16.08.2018 - 13:49 Uhr

Ob es sich bei der Porsche European Open in Green Eagle bei Hamburg um ein bärenstarkes Feld handelte, wie das Golfjournal in einem Newsletter schrieb - darüber kann man geteilter Meinung sein....

In der Golftime 5-18 (S. 36) ließ sich Marcel Siem über den Mentaltrainer von Jason Day aus, der ihn ein „bisschen gebrainwashed“ hätte.
Er hat versucht, meine Vergangenheit aufzuarbeiten und wir haben versucht, meine Emotionen besser in Griff zu bekommen“, erzählt Siem.
Und dann sagte er Sätze, wie: "Ich habe zwar nie negative Gedanken gehabt, ich habe mich aber oft selbst fertig gemacht."
Da fragt sich der Leser: "Was gibt es denn da noch zu waschen?" Aber lest selber, die Golftime liegt derzeit in den Clubs rum.

Vor einigen Jahren führte ich mit Marcel Siem ein kurzes "Pressegespräch" im Velderhof, bei dem ich erfuhr, dass er bereits mehrere Mentaltechniken ausprobiert hatte. Bei der Gelegenheit erfuhr ich auch, dass Oliver Heuler für ihn (seit seiner Zeit in der Nationalmannschaft) ein rotes Tuch ist. Deshalb hat er Heulers Buch „Jenseits der Scores“ vermutlich nie gelesen, geschweige denn verstanden. Jedenfalls scheint er auf dem Weg zur Golf-Meisterschaft nie weiter als ins ‚Stadium 2d‘ gekommen zu sein, selbst wenn er Tour-Events gewann und einst „das größte Talent war, das der deutsche Golfsport hatte“, wenn ich Heuler aus der Erinnerung richtig zitiere.

Die „Vergangenheit aufarbeiten“ wäre in seinem Fall der richtige Weg gewesen und dazu bräuchte Siem nicht mal den (vermutlich extrem teuren) Mentaltrainer von Jason Day. Wir haben in Deutschland hervorragende Trauma-Therapeuten – aber es sind natürlich auch einige windige Gestalten dabei, die ihre Schäfchen gerade im Golfbereich besonders gerne scheren.

Das Problem, einen Score über vier Tage zusammenzuhalten, haben jedoch auch andere und bei der European Open hatten einige (nicht nur) deutsche Spieler die Gelegenheit zu testen, was ihr Mentaltrainer taugt. Somit ist ein Tour-Event auf deutschem Boden fraglos eine Bereicherung und besonders hilfreich für Spieler, die um ihre Karte bangen.

Und dann gibt es natürlich auch die Stars, mit denen ein Turnier beworben wird. Obwohl Titelsponsor Porsche in seinem Marketing-Geblubber grundsätzlich mit „Stars“ wirbt, würde ich es vorziehen, Leute wie Paul Casey als Spitzenspieler oder Top-Profi zu bezeichnen. Und ob Patrick Reed wirklich ein Star ist, weil er das MASTERS gewonnen hat, ist die Frage.
Auf Publikum und Kameraleute reagierte Reed entnervt wie Colin Montgomerie in seinen besten Tagen. Dabei waren „die Massen“, die ihm am Donnerstag folgten, kaum größer als eine durchschnittliche Toilettenschlange in Carnoustie.

Details kann ich jedoch nicht berichten, da ich nicht vor Ort war. Die veranstaltende Agentur 4Sports bedient offensichtlich nur noch die Mainstream-Golfmedien. Jedenfalls habe ich weder vor noch während oder nach der Veranstaltung irgendwelche Informationen erhalten, aber damit kann ich leben.
Am Nachmittag habe ich hin und wieder in die TV-Übertragung reingeschaut, weil die sonore Stimme von Adrian Grosser bei dieser Hitze ein Garant für optimale Tiefenentspannung ist. Nur die Werbung reißt einen hin und wieder aus den REM-Phasen raus.

(Es sei jedoch ausdrücklich gesagt, dass ich eine sachlich-entspannte Übertragung begrüße. Ich vertrete die Ansicht, dass Kommentatoren bei Darts,- Billard,- Schach,- oder Golf-Übertragungen die Stimme nur selten heben sollten. Ein stundenlanges Knauss‘sches Schweigen oder gelegentliches kauziges Knurren ist mir lieber als das WAHNSINNS-Geschrei von "Stimmungsmacher" Myskow…).

Beim Finale habe ich nicht mehr geschlafen, denn das wurde eine bärenstarke Überraschung!

Die deutschen Spieler, die den Cut geschafft haben, (sogar Siem!) hatten mit dem Ausgang des Turniers nichts mehr zu tun. Meinte man zumindest, bis dann der Amateur (bzw. Ex-Profi) Allen John mit einer 67er-Schlussrunde auf Platz zwei vorrückte. Das war eine Sensation (da durfte der Kommentator auch mal die Stimme heben), aber seien wir ehrlich: Die Sensation des Allen John und der Sensationssieg des Engländer Richard McEvoy kamen zustande, weil „Stars“ wie Bryson DeChambeau so eingebrochen sind, wie man es nur selten sieht.

Das soll die Leistungen eines John oder McEvoy jedoch nicht schmälern, im Gegenteil! Wenn Paranoia um sich greift, die „Pfötchen feucht werden“ wie das Carlo Knauss auszudrücken pflegt und das ganze Spielerfeld auf der morphogenetischen Ebene in Adrenalin badet, dann ist es für Spieler der 2. und 3. Garnitur umso schwieriger, den Kopf aus dem Schwung zu halten.

Richard McEvoys letzter Putt auf der 18 bewies Mut, Grandezza und die Fertigkeit eines in vielen Jahren gereiften Spielers. Bravo!

Favorit Bryson DeChambeau dagegen, der mit seinem Outfit gerne Assoziationen an Ben Hogan zu wecken versucht, erinnerte mit seinem Verhalten auf dem 18. Grün eher an einen Porsche-Fahrer auf Unfallflucht: Nach einem kurzem Handshake stürmte er an dem Sieger McEvoy vorbei und würdigte ihn kaum eines Blickes. Siehe auch: https://twitter.com/twitter/statuses/1023589484745711616
 
(Noch?) keine Gentlemen, DeChambeau* und Reed, aber Stars, für die man sich freut, dass sie ihre Porsche in den USA fahren, was für sie in Anbetracht allgegenwärtiger Geschwindigkeitsbegrenzungen ein besonderer Genuss sein wird.

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

PS: DeChambeau habe sich mittlerweile nach harscher Kritik entschuldigt, heißt es. Schon bei der OPEN lagen seine Nerven blank, wie man hier sehen kann. OK - beides junge Kerle, aber es sind die "Stars" eines Turniers und somit auch Repräsentanten des 'Spirit of the Game", zumal wir nicht vergessen sollten, dass selbst Bobby Jones nach seinem OPEN-Debüt verärgert das Weite gesucht hat.

 

 

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Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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