22.10.2020 - 05:22 Uhr

"Wir spinnen Luftgespinste, und suchen viele Künste, und kommen weiter von dem Ziel." Matthias Claudius

Wie, bitte schön, verbessert man sein Golfspiel? Mit Golfliteratur, Golfvideos, Trainingshilfen, Golfzeitschriften und natürlich Golflehrern. Wobei es für viele Golflehrer offensichtlich genau so schwierig ist, unter Par zu spielen, wie für mich, die 80 zu knacken. Deshalb hungern wir alle, egal ob blutiger Anfänger, Durchschnittsgolfer, Spitzenamateur oder Profi nach dem nächsten Level und strampeln dafür im Hamsterrad unserer Golfträume. Alles in unserem Golfhamsterrad funktioniert immer nur für eine Weile und welcher Tipp uns wann erreicht, bleibt letztendlich unserem Karma und dem Zufall überlassen.

In meinem kleinen, rosafarbenen Notizbuch habe ich mir viele Golfgeheimnisse notiert, die mir im Laufe der Jahre zugeflüstert wurden. Manche der Tipps funktionieren, zumindest zeitweise. Aber manchmal funktioniert interessanterweise auch die gegenteilige Anweisung, zumindest zeitweise. Warum es nicht dauerhaft funktioniert, hängt vielleicht damit zusammen, dass wir die Anweisungen nicht wirklich konsequent verinnerlichen und umsetzen (sofern sie richtig sind), und bald darauf wieder in unseren alten Modus zurückzufallen. Wir glauben, dass wir es richtig machen, aber es fehlt uns die Kontrolle durch das geübte Auge eines Golflehrers.

Spieler, die konsequent Stunden nehmen machen deshalb wesentlich größere Fortschritte, sofern der Golflehrer sein Handwerk versteht. Aber selbst wenn alles stimmt, passiert plötzlich irgendeine Kleinigkeit, irgendein Zweifel schleicht sich ein. Manchmal ist es das neue Equipment, eine schlechte Runde oder ein destruktiver Gedanke, ein Zweifel im falschen Moment und schon gerät alles aus den Fugen. Auch Profis kochen dann nur noch mit Wasser. Natürlich kommt ein Spitzenspieler immer noch unter Par rein, aber nicht mehr über vier Turniertage und das reicht dann kaum noch für eine Mittelfeld-Platzierung.

Angenommen, ein junger Professional hat sich für die Tour qualifiziert. Er ist heiß, er hat es drauf, er hat Talent und ist sogar fleißig. Aber dann passiert etwas. Vielleicht hat er falsche Berater oder Pech in der Liebe. Oder, er meint plötzlich, dass der Pro, der ihn dahin gebracht hat, wo er steht, nicht mehr gut genug ist. Vielleicht erfüllen ihn mittlerweile Eitelkeit und Hochmut, geschürt von einer Golfpresse, die verzweifelt den nächsten Auflage steigernden Golf-Messias herbeizubeten versucht. Jedenfalls beginnt er plötzlich, den Druck da als Last zu empfinden, wo er ihn zuvor als lustvolle Spannung genossen hat. Wenn dann alles in die Binsen geht, ist guter Rat, meist in Form von Golf- und Mentalgurus, teuer. Letztendlich bleibt es dem Zufall und seinem Karma überlassen, wie er sich aus diesem Schlamassel wieder befreien kann.

Jede Golftrainingsanweisung ist letztendlich von Karma und Zufall oder, wie man es heute nennen würde, durch eine Resonanz auf der Quantenebene, bestimmt: In welchem Club man seine erste Golfstunden nimmt, mit welchem Golflehrer man arbeitet, ob er didaktisch als Klassiker, Sektierer oder Zyniker arbeitet, welches Golfbuch wir geschenkt bekommen, welche Golfzeitschrift uns in die Hände fällt und sich gerade da aufschlägt, wo wir den entscheidenden Tipp finden, der unser Spiel positiv verändert (zumindest zeitweise) – sind das nicht alles Zufälle?

