20.09.2018 - 20:40 Uhr

Werden nun alle Chaoten, die dieses Spiel nie begriffen haben, nach Herzenslust wachsend ohne Widerstand vorlaufen, losrennen und draufschlagen, dass er kracht?

Das fragte ich in meinem Blog „Wasserstandsmeldungen“ am 20. April 2018, doch während es auf dem Platz zu einigen Diskussionen kam, gab es (von zwei oder drei dürftigen Rückmeldungen auf Facebook abgesehen) keine Feedbacks meiner Leser zu diesem Thema.

Vielleicht, weil sich niemand darum schert, jeder so weiterspielt wie bisher und die Tauben und Lahmen Ready Golf ohnehin nie begreifen werden?

Ich werde das Thema jedoch im Glashaus aussitzen müssen, denn offensichtlich bin ich jetzt die lahme Schnecke auf dem Platz. Letzte Woche spielte ich hinter einem Senioren-Dreier (zwei Herren, eine Dame) und ich bin auf 9 Loch nicht einmal aufgelaufen! Dreimal habe ich – der ich bisher nur die Fairway-Mitte kannte – auf dieser Runde im Rough nach zwei (!) Bällen suchen müssen und selbst mein kurzes Spiel, mit dem ich manchen Longhitter einst zur Verzweiflung trieb, ist nur noch ein fragmentarischer Abklatsch meiner einstigen Fertigkeiten.

Wer meinen Blog verfolgt, mag in dieser peinlichen Zurschaustellung meiner Unfähigkeit eine List sehen, denn schließlich steht das große Match Oelmann versus Pletsch bevor. Wir starten am Sonntag 13.5.2018 im Golfpark Winnerod, am Montag sind wir dann in Lich, am Dienstag (sofern uns die Füße noch tragen) – im Attighof.
Was läge demnach näher, als Frau Oelmann mit einer Beschreibung meines desolaten Spiels in die Falle zu locken, aus der ich mich dann mit mächtigem Schwingen meines Vega-Drivers erhebe, um die Ruhrpott-Elfe endgültig in ihre Schranken zu weisen.

Aber nein, es ist keine List – und meine Versuche mir bei Martin Stecher einen Wunder-Schaft zu erbetteln veranlassten M. Welwarsky und T. Klages zur spöttischen Bemerkung, es mal mit „Mucki-Bude“ zu versuchen.

Als hätte ich das nicht schon längst probiert! Aber weder das Dumpfbacken-Getrommel vom Spinning-Kurs noch der Geruch in der Herrenumkleide waren für mich erträglich, ganz abgesehen von dem Geschwätz in der Sauna, dem einzigen Ort, an dem selbst ich die Klappe halte.

Wie jeder ehemalige Hippie leide ich außerdem unter Funktionsleistungsstörungen, die bei mir zu jahrelangem Yips geführt haben – und die machen mich auch für Mucki-Buden vollkommen inkompatibel.

Aber könnte die Initiative Ready Golf (ein Gedanke, der gerade kommt) bei mir zu einer spätpubertären Trotzreaktion geführt haben? Ist das der Grund, warum ich meine Bälle neuerdings ins Rough schlage und endlos suche?
Ich weiß es noch nicht, aber es führt zu der Frage, ob destruktiv langsame SpielerInnen nicht alle nur ihren spätpubertären Trotz ausleben? Das habe ich noch nicht näher durchdacht und der DGV vermutlich auch nicht, da man dort mit anderen spätpubertären Trotzreaktionen befasst ist.

(Ich wollte meine These vom spätpubertären Trotz mit Heiko Hansen, Verfasser des Buches Golf Mental Handicap diskutieren, als der mich gerade anrief, aber ich ließ ihn nicht zu Wort kommen und habe es dann vergessen).

Na gut. Andermal. Aber kommen wir jetzt zu den weiteren Ursachen von langsamem Spiel, als da wären: Cartoon. Peter Ruge

  • Träumereien von einem besseren Handicap,
  • Selbstanalyse des Golfschwungs,
  • Schwunganalyse eines Mitspielers,
  • Endlose Suche im Rough (nach dem einzigen Ball),
  • geistige Abwesenheit,
  • Trunkenheit,
  • die Unfähigkeit, seinen Ball in Spielrichtung zu bewegen,
  • die Unfähigkeit, seine Mitspieler in Spielrichtung zu bewegen,
  • die Unfähigkeit, seinen Buggy in Spielrichtung zu bewegen,
  • die Unfähigkeit, seinen Trolley in Spielrichtung zu bewegen,
  • Flüssigkeitsmangel,
  • Konditionsmangel,
  • Mangel an Talent,
  • sowie vielfältige ich-zentrierte Persönlichkeitsstörungen.

Die gab es schon immer, weshalb langsames Spiel in der Golf-Literatur und in Cartoons bereits vor 100 Jahren angeprangert wurde. Bereits P. G. Wodehouse erwähnte ein Quartett golfspielender Krüppel, die den Namen Abbruchkolonne trugen. Andere Figuren nannte Wodehouse Väterchen Zeit und Der Mann mit der Hacke.

Auch Golflehrer leisten ihren Beitrag zum langsamen Spiel indem sie Spieler mit Schwung-Theorien überfrachten, was zu einem Paralysis-by-Analysis-Syndrom führt.

Ein Schlüssel zu schnellerem Spiel wäre aus meiner Sicht die Übung des Vipassana (indisch: Achtsamkeit), die sich in vielen Therapien bewährt hat, aber Vipassana wird sich im Golfsport ebenso wenig durchsetzen wie Ready Golf.  

Eher klettert ein reiches Kamel durch ein Nadelöhr und ich trainiere in der Mucki-Bude.

Soviel sei gesagt. Für heute.

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

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Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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