16.08.2018 - 13:47 Uhr

Diese Hitze! Dreimal war ich diese Woche im Club, dreimal hat mich prompt ein Gewitter überrollt und nach Hause vertrieben. Und dann? Blätterte ich in einem GOLFBUCH!

Hört und staunt: Ein Golfbuch. Gibt es denn noch Golfbücher, werdet Ihr fragen? Ja schon, und der HEEL-Verlag brachte den Mut auf, dieses Golfbuch zu verlegen. Daran schließt sich umgehend die nächste Frage an: Wer soll das denn lesen, dieses Buch? Eigentlich Ihr, und damit es nicht so weh tut, hat man die Texte mit vielen Bildern ergänzt.

Ich hatte auch eine Frage, als das Buch bei mir ankam: Wie kommt ein Verlag auf die abstruse Idee, dass die Redakteure unserer Anzeigenblätter zum Thema Golfsport auch nur das geringste Interesse daran haben könnten, ein GOLFBUCH zu lesen bzw. zu rezensieren? (Bei uns Online-Fuzzies ist das natürlich was anderes).

Wie viele Rezensionsexemplare habe ich bereits (vollkommen sinnlos) an Redaktionen verschickt! Doch halt – es gibt (seltene) Momente gibt, in denen ein Redakteur seinen Bürosessel dreht und nach hinten in den Bücherschrank mit den Rezensionsexemplaren greift, um eines der vielen in Folie verschweißten Bücher herauszuziehen[i]. Drei Gründe fallen mir ein:

  1. Der Golfredakteur (früher waren das Leute mit Handicap um 12 oder weniger, heute eher mit Platzreife) hat erkannt, dass er irgendetwas grundlegend falsch macht und möchte nachschlagen, ob man den Schläger da anfasst, wo das Gummi ist oder da, wo es sich irgendwie hart und kalt anfühlt.
  2. Der Golfredakteur (oder natürlich auch die Redakteurin) hat die Anweisung vom Vertrieb bekommen, im Buch zu blättern, weil der Verlag für die halbseitige Anzeige (zu EUR 5000.-) etwas mehr erwartet, als das, was sonst bei PRs für EUR 2000.- üblicherweise aus dem Waschzettel zitiert wird.
  3. Ein weiterer Grund, warum ein Golfjournalist zu einem Golfbuch greifen könnte, ist, dass er das Buch in das offene Fenster einklemmen will, damit es, wenn der Wind vor dem Gewitter aufkommt, nicht zuschlägt.

(Diese kleine Polemik ist für Neu-Golfer, die sich wundern, warum in den sogenannten Fachmagazinen keine Golfbuch-Rezensionen zu finden sind.)

Dass ich das Buch „Großes Golf spielen und trainieren“ von Dr. Detlef Stronk aufschlug, hatte nur einen Grund: Meine Eitelkeit. Seit Jahren warte ich darauf, dass eines meiner Bücher im Literaturverzeichnis eines anderen Golf-Autors genannt wird. Deshalb durchforste ich (bislang erfolglos) die Literaturhinweise in allen Neuerscheinungen. Auch in diesem Buch wurden meine Bücher nicht erwähnt, was aber (ehrlich gesagt) für den Autor spricht.

Gerade wollte ich mein Rezensionsexemplar ins Fenster klemmen (Gewittergefahr), als ich beim Anblättern im Inhaltverzeichnis hängen blieb. Ein sehr ausführliches Inhaltsverzeichnis, kuckt mal in die Leseprobe.  

Die Basics vom Schwung, wie man seinen Schwung entwickelt, konkrete Vorschläge für Bewegungsmuster wie Frisbee werfen, wie man richtig trainiert und so weiter – wobei mir gefällt, dass Herr Stronk nicht meint, jeden Teller unbedingt selbst erfinden zu müssen. Andere Ideengeber guter Golftipps werden namentlich erwähnt, was in unserer Branche nicht immer üblich ist.

