22.10.2020 - 05:56 Uhr

Diese Diskussion hat mir gerade noch gefehlt, trotzdem werde ich mich ihr nicht verweigern können. Sexismus betrifft mich nämlich auf geradezu existentielle Weise. Als mich vor einiger Zeit der Vorwurf traf, ich würde mich sexistisch über Frauen äußern, hat mir das sehr wehgetan. Ich – gerade ich – der vom Feminat domestizierte Sitzpinkler!

Dabei war alles nur ein Missverständnis: Um die Diskriminierung von Frauen auf dem Golfplatz zu thematisieren, plädierte ich in der Kolumne einer Golfzeitschrift für die Abschaffung des Damen-Abschlags, diesem traurigem Relikt einer dominanten Männergesellschaft.
Ich schrieb: „Frauen brauchen keinen Damenabschlag, zumal sie beim Golfen erhebliche Vorteile haben: Weniger ausgeprägte Muskeln sorgen dafür, dass eine Frau mehr schwingt und weniger Kraft einsetzt. Da Frauen meist kleiner als Männer sind, können sie besser unter hängenden Ästen herausspielen. Zwar fehlt ihnen etwas Beschleunigungsweg, folglich haben sie auch eine geringere Schlägerkopfgeschwindigkeit, aber dafür fliegt der Ball auch nicht so weit ins Aus. Weniger Kraft in den Unterarmen sorgt dafür, dass frau in schwierigen Lagen den Kopf benutzt, bevor sie zuschlägt. Eine Golflehrerin meinte, dass große Brüste beim richtigen Schwingen behindern, was ein Nachteil wäre:  »Die Drehbewegung und der Hub der Arme können hierdurch beeinträchtigt werden und zu Problemen führen, den Golfschwung technisch korrekt auszuführen«. (Für Männer ist das übrigens noch schwieriger, da 90 % aller Männer nicht mehr in der Lage sind, den Golfschwung technisch korrekt auszuführen, wenn sie Frauen mit großen Brüsten sehen.)

Den Damenabschlag abzuschaffen forderte ich bereits im „Weg der weißen Kugel“ (Kapitel „Ladies Day“). Dieser Text war im Vor-Lektorat immerhin von zwei Feministinnen, darunter einer bekennenden Hexe, begutachtet worden und niemals hatte ich dazu eine negative Leserzuschrift erhalten. OK – bei Lesungen wurde zwar gebrüllt, gepfiffen und gejohlt, aber eigentlich nur von Frauen.

Deshalb war ich sehr verwundert, dass sich nach dem Erscheinen dieser Kolumne einige männliche Leser sozusagen an die Titte gepackt und bemüßigt fühlten, böse Leserbriefe zu schreiben. Einerseits war ich froh, dass überhaupt mal eine Leserzuschrift kam, aber andererseits fühlte ich mich komplett missverstanden, denn war ich nicht der, der im Club die Chauvi-Kasse eingeführt hat und auch dann auf Einzahlung besteht, wenn keine Dame mit auf der Runde ist?

Meine Mitspieler blechen grundsätzlich bei allen diskriminierenden Bemerkungen. Selbst wer bei einem kurz gelassenen Putt: „Bisse schwul, du Arsch“ an die eigene Adresse richtet, zahlt fünf Euro, die auch bei Ausdrücken wie „Schwuchtelputt“ oder „Tuntendrive“ fällig werden.
Wenn ich mit Gästen spiele, frage ich vor der Runde grundsätzlich, ob wir nach Hausregeln spielen, was das Einzahlen in die Chauvi-Kasse mit einschließt. Dann wird gelächelt und genickt, weil man dem Irrglauben verfallen ist, ich würde zu Späßen neigen. Doch spätestens wenn jemand beim Warten am Abschlag meint, einen „Brüderle“ ablaichen zu müssen, wird er eines besseren belehrt.
Dumme Bemerkungen wie „Warum wurden die Frauen Jahrhunderte unterdrückt? Weil es sich bewährt hat“, kosten zwar nur fünf Euro, aber Chauvinismen wie: „Gott gab den Menschen Intelligenz ... Ausnahmen bekamen die Regel!“ schlagen schon mit 10.- Euro zu Buche und dumme Sprüche wie: „Was ist an einer Geschlechtsumwandlung zur Frau am schmerzhaftesten? - Ist doch logisch, das Gehirn absaugen!“ kosten 20.- Euro.  

Im letzten Herbst musste ich mir folgendes Geschwätz anhören: „Drei Frauen kommen an einer Liegewiese vor bei einem Golfclub vorbei. Dort liegt ein nackter Mann, der nur sein Gesicht mit einem Badetuch bedeckt hat. Die Erste Frau: "Jetzt habe ich einen Moment lang gemeint, das sei mein Mann!" - "Nein", sagt die Zweite, "Dein Mann ist es garantiert nicht!" Darauf die Dritte: "Ja stimmt, und einer vom Golfclub ist es auch nicht!"
Was sollte ich da noch sagen außer: „30.-Euro, und zwar sofort, bar auf die Kralle!“ Versteht Ihr? Deshalb betrifft mich die Sexismus-Diskussion: Wenn sich die Verklemmten durchsetzen, wenn schweinische Witze und dumme Sprüche zum Tabu werden – wovon soll ich dann leben? Meint Ihr von Golfbüchern? Ha ha Ha! Blond oder was? Ich brauche die Kohle aus der Chauvi-Kasse!

Übrigens: Als ich im letzten Sommer mit zwei Spielerinnen auf der Runde war, wurde von den Damen folgender Witz erzählt, für den ich sofort 15.- Euro zu kassierenversuchte: „Was ist der Unterschied zwischen einer Kneipe und einer Klitoris? Die Kneipe finden die Männer auf Anhieb“. Die Damen weigerten sich jedoch zu zahlen, was ich irgendwie diskriminierend fand.

Ihr /Euer

Eugen Pletsch

Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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