17.11.2018 - 10:29 Uhr

Henrich Dörmer meint es ernst. Nach seinem ersten oberhessischen Kriminalroman „Bunkerschlag“ folgte der geschichtliche Roman „Annas Schlag. Um zu vermeiden, dass ihn in diesem Sommer auf dem Golfplatz der Hitzeschlag treffen könnte, verzog sich Dörmer in eine urzeitliche Höhle, um in diesem kühlen Ambiente einen dritten Kriminalroman zu verfassen...

HÜNENSCHLAG ist keine Anspielung auf die Fähigkeit des Linkshänders Dörmer, seinen Ball enorm weit zu schlagen, sondern bezieht sich auf einen jener Grabhügel aus einer Zeit, als Männer mit ihren Keulen noch nicht nach Bällen schlugen, sondern nach den Köpfen ihrer Gegner.

Nachdem Oberkommissar Cervinus in dem im letzten Jahr erschienen Roman "ANNAS SCHLAG - Ein geschichtLicher Kriminalroman" einen mörderischen Unfall im Licher Stadtturm aufklären musste, führen die Ermittlungen diesmal zum "Heiligen Stein" und zu den Hügelgräbern im Muschenheimer Vorderwald, nach Bettenhausen, zum nicht minder geschichtsträchtigen Totenberg zwischen Allendorf/ Lumda und Staufenberg-Treis und zum Oberhessischen Museum in Gießen, das unter Historikern so bekannt ist wie 'Auchterlonies' in  St. Andrews unter traditionsbewußten Golfern. Hünenschlag - ein archäologischer Kriminalroman von Henrich Dörmer

Im Prolog von HÜNENSCHLAG (und in einem weiteren Kapitel des Romans) wird von den jungsteinzeitlichen Vorfahren Dörmers erzählt, die die bemerkenswerten Grabhügel mit ihren steinernen Kronen, die Menhiren, erbaut haben. Lana und Arto, zwei Geschwister einer damals an den Ufern der Wetter siedelnden Sippe, machen sich in der Erzählung auf den Weg zu dem großen Hügelgrab auf der Kuppe des Wetterkopfes, dem Ort, an dem Lanas und Artos Großvater Menard bestattet werden soll. Heute sind auf dieser Erhebung die beeindruckenden Überreste eines Großhügelgrabes zu finden, dem sogenannten „Heiligen Stein“.

Alsdann erfolgt der Sprung in die Neuzeit. Der in allen Dörmer-Romanen ermittelnde Oberkommissar Martin Benedikt Cervinus ist am Boden zerstört: Seine Versetzung in die Mordkommission wurde abgelehnt. Begründet wird dies mit einem kritischen Gutachten der Psychologin Eva Kieling. Dabei hatte ausgerechnet sie Cervinus geholfen, den letzten Fall erfolgreich aufzuklären. Enttäuscht kehrt er ins Unfall-Dezernat zurück und nimmt den neuesten Fall auf: Ein Landwirt, Odo Moosbach aus Augarten, einem Nachbarort des mittelhessischen Dörfchens Bettenhausen, ist durch eine Heuballenpresse zu Tode gekommen. Noch am Abend zuvor war er anlässlich eines Sonnenwend-Festes Gast in dem von seiner Tochter Ariane betriebenen Restaurant „Herren-Tisch“, das er allerdings im Streit mit ihr verlässt – und kurze Zeit später im Garten des Gasthofes bewusstlos zusammenbricht. Keiner der weiteren Anwesenden, neben dem Koch Ferdinand Lind auch Einsatzkräfte der Augartener Feuerwehr können sich später erklären, wie er danach in seine eigene Rundballenpresse geraten konnte.

Der Unfallort in unmittelbarer Nähe zu den mystischen Hügelgräbern zwischen Muschenheim und Bettenhausen erscheint rätselhaft: Nur wenige Meter von dem Ort entfernt, an dem die Rundballenpresse Moosbach erfasst hatte, befindet sich ein Zelt, das auf Ausgrabungsarbeiten an einem der benachbarten steinzeitlichen Hünengräber hindeutet. Ein großes Loch in einem der Grabhügel scheint diese Annahme zu bestätigen. Allerdings fehlt von einem Wissenschaftler, der mit Hacke und Schaufel den neolithischen Gebilden zu Leibe gerückt wäre, jede Spur.
Hinweise auf Licher Golfer, die dafür bekannt sind, tiefe Löcher zu graben, sind nicht gegeben und die Schwester des Opfers, Frau Almut Kohlbühl, selbst Archäologin und Expertin für die Hügelgräber-Bronzezeit, kann sich auch keinen Reim darauf machen. Von Ausgrabungen im Muschenheimer Vorderwald weiß sie nichts. Sie selbst forscht an einem anderen Ort in Oberhessen, am Totenberg zwischen Staufenberg-Treis und Allendorf an der Lumda.

Oberkommissar Cervinus wird von der Tatsache überrascht, dass sein Partner, Kriminalobermeister Egon Hirschmann, der Nachbar des Verunglückten Odo Moosbach ist und so gibt er die Ermittlungsergebnisse an die Staatsanwaltschaft weiter, weil ihn ein ungutes Gefühl hinsichtlich der Rolle seines Partners Egon Hirschmann in dem tödlichen Unfall beschleicht….und am Ende kommt doch immer wieder alles anders, als man denkt.

Fazit: Wer seine Golfbälle im hessischen Raum streut, sollte Dörmers Roman unbedingt lesen. Nicht nur, um die hiesigen Abgründe, Tiefen und Löcher kennenzulernen, in die Bälle rollen können, sondern weil das Buch so spannend wie lehrreich geschrieben ist und mir als Geschichts-Banausen manche dunkle Ecke meiner Heimat beleuchtet hat. (ep)

Erschienen ist der Roman bei BoD - Books on Demand, Norderstedt. ISBN: 978-3-7528-3277-8, 288 Seiten, Preis 12,90 EUR. Er ist im Buch- und Onlinehandel erhältlich.

 

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Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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