17.07.2019 - 10:29 Uhr

Ach kuck mal. Da hat es tatsächlich jemand geschafft, meinen Blog über „Golf-Freundschaften“ bis zum Ende durchzulesen und fragt sich dennoch, was das mit Golf zu tun hat?

Darauf möchte ich Dir gerne antworten. Also: Zu allererst bin ich ein Barde, der Lieder singt und Geschichten erzählt, weshalb ich mein Instrument so gut verpacke wie meine Golfschläger.

Und dann wollte ich darauf hinweisen, dass nicht jeder, den Du bei einem Turnier duzen darfst, automatisch Dein Freund wird. Eine Binsenweisheit, schon klar, aber wenn jemand mit der Zeit vom Golfkumpel zu einem echten Freund wird, dann ist das etwas Besonderes – zumindest für mich.

Als ich einst in einem Club, als Einäugiger unter Blinden, eine Clubmeisterschaft gewann, konnte ich nach der Siegerehrung meine alte Mühle nicht mehr starten. Ein Engländer, mit dem ich bis dato ein paar Runden gedreht hatte, half mir. Der wurde dann, solange er in Deutschland lebte, nicht nur mein bester Golfkumpel sondern auch ein echter Freund. So was dauert. Natürlich hätte das Paket, das mir Frau Oelmann mit großem Aufwand zugeschickt hat, auch von einem Satz Golfschläger handeln können. Aber ist das wichtig?

Derzeit werde ich mit Weihnachts-Golf-Spam zugemüllt, sei es per ‚Weihnachtskalender‘ oder per Newsletter. Themen wie ‚Altersvorsorge‘ und ‚Gold kaufen‘ kaufen und sowas. Da kriege ich einen Koller! Ich bin jetzt in dem Alter, in dem man seine Vorsorge dringend nötig hätte. Aber wenn man seine paar Nüsslein (die man mühsam an der Steuer vorbeibeschissen hat) in Goldmünzen anlegte (natürlich zum Höchstpreis gekauft) und dann nicht rechtzeitig auf Bitcoin umgestiegen ist, dann darf man bis St. Nimmerleinstag jeden Sonntagmorgen das Murmeltier grüßen und sich einen Blog aus den Fingern saugen, der was mit Golf zu tun haben muss.

Wobei ich mir das meiste, was wirklich spannend wäre, ohnehin wegen rechtlicher Bedenken verkneifen muss. Zum Beispiel, als Dr. W. Kuner noch lebte: Er, ein Statistiker vor dem Herrn, hatte alle Golfschlägertests der letzten Jahre ausgewertet und das Resultat war, dass die Bälle im Laufe der Jahre mit den getesteten Drivern nicht weiter sondern immer kürzer flogen.
Das wollte aber niemand wissen und da ich seine Auswertungen fachlich nicht verstand und er das noch ausarbeiten wollte, habe ich die Finger davon gelassen. Auch DGV-Verbandsthemen, das PGA-Monopol, die Sponsoring-Problematik junger Golfprofis und Themen, die mir Pros stecken, die nicht den Arsch in der Hose haben um selbst mal den Mund aufzumachen – all das ist mir mittlerweile ziemlich wurscht. Und Fotos von den ultra-schönen Frauen der RyderCup-Spieler oder Bilderstrecken rattenscharfer LPGA-Schönheiten und bauchfreier Sahneschnitten aus dem Amateurbereich, die (natürlich rein sportlich) aus allen Schwung-Perspektiven aufgenommen werden, überlasse ich auch lieber den medialen Marktführern des deutschen Golfsports.

Also bleibt dem Barden nur, Lieder zu singen und Geschichten zu erzählen, womit die Sinnkrise, in der sich Cybergolf vor seinem kommenden Relaunch befand, auch gelöst wäre.

Golf ist für viele nur noch ein Tummelplatz für ihr Eigenmarketing.
Andere sind noch mit Herzblut dabei. Und die suche ich, die unterstütze ich und die findet man auf Cybergolf.

Wer in der Branche herumfragt, wird hören, wie schwer die Zeiten geworden sind und damit meine ich nicht nur die (meist selbstverschuldete) Lage der Golf-Clubs oder der großen Marken-Firmen mit ihrem industriellen Fake-Fitting.
Ein Clubfitter erzählte mir kürzlich, dass die Guten seiner Branche einen Umsatzrückgang um die 50% hätten und die nicht so guten in 2017 noch wesentlich mehr Federn hätten lassen müssen. Da ist es dann ziemlich kontraproduktiv, wenn ein Golflehrer einem Clubfitter öffentlich in die Hacken tritt, anstatt erstmal direkt und gewaltfrei zu kommunizieren.

In dem Zusammenhang wäre zwar hilfreich, wenn die Clubfitter endlich eine Gilde bilden würden, die sich auf gemeinsame Grundsätze einigen könnte, aber dass das Spielniveau in den letzten Jahren (wie allgemein beklagt) enorm abgenommen hat, diesen Schuh müssen sich nicht die Clubfitter sondern eher jene Golflehrer anziehen, die nicht das Golf-Spiel, sondern nur noch den Golf-Schwung lehren. Oder ihr Geld mit einem Fake-Fitting verdienen, das mit der Kunst der Golfschlägerbaus nichts zu tun hat.

Das wiederhole ich seit dem Weg der weißen Kugel papageienartig und niemand hat bisher gesagt, dass ich damit falsch läge. Aber vermutlich nur, weil es niemanden interessiert. Deshalb schreibe ich lieber über echte Freunde, die mir ein Paket mit einem Gitarrenkoffer schicken.

Auf Facebook habe ich (nachdem der Gitarrenkoffer da war) übrigens Folgendes gepostet:

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

 

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Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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