18.10.2018 - 07:19 Uhr

Gefunden im Cybergolf-Archiv zum Thema "Ready Golf". Ein Gastbeitrag "Life aus der grünen Hölle" von Cybergolf-Leser Andreas...

Hallo Herr Pletsch,
ich brüte gerade über einem Artikel mit den geplanten Änderungen ab 2019 im Regelwerk. Einiges davon scheint sinnvoll, anderes wohl etwas weniger....aber im Grunde ist alles in einem vertretbaren  Rahmen. Ob diese Regeländerungem dem Ziel eines beschleunigten Spiels dienen wage ich jedoch gewaltig zu bezweifeln. 

Bei uns gibt es einige Bahnen, die über grössere Schluchten führen. Man muss schon teilweise sehr gute Drives  schlagen um auf die andere Seite zu gelangen. Was passiert mir als Einzelspieler? Ich stehe vor einem Flight in dem sich vier ältere Herren - gut über die 70 tummeln, die versuchen von den gelben Abschlägen über die Schlucht 170 Meter Carry zu schlagen.
"Blau ist was für alte Säcke!" tönt eine der beigen Grazien und verlässt seinen Rollstuhlersatz.....Dann versenkt er unter Fluchen und Meckern erst mal drei Bälle in der Schlucht des Grauens . 

"Das gibts doch nicht!" lauten die Kommentare der Selbstüberschätzer und ehe man beschließt vor der Schlucht zu droppen, versenken die anderen grauen Panther ebenfalls drei Bälle im Tal des Todes. Dann hacken drei der vier Herren noch weitere zwei Bälle ins Nirvana.

"So eine Drecksbahn - welcher Depp baut sowas!

"Zwei Pfund Gehacktes, bitte!" rufe ich, der ich auf dem Abschlag mittlerweile Wurzeln  geschlagen habe.

Unter bösen Blicken werden auf der anderen Seite Bälle gedroppt , wobei man bis aufs Grün weitere drei Schläge pro Nase braucht. Achließlich wird das Grün genaustens begutachtet. Es  folgen für jeden sichere Dreiputt, begleitet von einigen "AAhs und Ohs".
Ich hatte noch gefragt, ob ich durchspielen kann.

"Einzelpersonen haben keinen Vorrang junger Mann, kennen Sie die Golfregeln nicht!" war die Antwort.

Für den jungen Mann hätte ich ihn küssen können, für die Bemerkung über die Golfregeln ermorden. In Kombination hab ich geschmunzelt und mich daran erinnert, dass die Natur irgendwann alles regelt.

Eine Woche darauf ein Turnier im Heimatclub. Voll besetztes Turnier, versteht sich, mit schönem Abendessen und Zwischenmahlzeit. Nach zügigen 2 Stunden und 20 Minuten erreiche ich mit meinem Flight das aufgebaute Buffet mit Bierausschank nach 9 Loch. 
Ich denke noch: "Was für eine komische  Idee einen Bierausschank bei den Temperaturen zu installieren. Alkohol mitten im Turnier bei 28 Grad im Schatten?

"Da wird das Fass wohl voll bleiben" sage ich noch zu meiner Flightpartnerin, ehe ich um die Ecke gehe, wo einige Schatten spendende Bäume mit Bänken und Tischen zur Rast einladen.
Da sitzen nun insgesamt 12 Personen - 3 Flights mit Bierhumpen bewaffnet und bester Laune. Man erzählt Witze, prostet sich zu und spricht über den Score. Nach 30 Minuten sind alle drei Flights immer noch kräftig dabei den Herrn an der Zapfanlage auf Trapp zu halten. Lange Rede kurzer Sinn....nach 6,5 Stunden bei 28 Grad beende ich das Turnier dehydriert am 18ten Loch.....Ich hätte doch drei Humpen Bier trinken sollen!!

Dann kam eine von mir als kleine Runde mit abschliessendem Sonnenuntergang auf der Terasse  gedachte 9 Lochrunde. Vor mir und meinem Flightpartner ein Pärchen Silbergolfer. Ein Par 3 mit 100 Meter vom Damenabschlag sowie 120 Meter vom Herrenabschlag zwingt unser Paar zum Zücken des neuen Callawaydrivers.

Der Herr sliced knapp 10 Meter hinter den Damenabschlag, während die Dame sich dem Grün gefährlich auf 60 Meter nähert. Alles kein Problem...jeder hat mal angefangen.
Nachdem das Grün mit dem 2ten bzw. 3ten Schlag erreicht ist, wird das Bag am Punkt des letzten Schlages abgestellt und man wandert gemütlich unter Lobhudelei für den Super-Annährungsschlag aufs Grün. 2 Putts ....alles Gut....dann der weite Weg zurück zum Bag...Schläger abputzen, verbliebene Haare richten, Score eintragen....der Herr etwas weiter vorn wartet auf die Dame - er ist ein Gentlemangolfer und dann wackelt Familie Ai langsam ums Grün in Richtung Loch 2. ....leider ein Loch mit Inselgrün....diesmal stehen die Bags vor dem Wasserhindernis, während die Rennsemmeln über die seitliche Brücke aufs Grün wackeln  ...Putten....Weg wieder zurück..Score nicht vergessen.....Fahrt aufnehmen....und ehe man sichs versieht, ist Loch 2 auch in knapp 20 Minuten erledigt. Dabei musste man nicht mal einen Ball suchen.  Ich rechne hoch.....20 Minten pro Par 4- 30 Minuten Par 5- und 15 Minuten Par 3...macht, man mag es kaum glauben, läppische 3,16 Stunden.

Die Sonne war längst untergegangen und Glühwürmchen erhellten die Grüns als ich frustriert, den Sonnenuntergang bei einem kühlen Bier verpasst, den Heimweg antrete.

Ich bin mir sicher: das Droppen beim Strafschlag aus geringerer Höhe nach dem Wasserschlag auf der 2 , die nicht gezogene Fahne beim Putten und die Reduzierung des Ballsuchens auf 3 Minuten an der Sechs  hätten die Runde auf locker 2 Stunden reduziert!

Liebe Grüsse

Andreas

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Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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