08.08.2020 - 05:23 Uhr
Die Golf-Gemüter kochen, denn dem Ex- Innen- und damit auch Sportminister Thomas de Maizière kam gar Lästerliches über die Lippen: Golf sei eine Randsportart, bemerkte der neue Verteidigungsminister gegenüber dem Spiegel (10/2011) im Nebensatz eines Interviews zum Thema Ryder Cup.
Die Golfgötter mochten dem Herrn Minister blasphemische Bemerkungen verzeihen, den zu Randfiguren degradierten Halbgöttern des DGV, die vor Scham kaum noch in den Spiegel blicken konnten, kam das nicht in den Sinn. Zuerst das Ryder Cup-Debakel und dann die Bemerkung von der „Randsportart“.
Das schmerzt ganz besonders jene, die sich bei den nächsten olympischen Spielen bereits auf dem Olymp der Ehrentribüne wähnten und nun urplötzlich in den Hades einer Randsportart herabgestürzt werden.
Aber worin liegt das Problem?
Immerhin steht der Golfsport mit seinen 610000 organisierten Mitgliedern bei den Frischluftsportarten, die keine offizielle Akzeptanz und Förderung erfahren, an dritter Stelle. Beliebter sind nur Sackhüpfen (6,5 Mio. nicht organisierter Mitglieder) und der Saisonsport Eierlaufen mit 4,8 Mio. Oster-Aktivisten.
 
Trotzdem feuerte der DGV via Pressemeldung sofort eine Breitseite in Richtung Verteidigungsminister: Unter den im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vereinten Sportarten läge Golf noch vor olympischen Kernsportarten wie Schwimmen, Skifahren, Volleyball und Hockey an 11. Stelle! Beachtliche Zuwachsraten würden belegen, dass der Golfsport in Deutschland ein „sleeping giant“ wäre, der außerdem wieder in den Kanon der olympischen Sportarten aufgenommen wurde.

Dünnhäutig plädierte der Präsident der „Riesenschläfer“ Hans Joachim Nothelfer dafür, „im Lichte dieser Fakten, längst veraltete und überkommene Vorurteile schnellstens über Bord zu werfen und die kontinuierliche positive Entwicklung im Golfsport anzuerkennen“. Es werde höchste Zeit, meinte Nothelfer, dass eine Veranstaltung wie der Ryder Cup 2018 in Deutschland stattfände. Ansonsten hoffe er „dass es sich bei der Äußerung von Minister de Maizière um seine persönliche Meinung handelt und nicht um die allgemeine Einschätzung der Politik.“

Interessant, wie Funktionäre unseren Sport wahrnehmen. Wiedermal zeigt sich, dass „die da oben“ keine Ahnung von dem haben, was wir hier unten treiben. Natürlich ist der Golfsport eine Randsportart! Was denn sonst?
Jeder kann selbst beobachten, was KMGP-Studien belegen: Von den 610000 Golfern sind höchstens 10000 Spieler in der Lage, eine 18-Loch Runde auf dem dafür vorgesehenen Fairway zu absolvieren. Die restlichen 600000 Spieler hacken ihren Ball von einem Spielfeldrand zum anderen. „Am Rand ist doch vielmehr los“ meint auch Frau Ellerbeck aus Hamm, die ein „Fairway“ nur vom Hörensagen kennt.
Auch auf Pro/Ams ist zu beobachten, dass immer mehr junge Golflehrer die „Multi-Optionalität des Ballflugs“ von Rand zu Rand trainieren, angeblich „um ihre Grenzen auszuloten“.

Mancher Golfclub fragt sich mittlerweile, ob kostspieliges Mähen von Fairways überhaupt noch Sinn macht: „Da werden doch nur noch die Trolleys abgeparkt. Wieso stellt man die Fairways nicht anderen Sportarten zur Verfügung?“ murrte ein Manager. Dass damit eine Lösung in Sicht käme, mit der sich auch der DGV anfreunden kann, bestätigt eine weitere KMGP-Studie. Warum nicht? Die deutschen Meisterschaften der Sport-Sackhüpfer stehen an, auch die Freestyle-Olympiade der Eierläufer wird 2012 in Deutschland ausgetragen.

Eine Armada von Sackhüpfern und Eierläufern als Nothelfer der Randsportgruppe Golf wird kein Politiker übersehen können – so viel ist sicher!

(c) by Eugen Pletsch. Veröffentlicht in GolfTime 2011


Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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