Nach dem Prinzip des Quanten-Zufallsgenerators funktioniert auch das von mir entwickelte holistische Golf-Mandala.

Eines Tages, als ich wieder einmal nicht weiter wusste und bei meinem höheren Bewusstsein Rat suchte, begann ich, meine Sammlung bewährter Golftipps aus dem kleinen, rosafarbenen Notizbuch mit einem dicken Filzstift spiralförmig auf eine große Pappe zu schreiben, die ich an der Wand angebracht hatte. Es wurde ein großes Golf-Mandala mit alle möglichen Anweisungen, nach einem holistischen Zufallsprinzip auf den ersten Blick vollkommen ungeordnet.

Jedes Mal, wenn etwas in meinem Spiel nicht mehr funktioniert und ich nicht weiter weiß, nehme ich drei Wurfpfeile. Ich stelle mich mit meinem Wurfarm vor die Scheibe, versenke ich mich meine Mitte (Hara) und werfe dann, möglichst ohne zu zielen oder zu denken.

Das Holistische Golfmandala von Eugen Pletsch

Landet ein Pfeil außerhalb des Kreises, heißt das, dass ich einen Tag kein Golf spielen soll. Fällt ein Pfeil herunter, dann bedeutet das, dass ich eine Woche kein Golf spiele. Wenn zwei Pfeile nicht im Kreis sind oder herabfallen, bedeutet das: einen Monat kein Golf. Um das zu verhindern, stelle ich mich natürlich nahe an die Scheibe und habe mein Golf-Mandala mit einer dicken Styroporscheibe unterlegt, in der alles stecken bleibt.

Die Treffer in der Scheibe stecken jeweils in irgendeinem Golftipp und der müsste so ziemlich genau das sein, was das Universum in dem Moment für mich vorgesehen hat. Das muss ich dann nur üben und umsetzen! Auf den folgenden Seiten sind natürlich nicht alle Schwunggedanken und Golftipps aufgeführt, die mir in den letzten zwanzig Jahren begegnet sind. So habe ich zum Beispiel esoterische Techniken wie die Hodenatmung, die aus dem Chi Gung stammt, weggelassen, obwohl mein Referat zu diesem Thema, vor einer einschlägig berüchtigten Clubmannschaft im vergangenen Sommer, großes Interesse fand.
Beginnen wir mit den bekanntesten Empfehlungen:

