21.01.2019 - 14:38 Uhr

Ein Golfer, der (aus zeitlichen Gründen) ohne Anleitung, Training, Sinn und Verstand auf dem Platz herumhackt erinnert tatsächlich an einen Waldarbeiter der den Baum nicht um kriegt, weil er sich nicht die Zeit nimmt, die Axt zu schärfen. 

Auch wenn meine Abschläge immer kürzer werden, stehe ich nach wie vor im Ruf, meinen Ball relativ häufig auf das Fairway schlagen zu können. Das verdanke ich keinem Golfvideo, keinem Gadget, technischen Geräten oder sonstigen modernen Errungenschaften, sondern ganz alleine der „Grundausbildung“, die ich vor mehr als 30 Jahren bei Andrew Bruce im Grand Ducal Golfclub in Luxemburg erhielt. Klassische Basics a` la Hogan: Griff, Stand und Ausrichtung. 

 

Dass ich aus vielerlei Gründen meist einen flachen Fade spiele, nicht weit schlage, vieles falsch mache und golftechnisch überhaupt keine Ahnung habe ist mir egal, solange ich meinem Credo, dem zielorientierten Spiel, treu bleibe und weder vor noch im Schwung an den Schwung denke – wodurch der Ball (meist) auf dem Fairway landet.

Wie andere Golf lernen und wie viel und wie oft sie üben, ist mir relativ egal, solange sie sich mit angemessener Geschwindigkeit über den Platz bewegen!

Doch da hängt es allerorts, weil es immer mehr Menschen mit den Bedürfnis „multioptionaler Freizeitgestaltung“ gibt, wie das der DGV nennt, also Leute, die alles mitnehmen wollen und für nichts richtig Zeit haben. Ein Spieler, der nach seinem Platzreifekurs eine Sonntagsrunde auf einer vollbesetzten Anlage spielen möchte, gleicht einer Person, die einen Blockflöten-Wochenendkurs besuchte, seitdem keine Zeit zu üben hatte, aber am Sonntag in einem Kammerorchester mitspielen will.

Um es ganz deutlich zu sagen: Wer Anfängern vormacht, dass Golf ein gaaanz toller Spaß wäre, den man mal so nebenher lernen kann, lügt.

Dass ich als Anfänger drei Jahre lang fast täglich geübt habe, bis ich mich erstmal auf einen Platz getraut habe, mag an meinem Mangel an Talent gelegen haben bzw. der damaligen Situation, die es Clubfreien Golfers fast unmöglich machte, irgendwo zu spielen. Aber seitdem hat sich viel geändert. Es gibt öffentliche Plätze und selbst manche Traditionsclubs öffnen die Türen und gebärden sich plötzlich scheißfreundlich, weil ihnen die Kosten und die Mitglieder davonlaufen. Also üben kann man genug.

Platzreifekurse hatte man sich vor Jahren ausgedacht, um die vielen Clubfreien Golfer zu gängeln, aber dann  erkannte man in dem "Golfführerschein" ein Geschäftsmodell, das man allen Golfern aufs Auge drücken konnte.

Mittlerweile wissen wir, dass das alles nichts bringt, weil der Golflehrer nur noch selten das Spiel lehrt, sondern meist nur noch den Schwung. Die einstige Tradition, dass Golfmentoren Anfänger mit auf den Platz zu nehmen ist vielerorts in Vergessenheit geraten und die Grundlagen des gemeinsamen Spiels, die Regeln und die Etikette, gelten immer nur für die Anderen. 
Ich freue mich über jedwede Ambition, jede Absicht oder Idee das Golfspiel populärer zu machen, aber ich habe keine Lust, aus falscher Solidarität die Löcher in den Budgets jener stopfen zu helfen, die die desolate Situation in ihren Clubs selbst verschuldet haben, nichts daraus lernen und von Clubfreien Golfwanderern immer noch Greenfee-Aufschläge verlangen.

Wenn Du heute auf dem Platz einer ehrwürdigen Golfanlage spielen darfst, dann nicht, weil in den Köpfen des Vorstandes ein Paradigmenwechselt stattgefunden hätte! Nein! „We are only in it for the money“, wie das die Mothers of Invention einst auf einem LP-Cover treffend ausgedrückt haben. 
Meiner Ansicht nach wird der Golfsport nur dann eine Zukunft haben, wenn wir dieses Spiel nicht jenen überlassen, die den Karren in den letzten 20 Jahren in den Dreck geschoben haben. Also spielt Euren Ball oder trinkt Euren Tee – Hauptsache es fließt!

Also: Spielt vom Tee oder trinkt Euren Tee – Hauptsache es fließt!

Ihr /Euer

Eugen Pletsch

 

Der Waldarbeiter Pletsch

 Antizyklisches Winter-Foto des Autors

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