08.08.2020 - 04:48 Uhr

Warum das erste Turnier des Jahres zum Fiasko wurde ist schnell erzählt: Der Betreiber, der den Golfclub Bauernburg nach seinem letzten Konkurs aufgefangen hatte, war von einem Hedge Fond geschluckt worden und alles, was nach faulen Tomaten roch, sollte sofort abgestoßen werden.

Man munkelte, eine auf Geldwäsche spezialisierte deutsche Großbank hätte für eine Familie Soprano aus Süditalien angeklopft, denen es in der Heimat zu heiß  geworden war – vermutlich auf Grund des Klimawandels. Außerdem war ein ukrainischer Immobilienfond im Gespräch. Tolle Aussichten!  Rettung nahte schließlich durch unsere platinblonde Clubschönheit unbestimmbaren Alters, die sich bei der ersten Bauernburg-Pleite noch in Marbella verschanzt hatte und nicht motiviert war, die geerbten Millionen in frisch vertikutierten Grüns versickern zu lassen.

Der Gedanke, dass ihr neuer Lebensgefährte, ein strammer Bursche namens Manolo, den Clubpräsidenten geben könnte, amüsierte sie jedoch so sehr, dass sie ihrer Hausbank diesmal einen Wink gab, worauf die gesamte Anlage mit Gesinde und Gerät zum Spottpreis gekapert wurde. Der glutäugige, muskelbepackte Manolo, der sich bei seiner Herrin in jeder Hinsicht als Bodyguard bewährt hatte, wurde in seinen Ämtern als Kronprinz und neuer Clubpräsident initiiert, was dem früheren Vorstand um Fahrenbach und Prof. Klausthaler überhaupt nicht schmeckte.

Wie sich jedoch bald herausstellte, hat Manolo vom Golfspiel keine Ahnung, was ihn zum Clubpräsidenten prädestiniert. Ansonsten ist Manolo ein cleverer Zocker und ein liebenswerter Bursche, was ihn von manchem Clubpräsidenten unterscheidet. Begonnen hatte er mit Hunderennen, zu einer Zeit, als gewerbliche Wettrennen von Windhunden in Spanien noch vom europäischen Steuerzahler über den Topf "Kunst, Sport und Tourismusförderung" mit jährlich rund 25 Millionen Euro finanziert wurden.

Ein Blick ins Intranet des DGV und Manolos Augen leuchteten bei dem Gedanken, die CBA-Ergebnisse deutscher Golfturniere als Life-Wetten anzubieten. Warum auch nicht? CBA-Golf ist letztendlich ein Glücksspiel und warum sollte nur die DGS befugt sein, die Adressen der DGV-Mitglieder zu Vertriebszwecken zu nutzen? Manolo überließ dem bewährten Chaoten-Gespann Fahrenbach und Prof. Klausthaler die Honneurs; das Tagegeschäft wurde ohnehin von Clubsekretärin Helga erledigt.
Auch wir vom „Golftherapeutischen Pflegedienst“ (GTP) durften weiterwerkeln, nachdem ich Manolo das Prinzip der Selbsthilfe-Gruppe erklärt hatte. Manolo verstand sofort. „Brauch‘ ich auch Freund zu reden“, sagte er und ließ seinen Kumpel José einfliegen, der ihm künftig als Golflehrer, Dolmetscher und Gesprächspartner Gesellschaft leisten sollte.
José ist ein Glücksgriff! Er sieht so gut aus, dass alle Damen endlich wieder vollständig zum Mannschaftstraining erscheinen und kann im Gegensatz zu manchen anderen Golflehrern tatsächlich Golf spielen.

Das Angolfen endete trotzdem im Chaos. Der GTP hatte dafür plädiert, die erste Runde des Jahres als nicht vorgabewirksam auszuschreiben, um auch Handicap-Hasen aus ihren Sassen zu locken. Der Spielausschuss nahm das auf, erweiterte das Menü jedoch wie folgt: Vorgabewirksam für alle, die sich im Spielergebnis verbessern, 9-Loch vorgabewirksam bei schlechtem Wetter, nicht vorgabewirksam für alle, die sich während der Runde indisponiert fühlen und Mulligans für Club-Sponsoren.
Es gab 150 Anmeldungen und jeder wähnte sich bis zuletzt als Sieger. Leider konnten die Karten nicht eingegeben werden, weil Manolo am einzigen Club-Rechner saß und ein Pferderennen in Spanien verfolgte, bei dem es um viel Geld ging. Also mussten die Scores manuell ausgewertet werden, was Dagobert Seicht übernahm, der das Golfspiel noch vor der Zeit allgemeiner digitaler Demenz erlernt hatte.

Schmidtke gewann überraschend das 1. Brutto, auch Manolos Pferd wurde Sieger. An Manolos 1. Rede könnte sich mancher Clubpräsident ein Beispiel nehmen. Er sagte: „Warr gutt Tach. Bravo! Mach Trink.“

 

© by Eugen Pletsch, 2014

Erschienen in Golftime Heft 1/2014

Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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