17.11.2018 - 09:45 Uhr

Gestern bin ich versumpft. Nix Schlimmes,...aber aus schwerem Nebel dämmern langsam vage Erinnerungen herauf...

Zuerst eine Familienfeier mit dem schottischen Zweig meiner Patchwork-Sippe, dann Klassentreffen (100 jähriges Jubiläum) in einem Klosterlokal der Region.
Als ich rein kam, winkten mich von zwei Tischen mir unbekannte Senioren heran. Da man sich ja wegen dem Mumifizierungsprozess nicht erkennt, ging ich zu einem Tisch, aber irgendwie kam ich mir da dann doch falsch vor.

Am anderen Tisch sahen die Leute auch so fremd aus.

Eine forsche Bedienung fragte mich, wen ich suchen würde?

"Weiß nicht," stammelte ich. "Irgendwelche  Leute...".

"Auf welchen Namen haben Sie denn reserviert?" forschte sie.

"Weiß nicht", sagte ich, "ich hab nicht reserviert."

Sie seufzte. Desorientierte Senioren sind offensichtlich ihr Alltag.

"Aber Sie müssen doch einen Namen wissen auf den reserviert ist?!"

"Nein, muss ich nicht, ich muss gar nix. Ich will nur rumkucken!" Jetzt wurde ich barsch.

Renitente Senioren - darauf wurde sie auch trainiert. Sofort trat sie den Rückzug an, denn in diesem Lokal, auf unserem Gießener Hausberg, auf dem sich früher die Burschenschaftler kloppten, verirren sich heute noch gelegtlich "Alte Herren" auf der Suche nach bewegten Zeiten, und diese Burschen können schnell gefährlich werden. 

(Ich habe auch einen feinen Schmiss an der Wange, der jedoch von einer Explosion meines KOSMOS Chemiebaukastens in der 7. Klasse stammt...ein Blutzoll, der mich noch Jahrzehnte später mit dem KOSMOS-Verlag verbinden würde.)

Beäugt von der misstrauischen Bedienung wandte ich mich der anderen Seite des Lokals zu. Da saßen sie dann, das letzte aufrechte Dutzend Jugendgefährten. Allgemeine Fröhlichkeit. Ein schwerer Arm legte sich um meine Schulter, Rotwein wurde mir ins Gesicht gehaucht. Ich schob den Arm weg, verbat mir Übergriffigkeit und entschuldigte mich wegen meiner familiär bedingten Verspätung. 

Dann entdeckte ich sie, die ich damals so angehimmelt habe. Wir setzten uns zusammen, erzählten uns unser Leben und dann gestand sie mir, dass sie auch in mich verknallt gewesen wäre. Damals. Wir hätten auch einmal zusammen getanzt! Sie in mich und ich in sie: verknallt. Und nie haben wir uns das gesagt. Heute ist sie Zahnärztin. Hätten wir geheiratet, hätte ich heute vielleicht schönere Zähne und wäre längst beim Film.

Ich unterhielt mich auch mit einer anderen Klassenkameradin. Sie ist heute in der Altenpflege. Bei der Schilderung meine urologischen Probleme in Verbindung mit Schlafapnoe, Mundtrockenheit und häufigem nächtlichem Wasserlassen brüllten alle vor Lachen. Sie dachten offensichtlich, der Klassenkasper von einst spule sein Comedy-Programm ab.

Nur das junger Paar am Nachbartisch, das gepflegt speisen wollte, lachte nicht. Eher im Gegenteil. Als ich das merkte, verabschiedete ich mich sofort, denn wie sehr hasse ich laute, "schlüpfrig-fröhliche" Belästigung durch übergriffige Senioren. Kennt man ja vom Golfclub. Also nicht von unserem, natürlich nicht, aber sonst?

Wie auch immer. Meinem entzündeten Zeh geht es besser und ich habe um 13Uhr 20 Startzeit, um mich in der Weite des Raums zu ergehen - oder an der Weite des Raums zu vergehen oder wie immer man das beschreiben möchte.

Euch eine gute Woche

Ihr /Euer

Eugen Pletsch

 

PS: Ich verkaufe meinen legendären "Bettinardi-Baby-Ben"-Putter, wirklich ein feines Teil. Wir meist von 80-120 EUR angeboten. Ich hatte den sogar kurzeitig auf 60.- reduziert, bis mich ein unmäßiger Spaßvogel so mit Preisnachlassforderungen geärgert hat, dass ich ihn wieder auf 80.- gesetzt habe. Da bleibt er auch. Details sind hier zu finden

Bild: Heide,- und Moor-Landschaft im Golfpark Winnerod

Bild: Heide- und Moor-Landschaft im Golfpark Winnerod

 

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Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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