22.10.2020 - 05:15 Uhr

Es gibt feine Unterschiede zwischen einem Lästerer und einem Meckerer. Während sich der Meckerer eher mit konkreten oder vermeintlichen Missständen im Club befasst, kommentiert der Lästerer mehr die abstrakten Fragen rund um das Spiel.

Nähern wir uns einer Gruppe von Spielern, die die allgemeine Teuerung im Golfsport diskutiert, während sie am 1. Abschlag warten:
D: „Die aktuellen Greenfees verkörpern den Zeitgeist in seiner schamlosesten Maßlosigkeit.“
A: „Wir wollten letzte Woche im GC Golfmeise eine Proberunde spielen. Die Sekretärin in verlangte 54.- Euro!“
B: „Und?“
A: „Wir sagten: Es waren halbe Greenfees vereinbart!“
B: „Na?“
A: „Sie sagte: Das ist das halbe Greenfee!“ 
B: „Was? Für diese Wiese! Das wären über hundert Euro für diesen schlecht frisierten Acker!“
C: „Tja, wenn man es hat…“
B: „Dort spielte ich kürzlich einen Herrenmittwoch. Sie hatten vor dem Hermi noch ein anderes Turnier laufen. Wir hingen hinter den Senioren, aber man ließ sofort nach uns als letztem Flight wieder Greenfee-Spieler starten, die uns im Cart verfolgten, vollkommen genervt waren und uns schließlich in die Hacken spielten.“
E: „Genossen, was erwartet Ihr? Das ist kein gemeinnütziger Verein. Die haben die Schraube an der Zitronenpresse bis zum Anschlag gedreht.“
A: „Es ist eine reine Abzocke geworden. Massentierhaltung.“
C: „Nach der Pleite eines Clubs übernimmt irgendein reicher Profilneurotiker den Laden und beginnt sein „Management nach Gutsherrenart“. Ein Schattenkabinett als Vorstand, ein Handlanger als Clubmanager ein und dann fährt er die Preise hoch.“
A:“Und Frischlinge bilden sich dann ein, sie wären Mitglied in einem exklusiven Club.“
B: „Unser Club hat auch die Preise angehoben. Der Vorstand meint, man müsse sich auf dem Niveau anderer Spitzenclubs in der Region positionieren.“
A: „70.- Eupen Greenfee für eure Industriebrache? Wer zahlt das denn? Ich würde lieber Halma spielen, als bei Euch 70.- Euro für eine Runde Rumsteherei zu bezahlen.“
B: „Meinst du, soviel zahlt keiner?“
E: „Vielleicht die Erbengeneration?“
C: „Nein, aber die übliche Mischpoke aus dem Berater- und Bankenmilieu – und natürlich unsere asiatischen Freunde. Die können bei unseren Preisen nur lächeln.“
A: „Können Konzerne „Kundenpflege“ von der Steuer absetzen?“
C: „Welche Steuern? Wer von denen zahlt denn Steuern, du Spaßvogel!“
B: „Ich denke, dass sich manche Clubs mit ihren Preisen von dem DGV-Massentourismus abschotten wollen.“
C: „Glaube ich nicht. Das ist eher wie der Gedeck-Zwang im Puff!“
B: „Gedeck-Zwang?“
C: „Klar! Wer zusehen oder anfassen will, muss Pils und Piccolo bestellen. Macht 100 Euro Greenfee.“
E: „100 Eupen Greenfee, das ist doch Wahnsinn? Besonders, wenn ständig die Bälle verschwinden?“
A: „Und wohin verschwinden die?“
C: „Eben, das ist es ja! Ich sage nur CERN. Alles verschwindet. Mit den Bällen fängt es an.“
B: „Gedeckzwang, wie im Puff, wer hätte das gedacht?“
E: „Man könnte es auch anders sehen. Wer diese hohen Greenfees für eine Runde Golf verplempern kann, ist entweder schwer golfsüchtig oder er verdient sein Geld auf eine Weise, vor der wir unsere Jugend schützen müssen.“
A: „Werden Golfclubs eigentlich vom BKA observiert?“
C: „Das halte ich für wenig unwahrscheinlich. Vielleicht manche Spieler. Die NSA hat natürlich alle auf dem Schirm.“
D:  „Kronburg nimmt jetzt 120.- Eupen“.
B: „Das ist dann aber mit einer polnischer Pflegekraft.“
E: „Auf Leute, macht Euch fertig, wir sind dran…“

 

© by Eugen Pletsch, 2014

 

Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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