17.11.2018 - 10:29 Uhr

So, wie ich im Winter gewöhnlich über Schnee und Kälte maule, geht mir jetzt die sommerliche Hitze gehörig auf den Keks. Aber trotzdem macht mir das Spielen wieder Spaß und ich verrate auch warum…

Vor kurzem düste ich in einer Woche dreimal zum Golfpark Winnerod (ich berichtete darüber). Ich holte meinen Krempel trotz der gruseligen Hitze aus der Box, schnallte mein Bag auf meinen treuen Motocaddy und zog die Golfschuhe an, um nach dem ersten Grollen eines herannahenden Unwetters fluchtartig den Platz zu verlassen.

Jugendliche Leser, also alle unter 50, mögen anmerken, dass es sowas wie eine Wetter-App gibt. Ja Leute, ich weiß. Gibt es. Habe ich. Gucke ich auch drauf. Aber die Wetterlage in Winnerod hat ihre eigenen Geheimnisse und wie oft habe ich erlebt, dass Hessens Himmel der allgemeine Wahnsinn tobt, während in Winnerod, trotz düsterer APP-Prognosen, die Lerchen jodeln und die liebe Sonne lacht.

Und wenn es in Winnerod kracht, dann richtig, wobei es nichts Schöneres gibt, als unser Platz nach einem Gewitter.
(An alles, was sonst schöner sein könnte, als unser Platz nach einem Gewitter, kann ich mich, man möge mir verzeihen, beim besten Willen nicht mehr entsinnen. Irgendwas war da noch, aber… jetzt isses weg).

Ich fuhr also raus, egal was die App sagte, machte mich für die Runde fertig und dann konnte ich gerade mal wieder einpacken.

Diesen Affenzirkus mit dem Gewitter habe ich genau dreimal mitgemacht. Dann fiel mir meine Mini-Set-Theorie ein.

Mein Mini-Set  Foto: Eugen Pletsch

Das ist eine provokante These mit der ich die Golf-Industrie vor 20 Jahren in eine schwere Krise stürzte, weil sich zumindest die Klügeren unter den Golfanfängern auf meinen Rat hin kein komplettes Schlägerset mehr aufschwätzen ließen, sondern erstmal mit 4-5 Schlägern begannen.

Ich zitiere aus dem "Weg der weißen Kugel": [i]
"Bis Sie wissen, was Sie wollen, reicht eine kleine Köchertasche, auch Pencil- oder Moonbag genannt, vollkommen aus, um Ihr Starter-Set über einen öffentlichen Kurzplatz zu schleppen. Wenige, aber gute Schläger, ein schöner halber Satz, das reicht für den Anfang. Früher hat man auch mit einem halben Satz angefangen und die restlichen Schläger bei Bedarf nachgekauft, wie das mittlerweile auch wieder von Clubfittern und manchen Markenfirmen angeboten wird. Es ist längst erwiesen, dass der durchschnittliche Spieler ohnehin nur vier oder fünf Lieblingsschläger benutzt. Ob Sie Ihre 9 toppen oder Ihre 5 schlecht treffen, der Ball fliegt so weit wie mit Ihrer »Magic Seven«.
Ihr Mini-Set können Sie später fürs Wintergolf oder im Hochsommer nehmen und irgendwann einem Freund geben, der sich infiziert hat. Wenn Sie dann zu einem guten Spieler gereift sind, brauchen Sie wirkliche Eisen, kein Kinderspielzeug, und ordentliche Schäfte, die zu Ihrem Schwung passen. Dann müssen Sie sich nach richtiger Ausrüstung umschauen und wenn es nie so weit kommt, dann bleibt Ihr kleines Bag eine nette Erinnerung an die verpasste Chance, Ihr Leben zu ruinieren.
"

Und genau diese Geschichte ist mir wieder eingefallen. Mein Moonbag habe ich dann auch prompt im Keller gefunden. Die Sache ist jetzt insofern wesentlich erfreulicher, als ich nun aus dem Auto springe, barfuß oder in Sandalen über den Platz fege und bis das Gewitter überhaupt gemerkt hat, dass ich da bin, bin ich schon durch. Leichtfüßig, wie man das mit 90 Kilo nur sein kann, jage ich meinen Ball über die Aue! Wosch!

Nur die Hitze: Das ist natürlich das andere Problem. aber auch das ist gelöst. Ich spiele nicht mehr ab 16 oder 17 Uhr, sondern erst ab 19 Uhr. Das mag für Euch nichts Neues sein, dass man das machen kann, für mich schon, weil das eine komplette Umstellung meines Lebensrhythmus bedeutet.

Mein Mini-Set  Foto: Eugen Pletsch

Das, was ich im Mini-Set mitnehme, wechselt ständig. Vor ein paar Tagen hatte ich Holz 4, Eisen 7, Gap-Wedge und Putter dabei. Auf unserer 9 schaffte ich es bis zu der sogenannten "Seniorenrinne", was mir, je nach Wind, manchmal nicht mal mit dem Driver gelingt. Da lag der Ball auf einer blanken Stelle, downhill. Nicht gut für 16 ° Loft, zumindest nicht bei meiner Schlägerkopfgeschwindigkeit. Hundertmal hätte ich normalerweise ein Hybrid mit mindestens 23 ° genommen, aber jetzt gab es nur das Holz 4. Was folgte, war ein Schlag für die Götter!
Nächster Schlag (Par 5) aus dem Semirough, ebenfalls mit dem Holz 4 aufs Grün und das Par war sozusagen amtlich gespielt.

Nur war da dieser kleine Drecksack von Putter, der sich angewöhnt hatte, auf jeder Runde mitspielen zu dürfen. Als Putter hat man ja keine Angst um seinen Stammplatz im Team und prompt traf das verschnarchte Stück Eisen den Ball so lässig, dass er zu kurz blieb. Ich sagte noch: Jetzt aber auf! … und drohte mit dem Schmelzofen. Das war wohl zu viel. Der Putter fing an zu zittern und es wurde eine 6! Und das nach diesen tollen Fairway-Schlägen!

PS: Früher glaubte ich noch an diese Geschichten vom Yips und das MEINE HÄNDE zittern würden. Blödsinn! Es ist der Putter, der Angst hat, glaubt mir! Und heute bleibt er zu Hause!

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

 

[i] Ich verlinke nicht auf AMAZON, weil Frau Oelmann sonst, wenn sie dies liest, Pickel bekommt. Die neuste Auflage vom Weg der weißen Kugel ist bei BOD erschienen.

Abonnieren Sie den RSS-Feed: RSS-Feed

Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Anzeige
Anzeige
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok