lust mehr und ich selbst spiele längst keine Turniere mehr) und Oskar Brunnthaler moniert in seinem Nachwort die geradezu obszönen Einnahmen im Profi-Golf-Geschäft. Da kann ich ihm nur zustimmen.

2.9.2019
Seite Ende Juni haben traktieren mich Grasmilben, die mich besonders nachts in den Wahnsinn treiben. Aber die sind nichts gegen das, was Sandra Gal gerade durchmacht. Sie ist an Lyme-Borreliose erkrankt, jener Krankheit, die mich 1995 fast zerlegte, aber immerhin den Beginn meiner "Karriere" als Schriftsteller einläutete, indem ich in der Hautklinik der Uni Gießen die Ur-Fassung vom "Weg der weißen Kugel" schrieb. Falls jemand Sandra persönlich kennt und ihre Adresse hat: Ich schicke ihr gerne ein Buch, damit sie mal auf andere Gedanken kommt - und vielleicht kommt ihr dann auch der Gedanke, dass es neben Golf und den damit verbundenen Zecken, die an einem hängen, auch noch ein anderes Leben "Jenseits der Scores" gibt.

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17.8. 2019
9 Loch mit Siggi. Sehr angenehm.

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13.8.2019
Sabine Oelmann und mein Clubkamerad und Grafiker Siggi Demand, beide am Barfußgolfer-Projekt beteiligt, kennen sich noch nicht persönlich, weshalb ich sie einlade, eine gemeinsame Runde zu spielen. Aber kein Matchplay, sondern lieber ein Scramble, dem sich Siggi gerne anschließt. Schöne, stressfreie Runde über 18 Loch, die wir mit eins über Par beenden.

12.8.2019
Ankunft von Sabine Oelmann. Seit dem Frühjahr und dem Erscheinen des Barfuß-Golfers haben wir nicht mehr miteinander gespielt. Um uns ‚einzugrooven‘, wie sie das nennt, spielen wir zwei Runden auf dem wunderschönen Kurzplatz in Winnerod. Da ich kaum noch spiele, bin ich überrascht, dass es ganz gut klappt. Auf jeden Fall ist das Putten mit meinem JAG-Patter ein Genuss.

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Es war an einem Sonntag in Luxemburg vor mehr als 30 Jahren. Kurz nach 12 Uhr muss es gewesen sein, denn wir tranken bereits einen Malt. Jim, mein schottischer beinah-Schwiegervater, stellte sein Glas auf den Gartentisch, nahm einen Golfschläger, setzte einen Ball auf einen kleinen Stift und schlug einen Golfball in Richtung der Wiese hinter dem Haus.

Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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