18.10.2018 - 06:58 Uhr

Der Bericht meines Besuches im Odenwald. Ich danke Klaus Holitzka, Andreas G. Karácsonyi und Jakob für Ihre Beiträge und dem GC Odenwald für die Gastfreundschaft.

Wie ich kürzlich schrieb, hatte mich Klaus Holitzka eingeladen, anlässlich seiner ersten persönlichen Begegnung mit Andreas G. Karácsonyi (Prof. Groover) die Kameras laufen zu lassen. Die beiden hatten sich, vermutlich über meine FB-Posts, auf Facebook kennengelernt und es wurde ein wunderbarer Tag. Hören wir zuerst Andras im O-Ton:

„Unterwegs in Deutschland machte ich im Odenwälder Mossautal bei Klaus und Marlies Holitzka halt. Ihre Odenwälder Hazienda ist ein außergewöhnliches Kleinod und wie das Leben so spielt, war auch Eugen Pletsch anwesend. Eugen führte mich durch das Reich der Holitzkas, zeigte mir die Anlage, die Räume, die Bilder und erzählte von den Projekten, die Klaus Holitzka zusammen mit der wunderbaren Marlies gestaltet. Aber eigentlich wollten wird Golf spielen.

Klaus Holitzka und Andreas G. Karácsonyi  im Golfclub Odenwald, Foto: Eugen Pletsch

Der naheliegende Golfplatz GC Odenwald empfing uns überaus freundlich. Wir starteten auf der 2. Neun. Klaus meinte, wenn Besuch aus Österreich da ist, sollte man ihm „die spannenderen Löcher“ zeigen. (Da wussten wir noch nicht, dass Klaus und ich am nächsten Tag die ersten Neun auch gehen würden.)

Abschlag 10, wow, was für eine tolle Bahn! Par 5, bergab, bei diesem trockenen Boden mit dem 2. Schlag durchaus erreichbar. Nach meinem Abschlag erblasste Eugen vor Neid und borgte sich meinen Driver. Nach seinem Drive sagte er zu Klaus: „Habe ich dir nicht gesagt, dass es in Österreich richtige Golfer geben soll, die den Ball weiter hauen als ich?“

(ep: Hier muss ich einfügen, dass Andreas meine Selbstironie offensichtlich nicht verstanden hatte. Jeder, der mit mir gespielt hat weiß, dass sogar eine alte Frau in Stützstrümpfen ihren Ball mit einer Kohleschaufel weiterschlägt als ich das kann…).

Jede Bahn war ein Ereignis für sich, es wurde dir nie langweilig. Die „hügeligen“ zweiten Neun Löcher in Odenwald (als Österreicher ist man das natürlich gewohnt) sind eine echte Herausforderung und mit einer guten Strategie auch wunderbar spielbar. Es war ein Genuss, diesen Platz kennen zu lernen.

Die ersten Neun Löcher am nächsten Tag waren nicht weniger spannend und wir wurden bei dem schönen Wetter mit einer fantastischen Aussicht über dies weite Landschaft verwöhnt, die sich auf jedem Loch von einer anderen Seite zeigt. Wir waren erfreut über unsere guten und weniger guten Schläge, stand doch das Zusammensein mit Freunden im Vordergrund. Fazit: Auf diesem Platz bist du dem „Spirit Of The Game“ sehr nahe!“

Danke, Andreas. Ja, der Golfclub Odenwald ... und so war es: Wir starteten auf der 2. Neun, um Andreas den Platz gleich von seiner biestigen Seite zu zeigen, aber vollkommen unbeeindruckt schlug er seine enorm langen Drives.
Aus gesundheitlichen Gründen hatte Holly in diesem Jahr noch keine Runde gespielt und ich war mit meinem Mini-Set angetreten. Deshalb lieh ich mir anfangs mal von Holly, mal von Andreas den Driver, merkte aber schnell, dass ich weder mit zu weichem (Holly) noch mit zu hartem Schaft (Andreas) irgendeinen Vorteil haben würde und spielte mein altes Hogan 21°, denn auf diesem Platz ist nicht unbedingt Länge, sondern eher die Präzision gefragt. Nach neun Loch beendeten Andreas und ich unser Match „all square“ und Holly gewann den Invaliden-Preis.

Andreas hätte gerne noch weitergespielt, aber Holly und mir war es zu heiß. So saßen wir bald  darauf im herrlichen Hof der Holitzkas und lauschten Andreas Gitarre-Spiel

 Andreas G. Karácsonyi  Foto:  Jakub Reichhart
Holly hat etliche Gitarren, aber nur eine kleine Klampfe war mit den Nylonseiten bespannt, die für den Gitarren-Professor unabdingbar waren, um Bach zu zelebrieren. Für mich, den Schrammler, war es faszinierend zu hören, welche Klänge Andreas diesem uralten Instrument entlocken konnte. Zwischen den Gitarrenstücken quälten wir Andreas mit Fragen zur Musiktheorie und lauschten seinem unglaublichen Fachwissen.

