28.11.2020 - 02:16 Uhr

Aus unserer Serie "Lächelnd in den Herbst" möchte ich heute etwas aus meiner zeitlosen Studie zum Thema Golfer-Typen zitieren.  Der Text stammt aus meinem Buch "Achtung Golfer! Schlägertypen in Wald und Flur," meinem schwierigsten und unverstandensten Werk, das mir kürzlich mal wieder in die Finger kam. 

Bereits in meinem golfpsychiatrischen Standardwerk »GOLF GAGA – Der Fluch der weißen Kugel« hatte ich die Phasen der Entwicklung zum Golfneurotiker (unter dem Aspekt der Golfsucht) in sieben Typen unterteilt:

Typ 1, der Golfinteressierte

Typ 2, der Rabbit mit leichter Suchttendenz

Typ 3, bereits golfsüchtig

Typ 4, der Golfjunkie

Typ 5, der Golfmaniac

Typ 6, der Golfzombie

Typ 7, der ultimative Golfneurotiker, der vollkommen GOLF­GAGA geworden ist und jenseits von Eden lebt.

Das war mein Stand der Dinge. Meine nächste Überlegung war: Wäre eine Art Bestimmungsbuch denkbar, wie es das für Pilze, Sterne, Heilpflanzen, Fische und Greifvögel gibt? Im Sinne von: Welcher Golfer ist das? Die Ethnologie bietet dafür durchaus hoffnungsvolle Ansätze, indem sie nicht entwickelte, nicht zivilisierte, nicht erzogene bzw. im Naturzustand befindliche primitive Kulturen klassifiziert[1] und beschreibt. Aber damit kam ich nicht weiter.

Auch mit anthropologischen Methoden versuchte ich, den Schlägertypen beizukommen, indem ich sie zum Beispiel nach ihrer Größe ordnete. Zu klein geratene Golfer, die hoch hinaus wollen, kommen häufig zu kurz. Sie gehören unbedingt in ein Bestimmungsbuch!

Aber dann gingen die Überlegungen los: Sollte ich die Golfer wirklich nur nach Größe sortieren und – falls nein – wie ließe sich der Golfer sonst noch klassifizieren? Nach der Flugbahn seines Balles? Die ändert sich bei den meisten Spielern mit jedem Schlag.

Schließlich befasste ich mich mit den klassischen Methoden zur Unterscheidung des Menschen. Im antiken Griechenland kannte man die vier Temperamente. In den 1920er-Jahren dachte sich der Psychiater Ernst Kretschmer eine Typenlehre aus, die Menschen nach dem Körperbau unterscheidet: Es gibt Pykniker, Athletiker, Leptosome (oder Astheniker) sowie Dysplastiker. Aber was glauben Sie, was passiert, wenn ich unseren Spartenführer Herrengolf einen Dysplastiker nennen würde? Der Choleriker haut mir eine aufs Maul!

Eine Weile haben mich die Somatypen nach der Typologie William Sheldons fasziniert, als da wären: ektomorphe, mesomorphe oder endomorphe Typen. Sheldons Einteilung des Menschen nach den Keimblattgeweben des Embryos wird jedoch höchstens noch im Fitnessbereich verwendet, um ein dem Körpertyp angepasstes Trainingsprogramm zu erstellen.

Dann versuchte ich es mit dem Enneagramm. Diese uralte Geheimlehre basiert auf dem Neuneck. Ich dachte Neuneck und Neun-Loch-Platz – das könnte passen. Das Enneagramm unterscheidet neun Persönlichkeitstypen, und gemäß der Enneagramm-Typologie verfügt jeder Mensch über drei Intelligenzzentren: den Kopf, also Verstand oder Ratio, das Herz mit seinen Emotionen und den Bauch, der den Instinkt beherbergt. Der geheimen Lehre zufolge hat Intelligenz nicht nur mit dem Kopf zu tun, es gibt auch die sogenannte »Bauchintelligenz«. Einen Bauch haben Golfer, wie bereits erwähnt, aus vielerlei Gründen. Aber wird ihr Golfspiel dadurch intelligenter?

Schließlich betrachtete ich die Sportanthropologie, um die verschiedenen Schulen zur Bestimmung der Konstitutionstypen zu erforschen, doch das brachte mich auch nicht weiter. Sogar das Handicap kann man vergessen. Was ich schließlich als wichtiges Unterscheidungsmerkmal entdeckte, ist die Lautstärke eines Golfers. Liegt doch auf der Hand, oder? Die Lautstärke der Geräusche, die ein Golfer von sich gibt, sagt viel aus. Man unterscheidet dabei grundsätzlich zwei Geräuschquellen: Was der Golfer selbst von sich gibt und welche Geräusche seine Ausrüstung macht. Wir kennen die Brüllochsen, die Kreischhühner, die Quietschmäuse, Jodlerinnen, Bassbrummler und dauerplappernde Angeber, um nur einige zu nennen.

Bei der Ausrüstung unterscheiden wir die Klapperer, die Rattler, die Trolley-Quietscher, die Head-Banger und die Bag-Umfaller.

Der Klapperer trägt seine Schläger, wobei diese weithin über den Platz klappern, wie der Name schon sagt. Beim Rattler dagegen werden die Schläger meist im Bag gezogen, wobei zwei bis drei Eisen aneinanderschlagen (ding-ding-ding), was sensible Menschen als ausgesprochen störend empfinden. Ähnlich ist es beim Headbanger, der meist aus Faulheit – oder weil er sie verschlampt hat – ohne Hauben auf den Hölzern über den Platz tingelt. Das helle Klingeln, wenn zwei Titanschlägerköpfe dauerhaft aneinanderschlagen (ting-ting-ting-ting), kann ebenso nervtötend sein wie das nörgelnde Quietschen eines Trolleys (njäg-njäg-njäg) oder die Fähigkeit eines Mitspielers, sein Bag stets in dem Moment umfallen zu lassen, wenn sich ein anderer Spieler unaufhaltsam im Rückschwung befindet (rumms).

Aber ist das wichtig? Bringt uns das weiter? Mir kamen Zweifel, ob es wirklich sinnvoll ist, Golfer nach einem System zu ordnen. Reicht es nicht, zu wissen, dass es Siegertypen gibt – und ewige Verlierer?

Fortsetzung folgt...

[1] › Ich erwähne das, weil immer häufiger »nicht zivilisierte, nicht erzogene bzw. im Naturzustand befindliche« Personen beobachtet werden, die sich im Golfspiel versuchen.

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Auszug aus meinem Buch "Achtung Golfer! Schlägertypen in Wald und Flur," (Hier die Besprechung von Thomas Klages im Golfsportmagazin.)

 

Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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