Auf einem der Fotos erkannte ich im Hintergrund das Clubhaus vom GC Semlin! Da, wo der Pro die Übung „Steine flitschen“ in den Teich vorstellt, habe ich einst die gleiche Übung mit Golfbällen trainiert. Während der drei Tage, in denen meine damalige Lektorin Susanne Landskron und ich Gäste des Hotels waren, um das Buch „Achtung Golfer – Schlägertypen in Wald und Flur“ fertigzustellen habe ich einige Bälle in den Teich geflitscht...

Ich blätterte weiter. „Lag und Release“ mit dem Seil-Drill (S.101) ist für einen alten Ernest Jones-Fan ein Genuss. (Selbst Golflehrer kennen heute nur noch Bobby Jones und nicht den großen Lehrer des Swing-Golf, Ernest Jones). Stronk: Großes Golf, Cover: Heel-Verlag

Die Kapitel über das „zielorientierte Spiel“ oder „Wie man unter Druck trainiert“, dürften nicht nur für Anfänger sondern auch für Mannschaftsspieler interessant sein.

Dem Kapitel "Mental Trainieren" (mit Jost Neumann) folgt der ganzseitige Hinweis: Lächeln.
(Das ist eine alte chinesische Übung, die zu praktizieren mir angesichts der Entwicklung im ‚modernen Golfsport‘ immer schwerer fällt.)

Die nachfolgende 78er Übung zeigt, wie man sich nach dem Training auch ohne Bier entspannen kann.[ii]

Gesundes Golfen, anmoderiert von Stefan Quirmbach, enthält Fitness-Übungen, effektive Dehnübungen und eine kurze Einführung in das Feldenkrais-Training.
(Das macht Sinn, weil die heutige Spielgeschwindigkeit bei Club-Turnieren viele Gelegenheiten bietet, auf dem Fairway Feldenkrais zu üben. (Matte einpacken!) Feldenkrais hilft aber auch, die Körperwahrnehmung im Stehen zu steigern – gut für Golfern, die nicht merken, dass sie längst schlagen dürfen.)

Fazit: Dass der Heel-Verlag in der heutigen Zeit den Mut aufbringt für die überschaubare 'Zielgruppe Golfer' ein so aufwändiges Buch zu veröffentlichen, verdient Respekt. Es wurde ein schönes Buch und dank vieler Bilder hilft es auch denen, die eher visuell lernen.
Vielleicht muss sich nicht jeder der bereits in der Voltaren-Liga spielt täglich per Liegestütz aus dem Pezziball abrollen, aber:
Großes Golf spielen und trainieren von Dr. Detlef Stronk bietet ambitionierten Golfern eine Fülle praktischer Hinweise für Körper und Geist sowie eine umfassende Beschreibung des modernen Schwungs und Golftrainings – brauchbar für alle, die dieses schwierige Spiel wirklich erlernen möchten.

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

Großes Golf spielen und trainieren
Mit Anleitungen für Fitness und gesundes Golfen
Mehr Power, mehr Kontrolle, mentales Training - gesundes Golfen.
184 Seiten, gebunden, 215 x 270 mm,
Heel-Verlag, ISBN 978-3-95843-699-2, EUR 29,95

 

 

[i] Noch ein Grund, um zu den Rezis zu greifen: „Das Brett mit Rezensionsexemplaren“, schrieb Walt Whitman einst, „ermöglicht es den Redakteuren, sich in gewisser Weise mit den Größen der Zeit in eine Reihe zu stellen“. Ob Whitman auch Golfbuch-Autoren zu den Größen seiner Zeit rechnete, ist leider nicht überliefert.

[ii] Diese 78er-Übung erinnert an die ZEN-Meditation. Bei der zählt man seine Atemzüge jedoch nur bis 10, was schwierig genug ist, wenn man dabei vollkommen gedankenfrei im JETZT verweilt. (Gedanken lässt man wie Wolken vorbeiziehen, ohne ihnen nachzuhängen). Aber 78 – WOW! In der Zeit bis man seine Atemzüge konzentriert bis 78 gezählt hat, kann man vermutlich einen Alkohol-Entzug machen, ein Haus bauen und ein Kind aufwachsen sehen. Oder eine 9-Loch After-Work-Gruppe als Caddy begleiten – nein, stopp, das dauert länger…).

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Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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