Ist es nicht schön, wenn jemand noch etwas (außer Golf spielen) kann? Holly malt wunderbare Bilder, Andreas spielt meisterhaft Gitarre – und ich kann eine Kopfstimme singen, so einen Herren-Alt, wie Andreas zufällig feststellte. Er nannte das eine Kastraten-Stimme, was mich etwas irritierte, aber er meinte, damit könne man bei mittelalterlichen Gesangsaufführungen in denen Männer mit hohen Stimmen die Frauen ersetzen, ziemlich viel Geld verdienen. Das interessierte mich natürlich, wie Ihr Euch denken könnt, denn wäre es nicht spannend, wenn ich meine Lesungen künftig auf Delphin-Frequenz zwitschern würde? 

(Trotzdem: Da ich heute eine Runde mit einem Hausarzt spiele, werde ich vorsichtshalber fragen, ob wir meinen Testosteronspiegel messen sollten.)

Jedenfalls – eine Blues-Session gab es nicht, denn dieser Tag und Abend war Höherem geweiht, wobei Andreas in seinen Ausführungen zu Bach verdeutlichte, dass Bachs verminderte Septime immerhin die Grundlage des Jazz ist. 

Am nächsten Morgen machte ich mich früh aus dem Staub, während Holly seinen Gast nochmal ins Brombachtal führte, um auch noch die ersten Neun zu spielen. Mir war nicht nach Golf. Ich wollte schnell nach Hause um meine Alt-Stimme zu trainieren, was aber bereits am ersten Tag zu Problemen führte, weil der Nachbarhund, sowie ich meine Stimmübungen begann, zu jaulen anfing. Nur in dem kurzen Zeitfenster in dem er abends ausgeführt wird, kann ich problemlos üben, was aber mit meinem abendlichen Golfspiel kollidiert.
(Deshalb übe ich meine HiiiiiHiiiiiHiiiii-Übungen mittlerweile auf der Runde, was dazu führte, dass ich den Platz abends für mich alleine habe.)

Und dann habe ich im Club die Zeitschrift „Perfect Eagle“ entdeckt. Autoren wie Timo Schlitz und Frieder Pfeiffer sind Garanten für solide Informationen, die man in der Blätterwelt der Golfer sonst weitgehend vermisst.
Besonders interessant: Der Artikel „Das Mind-Set muss sich ändern“ – ein Gespräch zwischen Eicko Schulz-Hansen, Marcus Neumann und Ann-Kathrin Lindner, moderiert von Frieder Pfeiffer. Diese Unterhaltung war eine echte Überraschung für mich. 
Offensichtlich ist man zur Erkenntnis gekommen, dass man das Spiel nicht allein den Winkel-Advokaten der Schwungtechnik überlassen darf.
„Schulz-Hansen sagte z.B.: „Wie brauchen mehr Antworten, die nichts mit technischen Dingen des Schwungs zu tun haben“.

„Spaß an der Bewegung“, „Intuition“, „Ideen haben“, um nur einige Stichworte zu nennen. Und Neumann erklärt, wie manche Kids mit enormer Länge irgendwann von den Spielern überholt werden, die „variabel“ spielen können. Überhaupt ist spielen das Stichwort. Als hätte mal jemand in dem Exemplar vom „Weg der weißen Kugel“ geblättert, das im Bücherschrank der Members Lounge des Golfclubs St. Leon-Rot zu finden war, zumindest als ich zuletzt dort spielen durfte.

PS: Mittlerweile rege ich mich nicht mehr auf, wenn keiner der ohnehin schon zu wenigen deutschen Spieler bei Tour Events den Cut schafft. Vielleicht wird es noch eine Generation dauern, bis die fixe Idee vom perfekten Schwung durch die Fähigkeit ersetzt wird, eine perfekte Runde zu spielen. Wer Schläge übt, bis sie funktionieren anstatt Schläge zu üben, wie sie theoretisch funktionieren müssten, wäre dann im Vorteil. Mal sehen, was bei der OPEN Championship von deutscher Seite passieren wird.

Ihr /Euer

Eugen Pletsch

 

Foto: Jakub Reichhart

Andreas G. Karácsonyi, Klaus Holitzka, Eugen Pletsch:

Einer spielt Gitarre, einer filmt dabei und einer träumt von einer Karriere als Kastraten-Stimme bei mittelalterlichen Gesangsaufführungen. 

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Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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