21.05.2018 - 22:29 Uhr

Alleinlebende ältere Herren, deren häufigster zwischenmenschlicher Kontakt der Besuch eines Paketdienst-Fahrers ist, neigen zur Verwahrlosung.

Deshalb achte ich sehr auf ein gepflegtes Erscheinungsbild. Selbst wenn meine alten Pullis Löcher haben und meine Jogginghose verschlissen wirkt, so betone ich gegenüber Paketfahrern sehr deutlich, dass meine Sachen zumindest regelmäßig gelüftet werden. Wie komme ich jetzt darauf? Ach so: Es geht um Körperpflege und menschlicher Nähe und die Ketose-Diskussion hat die anrüchige Problematik des Mundgeruchs bei Golfprofis ins Rampenlicht gezerrt.

Die Wichtigkeit einer regelmäßigen Mundhygiene brauche ich an dieser Stelle eigentlich nicht besonders zu betonen, aber das Problem sitzt tiefer! Häufig sind es die Fäulnisstoffe des Darms, die aus dem Maule stinken. Besonders berüchtigt dafür sind Heilpraktiker, die mit Darmbakterien experimentieren, aber auch Zahnärzte und Golfprofis sind betroffen, sozusagen alle, die sich beruflich dicht vor unserem Gesicht bewegen.
Und wer dann auch noch meint, jedem Diät-Fimmel huldigen zu müssen und anfängt, sich von rohem Pferdefleisch zu ernähren, das auf polnischen Lastwagen zweimal quer durch Europa geschüttelt wurde, damit es diesen unter Ketose-Gourmets besonders beliebten Geruch annimmt, der an 'in der Arktis aufgetauten Mammut' erinnert, der braucht sich nicht wundern, wenn sich empfindliche Menschen abwenden und um Luft ringen.

Das Thema Blähungen lasse ich jetzt mal außen vor und auch den verhobenen Stuhl, denn jeder koksende Investment Banker, jedes Model und jeder Billigflieger mit Check In 3 Uhr 30 morgens weiß, wie grausam sich eine Verstopfung anfühlt. (Ich gehe mal davon aus, dass die Mehrheit meiner Leser einer dieser Zielgruppen angehört). In Schottland, wo man Mitbewerber auf dem Abschlag gerne mit lautstarken Fürzen irritiert, sind Blähungen übrigens kein Tabu. Dennoch mag sich der mir einst geneigte Leser fragen, warum ich dieses anrüchige Thema gewählt habe.

Für mich (Mitinitiator des ehemaligen Bestsellers „Das Scheiss Buch“), der ich in den letzten 30 Jahren so häufig wie jeder andere Scheiss Golf gebrüllt habe, ist es ein Thema wie jedes andere, das nur insofern eine gewisse Aktualität bekommen hat, als ich mich jetzt

  1. von Ernährungsberater Ulf Uebel beraten lasse, der verhindern soll, dass ich meine Wohnung eines Tages nur noch mit einem Kran über den Balkon verlassen kann und
  2. weil Frau Oelmann im Anmarsch ist! Mit ihr werde ich vom 13.-15.5.2018 mehrere Golfplätze im Hessischen umpflügen, wobei mir mein derzeit dürftiges Spiel weniger Sorgen bereitet, als der Gedanke, drei Tage mit diesem jungen Ding in einem Buggy zu verbringen.

Konditionell sind die drei Tage für mich weiß Gott kein Problem, denn ich habe trainiert! Die Hinweise gewisser Spaßvögel, eine Mucki-Bude aufzusuchen, sind komplett von mir abgeperlt, aber ich entsann mich einer alten schottischen Methode des effektiven Muskelaufbaus, nämlich eine Driving Range mit dem Handmäher zu mähen.
Dazu fuhr ich zu meinem Freund Holly ins Mossautal. Seine private Driving Range hinter dem Haus führt in steiler Schräglage hoch bis zu einem Wald, in dem vermutlich mehr Golfbälle liegen, als auf Jack Nicholsons Grundstück in Hollywood oder in der Schlucht von Hunter S. Thompsons einstigem Wohnsitz in Aspen.
Das fette Gras einer Mittelgebirgsweide bietet einem Handmäher eine gewisse Herausforderung und so zog ich schwer atmend meine Kreise. Holly hatte die Auffangbox entfernt, vermutlich um mich zusätzlich abzuhärten und so klatschte mir die Fülle der gehexelten, nährstoffreichen Flora und Fauna nicht nur gegen die nackten Beine, sondern auch direkt in den von Anstrengung weit geöffneten Rachen. Das war ein echtes Härtetraining, während Frau Oelmann, wie sie mir schrieb, nur an einem Turnier teilnahm, bei dem – wegen der 5,5 Stunden langen Rumsteherei –  Muskelschwund sozusagen vorprogrammiert war.

Frau Oelmann und Herr Pletsch im GC Braunfels

Das die Situation vor dem Match. Die Spannung steigt, Frau Oelmann bezeichnet mich in der Korrespondenz nur noch als " fiese Möpp" und dennoch konnten wir uns in Grundzügen über den Ablauf der Schlacht einigen: Am Sonntag in Winnerod werden uns zwei Zeugen begleiten, denn es wurde von Lesern in den letzten Jahren mehrfach angedeutet, dass die Oelmann/Pletsch-Matches nur in meiner Phantasie stattfinden würden. Beide Zeugen sind wie Frau Oelmann Linkshänder.

Frau Oelmann und ich werden in Winnerod beide von blau (vorderes Herren-Tee)  abschlagen. Sollte sich die 1. Runde zu meinem Vorteil entwickeln, darf Frau Oelmann auch von Damen-Rot abschlagen.

Sollte sich die Runde durch den Putter zu meinem Vorteil entwickeln, muss ich den Spicy1-Putter weglegen und mit einem alten Bobby Jones Blade weiterspielen – was mein Vorschlag war, damit Frau Oelmanns Vorjahres-Meckerei (ich würde mir mit dem Spicy Putter Nummer 1 unlautere Vorteile verschaffen) nicht wieder aufkommt.

Die nächsten zwei Runden richten sich nach dem jeweiligen Ergebnis des Vortages. Es kann also sein, dass Frau Oelmann in Lich vom weißen Tee abschlägt und ich vom blauen Damenabschlag – oder wir in Attighof auf den Drive verzichten und den 2. Ball gleich in die nächste Hecke werfen, wo wir dann droppen.

Ob wir neben dem Matchplay einen weiteren Wettspiel-Modus mitlaufen lassen, ist noch offen. Problematisch ist, dass der CyberGolf-Offizielle, Tim Schneider, beruflich verhindert ist, wodurch Frau Oelmann gewisse Vorteile hat. (Sie kennt auch Regeln, die selbst ich nicht erfinden könnte).

Der Ticket-Vorverkauf hat begonnen und das Match Oelmann versus Pletsch verspricht spannend zu werden.

Ich werde berichten.

Ihr /Euer

Eugen Pletsch

Hinweise:
Oelmann versus Pletsch - mehr Infos

C. Gonzalez: Perfect health Diet-Rezension

P-H. Volkmann: Darm gesund - Mensch gesund, VBN Verlag

Jan Rein: Das Pups-Tabu, Heyne Verlag

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Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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