17.11.2018 - 10:10 Uhr

Wie letzte Woche berichtet, durchforste ich derzeit alte Blogs, um herauszufinden, ob ich im Laufe der Jahre etwas geschrieben habe, das in eine Text-Sammlung mit dem Arbeitstitel „Notizen eines Barfuß-Golfers“ reinpassen könnte.

Doch leider fliegt fast alles in den digitalen Mülleimer. Nur manchmal ist da ein zeitlos absurder Satz, wie der nachfolgende von 2006, der seine Aktualität vermutlich nie verlieren wird:

„In den meisten Clubs finden demnächst die Jahreshauptversammlungen statt. Bald werden frisch gekürte Präsidenten mit klopfendem Herzen zu ihrer ersten DGV–Verbandstagung anreisen, um sozusagen am Puls der Macht live dabei zu sein, wenn sich diplomatisches Gespür, strategische Weitsicht und kompetenter Geschäftssinn ein Stelldichein geben - zum Wohl der deutschen Golfclubs, die das hoffentlich irgendwann einmal zu schätzen wissen.“

War das nur Polemik? Mal sehen, was man die Präsidenten in diesem Jahr beschließen lässt?

Ober gibt es eine Palastrevolution, bei der man entscheidet, den DGV aufzulösen um stattdessen einen Verband zu gründen, der die tatsächlichen Interessen der GolfspielerInnen vertritt und nicht nur die der Landesverbände und Golfplatzbetreiber?

Laut DGV ist die Zahl „der organisierten Golfspieler in Deutschland in 2017 um 0,3 Prozent gestiegen und erreicht mit 644.943 registrierten Mitgliedschaften einen neuen Höchstwert. Das entspricht einem absoluten Zuwachs von 1.785 Aktiven. Damit verzeichnet der organisierte Golfsport seit Beginn der Aufzeichnungen 1951 im 67. Jahr in Folge ein Wachstum.“ (Quelle: DGV)

Na prima. Und wie viele nicht organisierte Golfspieler gibt es? Sind das mittlerweile nicht wesentlich mehr? Wie ist die aktuelle Situation im deutschen Golfsport? So erfreulich, wie der DGV das formuliert? Leider nicht: Wieder rief mich jemand dieser Tage an um mir zu sagen, dass er die Brocken schmeißt und seinen Laden aufgibt. Um es deutlich zu sagen:

Die Golf-Branche sitzt derzeit weitgehend mit dem Arsch auf Grundeis.

Egal, was sich die Verbands-Kommunikatoren da aus den Fingern saugen. Die aktuelle Meldung zur Jahrespressekonferenz des Deutschen Golf Verbandes besagt ja eigentlich nur, dass die DGV-Gehälter dank der Sponsoren und der DGV-Kirchensteuer (Mitgliederbeiträge) gesichert sind. Kein Wort über die allgemeine Lage und die drängendsten Probleme in den Clubs bzw. deren Ursachen.

Ganz anders Golfpilot Adriaan Alexander Straten in seinem Artikel: „Wieso geben so viele den Golfsport auf“, den Ihr unbedingt lesen solltet!

Und dann kamen die Zahlen von Falk Billion rein, wonach die Verluste der Golfanlagen dreimal so hoch sind wie die Gewinne. Schließlich gab es nur ein Plus von 1.785 Mitgliedschaften in 2017, das wäre ein Netto-Zuwachs von 0,2775%. Ein weiteres Billon-Bulletin nennt weitere Zahlen zu Golf in Deutschland in 2017. Stagnation wohin man sieht.

Und dafür hat der DGV Unsummen in sinnlose Werbeaktionen verballert?

Wann wird über die Kampagne "Golf. Mitten ins Glück" noch mal gesprochen werden, bei der  die VcG, die wie üblich die Zeche zahlen durfte? War das Golf mitten ins Knie und ein Schuss in den Eimer?
Mario Prell wies mich darauf hin, dass die VcG in diesem Jahr ein Jubiläum hat. Was ist das für ein Jubiläum? 25 Jahre DGV-Subvention, 25 Jahre Bashing durch Club-Präsidenten, 25 Jahre als Paria im Clubsekretariat?

(Na, so schlimm ist es nicht mehr, denn heute kommt man, wie ich gerade las, mit der Kreditkarte in fast jeden Club rein, oder mit der Bahncard oder der Bibliotheks-Lesekarte. Money rules!)

Dass die Weiterentwicklung des Golfsports von unten kommen muss, sozusagen als Graswurzelrevolution, dazu habe ich mir in all den Jahren die Finger wundgeschrieben. Man müsste ein paar grundsätzliche Dinge verstehen – und ändern, aber glaubt Ihr, mich hätte jemals irgendein Golf-Funktionär angesprochen und gesagt:
„Endlich habe ich GOLFHEROEN gelesen. Wirklich interessant, wie es dazu kam, dass Golf in Deutschland als elitär angesehen wird.“

Hierzu eine Passage aus meiner Vorstellung zu dem Buch 'Golfheroen':
„Die „Volksbewegung Golf“ die es seit etwa 30 Jahren in verschiedenen Ansätzen durchaus gibt (und der ich mein Buch Der Weg der weißen Kugel gewidmet habe), wird nach wie vor von den Platzhirschen des deutschen Golfsports ausgegrenzt. Die Chance, breite Schichten der Bevölkerung zu diesem wunderbaren Spiel einzuladen, wurde bisher vertan. Über das Image des Golfsports braucht man sich deshalb nicht zu wundern und wenn nun manchen Clubs mangels Mitglieder das Wasser bis zum Hals steht, dann ist das selbstverschuldet.“

Und wer Golfpilot Stratens Artikel las, weiß nun auch, wodurch die Clubs immer mehr Mitglieder vergraulen. Aber wußten wir das nicht schon längst?

Haben fertig. Wiedermal.     

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

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Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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