  • den Kopf unten lassen,
  • durchschwingen,
  • korrekt zurück schwingen,
  • durch den Ball schlagen,
  • nicht nachdenken,
  • überlegen, wohin man schlägt,
  • zielorientiert spielen,
  • schwingen,
  • schlagen,
  • fester schlagen,
  • entspannter schlagen.
  • Hände lockern,
  • Unterarme entspannen,
  • eine Routine vor dem Schlag entwickeln,
  • die Routine verinnerlichen,
  • an die Routine vor dem Schlag denken,
  • keine Gedanken haben,
  • tief und langsam zurückrollen,
  • den Schläger im Rückschwung zum Ziel,
  • auf der Ebene bleiben,
  • steiler anwinkeln,
  • die Hände loslassen,
  • die Hände strecken
  • die Balance halten,
  • entspannt schwingen,
  • kraftvoll durch den Ball schlagen,
  • den Ball von innen treffen,
  • den Ball sauber treffen,
  • von oben in den Ball schlagen,
  • die Hände als Einheit zusammenbringen,
  • den echten Ellbogen am Körper lassen,
  • bis in die Endposition schwingen,
  • den Schläger in der Endposition spüren,
  • den Schwung langsam einleiten,
  • in die Richtung schwingen, in die der Ball fliegen soll,
  • hohes finish,
  • Gürtelschnalle zum Ziel,
  • Hüfte drehen
  • Pivot!
  • Beine Stabil im Rückschwung,
  • Linkes Knie durchdrücken,
  • Rechtes Knie im Rückschwung stabil halten,
  • Ds Gewicht mehr auf der rechten Seite,
  • Das Gewicht mehr auf der linken Seite,
  • Das Gewicht in der Mitte,
  • In den Bauch atmen,
  • Die Hara spüren,
  • Schwerpunkt nach unten verlagern,
  • Gewicht mehr zur Fußspitze,
  • Gewicht mehr zur Ferse,
  • Ferse im Rückschwung stehen lassen,
  • Ferse leicht heben,
  • die Knie locker halten,
  • leichte Hocke einnehmen,
  • nicht zu tief hocken,
  • die Handgelenke locker halten,
  • die Handgelenke nicht zu locker halten,
  • den Schläger leicht in den Fingern halten,
  • den Schläger nicht zu leicht in den Fingern halten,
  • den Schläger wie einen Kanarienvogel greifen,
  • den Putt nicht zu kurz lassen,
  • den Bergabputt mit der Spitze des Putters spielen,
  • das Kinn an die Brust nehmen,
  • den Kopf nicht zu steif halten,
  • nicht zu früh aufblicken,
  • das Gewicht hinter der Mittelachse lassen,
  • die rechte Schulter unten lassen,
  • den linken Arm gestreckt halten
  • den linken Arm nicht zu steif machen,
  • mit den Schultern aufdrehen,
  • die Bewegung als Einheit einleiten,
  • das Ziel visualisieren,
  • nur ans Ziel denken,
  • das Ziel sehen,
  • den Ballflug innerlich spüren,
  • die Puttlinie visualisieren,
  • mit Selbstvertrauen spielen,
  • mit Selbstvertrauen putten,
  • im Jetzt sein,
  • positiv denken,
  • entspannt sein,
  • locker bleiben,
  • konzentriert bleiben,
  • die Konzentration an- und wieder ausschalten,
  • nicht an das Turnier denken,
  • nicht an den Score denken,
  • das letzte Loch vergessen,
  • noch nicht ans nächste Loch denken,
  • nicht an den schwafelnden Blödmann denken,
  • nicht NICHT denken
  • nicht ans AUS denken,
  • nicht ans Wasser denken,
  • nicht an den Sieg denken,
  • nur den Platz spielen,
  • nur gegen sich selbst spielen,
  • keinen Score zählen,
  • eins – zwei zählen,
  • da – da – da zählen,
  • sein Geld zählen,
  • zurück und durch,
  • OM – AH – HUM denken
  • im Bunker durchschwingen,
  • im Bunker langsam schwingen
  • im Bunker einfach drauf haun,
  • im Rough einfach drauf haun,
  • den Ball mehr von links spielen,
  • den Ball mehr von rechts spielen,
  • den Ball mehr von den Mitte spielen,
  • immer die gleiche Ballmarke spielen,
  • die Bälle flach halten,
  • attackieren,
  • vertraue Dir selbst,
  • die Mitte spüren,
  • das Risiko vermindern,
  • klug spielen,
  • daran denken, klug zu spielen,
  • die richtige Schlägerwahl,
  • am Abschlag das Holz 3 nehmen,
  • gegen den Wind ruhiger schwingen,
