06.12.2019 - 11:32 Uhr

Als Journalisten habe ich mich nie bezeichnet, weil das ein Beruf ist, den ich nicht erlernt habe.

Vor Jahren gab es mal in einer Golfzeitschrift namens „PLOCK“ eine mehrseitige „Home-Story“ über mich, weil jemand meinte, mich in einen Zusammenhang mit dem Gonzo-Schreiber Hunter S. Thompson bringen zu müssen. Ich fühlte mich zwar geschmeichelt, aber Hunter war ein hochkarätiger Sport-Journalist, dem hin und wieder die Gäule durchgingen, sei es wegen Drogen oder dem allgemeinen Wahnsinn der amerikanischen Gesellschaft. Seine Berichte, seine „GONZO-Schreibe“ für den Rolling Stone, diese Mischung aus Fake und Fakten mag die Blaupause für modernen Journalismus sein, (der dann GONZO unter den Tisch fallen ließ und Fake als Fakten verkaufte), aber das war und ist alles nicht meine Baustelle.

Kerouacs These vom ‚spontanen Schreiben‘ ist mir von jeher näher gewesen, um den Preis, dass ich auf Cybergolf.de laut SEO-Auswertung 1.765 Schreibfehler gehortet habe und ohne Frau Oelmanns Hilfe in den letzten Jahren wären es noch 1.000 mehr geworden. Das einzige Kriterium meiner „schriftstellerischen Arbeit“ ist der Spaß, der aufkeimt, wenn ich die Fakten und Fiktionen, die mir aus den Fingern fließen, aufschreibe und die ich mal als Golf-Gagaismus bezeichnete.

Passend zu dieser Selbstreflektion fand ich einen Text von Tom Kummer zum Fall Claas Relotius und den öffentlichen Selbstreinigungsakte der Zeitungsmedien, den Mathias Bröckers auf Facebook gepostet hatte.
Daraus möchte ich zitieren:
„Ich bin nie als Journalist angetreten, immer als Schriftsteller, als jemand, der Wirklichkeit – also auch Erlebtes, aber eben noch viel mehr: Emotionen, Projektionen, Albträume, Vermutungen, Halluzinationen, Momente in denen ich schlecht gefrühstückt habe, Drogenexzesse, Depressionen, Freudentaumel, Sexnächte, Verliebtheit – alles, was das Leben reizvoll macht, aber eben gerade nicht die Fakten, sondern die möglichen Fiktionen des Lebens – in Texte verarbeitet.“

Ja, diesen Satz würde ich unterschreiben.

Eugen Pletsch

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