21.07.2018 - 04:08 Uhr

Am Montag versuchte ich nachzulesen, was Petra Himmel auf Golf.de über das MASTERS schreibt, bin dann aber an der sich endlos wiederholenden Video-Werbung gescheitert, die selbst dann erneut ansprang, wenn man sie ausklickte.

Zum Glück hatte ich mir aber den 4. Tag der Übertragung (erstmals seit Jahren) komplett angesehen und muss zugeben, dass mich dieser typische US-Boy Patrick Reed beeindruckt hat. Nervenstark!

Natürlich waren auch die genialen Runden von Spieth, Fowler und Paul Casey vom Feinsten, aber Reed gewann. Vielleicht der passendste Sieger für die Trump-Ära. Auf Facebook schrieb ein Pro, dass er Reed nicht leiden könne. Er wurde ja wegen seiner Großmäuligkeit auch von anderen Kollegen gebashed, aber immerhin hatte Reed eine Vision. Er wollte irgendwann zu den besten fünf Golfern gehören und wenn man so eine Vision hat - und nach Ostern die passenden Eier, Arme wie Popey und Nerven wie Drahtseile auf den Punkt bekommt - dann kann das was werden.

Schade, dass Garcia am Donnerstag so von der Rolle war. Vielleicht hatte ihn sein Manager Miskow, der bei der MASTERS-Übertragung angenehmerweise nicht zum Einsatz kam, zu sehr vollgequatscht?

Frau Oelmann mag Gregor Biernath, aber ich höre Carlo Knauss ganz gerne zu, wenn der auf seine übliche knurrige Art moderiert. Ich weiß, dass Knauss unter unseren Playing / Teaching-Pros kontrovers diskutiert wird, aber solange mir keiner von meinen Facebook-Professional-„Freunden“ auch nur eine Zeile zum Thema „Tipps für Senioren“ schreibt, worum ich letzte Woche bat, sollen die mal ganz ruhig sein.
Haben wir eigentlich irgendeinen Ex-Playing-Pro, der nach erfolgreicher Karriere* als Golflehrer arbeitet? Wer nie auf einen grünen Zweig kam, weil ihm im entscheidenden Moment stets die Pfötchen zitterten, wie Carlo Knauss das nennt, sollte zumindest nicht als Mentaltrainer arbeiten, oder?

Ein Teaching-Pro ist immerhin recht früh zur Erkenntnis gekommen, dass Talent und was man sonst so braucht (siehe Reed) nicht für eine Karriere als Playing Pro ausreichen. Aber auch Teaching Pros hegten einst Träume von einem MASTERS-Sieg. Und nun müssen sie im Hades der „Generation Platzreife“ Dünnbrettbohrern das Fliegen beibringen, bis sie so frustriert sind, dass sie alten Damen Schlägersätze mit stiffen Stahlschäften verkaufen.
Oder für ein paar Scheine Platzreife-Bescheinigungen verkaufen, wie mir dieser Tage ein Leser schrieb, der sehr offenherzig berichtete, wie er nach vermasselter Platzreifeprüfung doch noch zum Golfer wurde, wie er glaubt.

Damit wären wir bei Thema Selbststeuerung und einem Buch von Joachim Bauer über die Wiederentdeckung des freien Willens, das ich mir in den letzten zwei Wochen in Etappen auf langen Autofahren via Hörbuch reingezogen habe. Bauer erzählt sehr komprimiert, der Inhalt ist sehr anspruchsvoll und für mich kaum verständlich. Ich musste immer wieder pausieren, um nach Luft zu schnappen. Deshalb werde ich mir das Hörbuch auf alle Fälle nochmal mal anhören müssen, aber so viel sei bereits gesagt: Wer wissen will, warum er/sie eine Macke (Trauma) hat und was im Kopf passieren muss, damit man den Putt auf der 18 lochen kann – wenn es zählt – der wird bestens bedient.
Und wer Kinder hat, die er nicht noch mehr schädigen will, bzw. wer mit Jugendlichen arbeitet (!) oder wissen will, warum unsere von traumatisierten Politikern regierte Gesellschaft so geisteskrank agiert, wird von Bauers Buch noch mehr profitieren.

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

PS: In Joachim Bauers Buch wird das Golfspiel mit keinem Wort erwähnt, es geht jedoch meist um die Funktion und Bedeutung des Präfrontalen Cortex. Den Bezug zur Selbststeuerung in Verbindung mit Golf stellt Heiko Hansen in seinem Buch „Golf Mental Handicap“ her, das ich nicht kenne und eben erst beim Googeln entdeckte. Auch er bezieht sich dabei auf Joachim Bauer.

 
*Mit erfolgreicher Karriere meine ich (bei allem Respekt vor Erfolgen als Amateuer oder in 2. oder 3. Liga-Touren) internationale Ergebnisse auf der PGA Tour.

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Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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