  • den Pitch mehr von rechts spielen,
  • den Chip flach halten,
  • den langen Chip mit einem steilen Eisen spielen,
  • die Wedge kürzer greifen,
  • steiler aufschwingen,
  • Balance halten
  • aus der Lieblingszone spielen,
  • von innen nach außen schlagen,
  • sich den Ballflug denken,
  • beim Probeputt zum Ziel schaun,
  • kurze Putts üben,
  • Rhythmus denken,
  • die Entfernung fühlen
  • den Break fühlen, sehen, ahnen,
  • mehr Break einkalkulieren,
  • weniger Break einkalkulieren,
  • die Enttäuschung nicht zum nächsten Loch mitnehmen,
  • Bedenken wegwischen,
  • mehr kurzes Spiel üben,
  • mehr langes Spiel üben,
  • viel Putten üben,
  • nicht zu viel üben,
  • angreifen, aber nichts erzwingen,
  • hohes Finish,
  • nicht anspannen,
  • nicht zu locker,
  • Freude am Spiel haben
  • Mehr unbekannte Plätze spielen,
  • Mehr mit Damen spielen,
  • Nicht mehr mit Damen spielen.
  • nicht gleich losheulen,
  • niemand verletzen,
  • Dummschwätzer babbeln lassen,
  • keine Mitspieler beißen,
  • erst zu Hause weinen,
  • die Etikette beachten,
  • nicht dauernd quasseln,
  • konzentriert bleiben,
  • nicht ärgern,
  • fröhlich pfeifen,
  • nicht aufregen, wenn andere fröhlich pfeifen,
  • Etikette-Sünder nicht anschreien,
  • Langsames Spiel entspannt hinnehmen,
  • Atmen,
  • effektiver trainieren,
  • Fit werden,
  • Schlaglängen kennen,
  • Ich bin ruhig, ganz ruhig, Ruhe ist in mir.
  • Ich kann und darf mein bestes Golf spielen.
  • Langsam ausatmen,
  • Taktisch spielen,
  • Links steuern, rechts feuern,
  • Vor einem Putt sehr lange ausatmen
  • Nicht über den Atem nachdenken,
  • Nicht ans Aus denken
  • Sei nett, zu Dir und zu anderen
  • Coursemanagement,
  • Keinen Tobsuchtsanfall bekommen,
  • An der Routine festhalten,
  • Nur ans Ziel denken,
  • Distanzen kennen,
  • Hohes Finish,
  • Keine Schläger schmeißen,
  • Den Kopf unten lassen,
  • Handgelenke abwinkeln,
  • Dem Putt eine Chance geben,
  • Mir selbst eine Chance geben,
  • Zielsetzung,
  • inneres Annehmen eines Ziels,
  • innere Glaubensätze überprüfen ggf. revidieren,
  • gesetzte Zielvorstellungen von Zeit zu Zeit überprüfen, 
  • realistische Ziele,
  • Selbstvertrauen,
  • Mut,
  • Konzentrationsfähig sein
  • Reflektionsfähig sein
  • Ausgewogen sein,  
  • Balance: körperliche und seelische Ausgewogenheit,
  • Chigung,
  • Tanzen,
  • Rhythmusübungen, 
  • Geh mehr im Wald spazieren,
  • Geh joggen,
  • Rad fahren
  • Vertrau Deinem Trainer,
  • Mach Yoga,
  • Mach Krafttraining,
  • Kondition
  • Rhythmus
  • Übe das kurze Spiel,
  • Übe das Putten,
  • Mehr Energie!
  • Mehr Biss!
  • Mehr Genauigkeit!
  • Mehr Fleiß!
  • Unerschütterlichkeit,
  • Jammere niemand die Ohren voll!
  • Loslassen: dem Gefühl vertrauen,
  • Wege ins JETZT,  
  • Abstand ohne Gleichgültigkeit.
  • Einfach fließen lassen.

  • Ansonsten: Zwei Wochen Pause – und dann: nie wieder anfangen.

Der letzte Tipp stammt übrigens von meinem Freund Timbo. Er versprach mir damit die Lösung all meiner Golf-Probleme. Zu jeder der aufgezählten Anweisungen, abgesehen von meiner persönlichen Empfehlung, keine Mitspieler zu beißen, gibt es in irgendeinem Golfbuch einen Absatz, vielleicht sogar ein ganzes Kapitel, mit ausführlichen Erklärungen. Aber ob wir diese Stelle jemals finden, bleibt letztendlich unserem Karma und dem Zufall überlassen oder einer geheimnisvollen Resonanz auf der Quantenebene, wie man das heutzutage nennen würde.


       Aus "Endlich einstellig!" KOSMOS-Verlags Stuttgart, 2009

      © by Eugen Pletsch, 2008

 

Das Holistische Golf-Mandala als Poster zum Download

 

 

 

 

Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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