16.08.2018 - 13:49 Uhr

Während die US-PGA-Championship am 2. Tag witterungsbedingt ausgesetzt wurde, dachte ich darüber nach, wo ich diesem seltsamen Spiel erstmals begegnet bin…

Das war in einem Vorort von Luxemburg an einem Sonntagmittag vor mehr als 30 Jahren. Es muss nach 12 Uhr gewesen sein, denn wir waren im Garten und tranken bereits einen Malt. Jim stellte sein Glas auf den kleinen Beistelltisch, zog einen seiner Golfschläger aus einem Köcher, setzte einen Ball auf einen kleinen Stift und schlug nach dem Ball in Richtung der Wiese hinter dem Haus. Da war nichts außer Gras und ein paar Kühen. Die Kühe schauten nicht mal auf, denn sie wussten offensichtlich, dass Jim sie nie treffen würde. Auch den Ball traf Jim nur ziemlich lausig. Er flog ein paar Meter über den Zaun, und verschwand im dichten Gras. Jim ärgerte sich und schlug noch einen Ball. Der flog dann etwas weiter und Jim lächelte so listig, wie der Kellner im „Dinner for One“ nach der 4. Runde Drinks. 

Er nahm auch noch einen Schluck und hielt mir den Schläger hin. Ob ich es auch mal probieren wollte. Klar wollte ich. Er zeigte mir, wie man den Schläger hält, setzte einen Ball auf den kleinen Stift und ich versuchte nach dem Ball zu schlagen. Ich traf ihn nicht. Vermutlich um mir Mut zu machen, sagte Jim, er wäre Linkshänder. Die Schläger wären also für mich falsch rum. Das war mir egal. Es war auch wirklich egal, denn als ich später meinen ersten Schläger für Rechtshänder hatte, traf ich erstmal auch keinen Ball.

Das ist nun mal so. Zumindest bei den besonders talentierten Spielern. Ein wenig talentierter Spieler trifft den Ball meist gleich zu Anfang. Dann denkt er – oder sie – das Spiel wäre ganz einfach, verliert den Respekt vor dem Spiel und kommt nie wirklich weiter. Alle wirklich guten Spieler haben echten Respekt vor dem Golfspiel, aber leider kommen auch sie nie wirklich weiter. So ist das nun mal – bis in die Weltklasse. Fragt Martin Kaymer. Irgendwo hapert es immer. Da triffst du endlich deine Eisen, prompt fliegen die Drives ins Aus. Nagelst du die Pitches auf das Grün, bleibt der Putter kalt. Golf ist unbesiegbar. Fragt Tiger Woods! Niemand hat das Spiel jemals gemeistert.

Na gut: Außer Bernhard Langer. Der spielt seit 100 Jahren wie von einem anderen Stern. Ich vermute, dass er tatsächlich von einem anderen Stern ist. Mein ganzes Golfer-Leben bin ich Bernhard Langer immer wieder mal begegnet. (Er weiß das natürlich nicht). Und in der ganzen Zeit, während ich dick und alt wurde und mir die Haare ausfielen, ist er stets der Gleiche geblieben. Jung, drahtig, den Mund leicht verkniffen, das volle Haar gewellt – er wird einfach nicht älter. Wäre er nicht so christlich, würde man vermuten, er wäre mit sonst wem im Bunde. Ist er aber nicht. Das sind seine Maurer-Gene. Sein Vater war Maurer bei Augsburg und Mauern halten nun mal länger als – sagen wir mal – IT-Programme. Das Kind eines Programmierers würde es (wegen der kurzen Lebenszeit einer Software) nie in die Weltspitze des Golfsports schaffen. Schon gar nicht für so viele Jahre wie Bernhard Langer.

So, jetzt kommt die Meldung, dass es heute nix mehr wird, schwere Gewitterfront, alle müssen in Deckung gehen. Da gehe ich mal ins Bett. Zum Glück ist es kühler und ich wage einen Gedanken daran, morgen endlich mal wieder über das dürre, gelbe Gras von Winnerod zu wandern und ein paar Bälle zu schlagen.

Nächste Woche will Frau Oelmann zu einem Kurzbesuch vorbeischauen. Matchplay hat sie satt, sagt sie. Sie möchte mit mir ein Scramble spielen. Da würde sie sich besser fühlen, als wenn sie immer nur das Matchplay verliert. Nach meiner Erinnerung hatte sie mich kürzlich auf ihrem Heimatplatz ziemlich geschreddert, aber bitte sehr. Warum nicht? Brooks Koepka wird sich als 100. PGA Champion jetzt auch besser fühlen, nachdem er mit grandiosem Golf das letzte Major des Jahres gewonnen hat. 

PS: Ja, ich habe auch mit Tiger gefiebert, aber wie er den 2. Platz erkämpft hat, macht Hoffnung auf mehr.

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

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Über Eugen Pletsch

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Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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