18.12.2018 - 23:13 Uhr

Dass mir „Harald“ meinen eleganten Schwung mit einer kurzen Bemerkung über mangelnden Hüfteinsatz schreddern konnte, (was ich das letzte Woche an dieser Stelle kommentierte), kam ihm natürlich zu Ohren...

Prompt folgte, sozusagen als Wiedergutmachung, eine Einladung zu einem Hüftschwung-Workshop, den Harald mit seiner Gattin halbjährlich veranstaltet. Da wollte ich gestern Abend natürlich hin! Zuvor spielte ich jedoch drei Songs bei einer Open Stage-Veranstaltung, wozu ich mir Mut ansaufen musste. Alkohol ist natürlich keine Lösung, wie wir alle wissen, aber seit ich in eine Art Senioren-Stimmbruch gekommen bin und keinen Ton mehr treffe, bin ich auf der Bühne ziemlich verunsichert. Meine Stimme ist so dünn geworden wie mein Haar, das einst lang und blond war. 

Eugen Pletsch ca. 1970

Mein Plan war, im Frühjahr wieder als Straßensänger zu spielen, sofern sich keine Golfclubs mehr wegen einer Lesung melden. Bisher waren meine Lesungen fröhliche Abende – zumindest bin ich noch nie geteert und gefedert aus dem Clubhaus gejagt worden – aber Lesungen kommen nur dann zustande, wenn sich jemand kümmert. Ich meine damit jemanden, der meine Bücher kennt und Spaß daran hat.

Aus privaten Gründen habe mehr als ein Jahr keine Lesungen mehr gemacht, hatte es aber ohnehin satt, Golfclubs anzuschreiben. Wenn man Clubs anschreibt, ist die Resonanz gleich Null, nicht mal eine kurze Absage. Das hängt einerseits mit den verschlafenen Strukturen der Clubs, der Überlastung und den allgemeinen Sorgen zusammen, aber auch mit der Ideenlosigkeit und dem Desinteresse von Managern und Präsidenten, deren Aufgabe es sein sollte, ihre Club-Community mit Kulturveranstaltungen zu beleben.

Und was passiert? Kaum plane ich mein Comeback als Straßensänger, meldet sich prompt ein Golfclub und fragt wegen einer Lesung für Mai 2019 an. Lesung, nicht Singung! Als wollte das Universum das Schlimmste verhindern! 
Sicherheitshalber übe ich jedoch trotz Senioren-Stimmbruch weiter meine Folksongs. Gestern Abend spielte ich zwei eigene Lieder und eine Moritat von Heine. Drei Songs, mehr geht nicht bei einer Open Stage, denn andere wollen ja auch. Und in meinem Alter und mit meiner Prostata sind drei Songs nach drei Bier ohnehin das Maximum.

Nach der Open Stage bin ich dann – um auf Harald zurückzukommen – die Straße schräg gegenüber in „Pit’s Pinte“ gegangen, wo der Hüftschwung-Workshop stattfand. Die Kneipe war rappelvoll. Ich schob mich durch die Massen von Studis zu dem hinteren Raum, in dem Harald gereiftere Semester aus Wirtschaft, Politik und Golfsport in der Kunst des Hüftschwungs unterwies.
Harald hat zwei Hüften, was ihn zum idealen Schwung-Coach macht. Seine schwitzenden Schüler kreisten die Becken, während dröhnende Dschungelmusik das Knacken und Knirschen arthritischer Knochen übertönte. Filme von Anthropologen zeigen manchmal beckenwippende Afrikaner, die im Kreis tanzen und dabei rhythmisch die Hüften schwingen. In diesen Filmen handelt es aber Fruchtbarkeitsrituale, während Haralds Übungen dazu dienen, den eleganten Schwung aus der Hüfte zu erlernen. Diese Hüft-Power ermöglicht Harald die Wahnsinns-Drives, für die er berühmt ist. Gemäß seinem Wahlspruch „Ich helfe gerne“ gibt er sein Wissen an alle weiter, die ihren Golfschwung bocksbeinig steif einleiten und damit natürlich nicht die Power generieren können, die so ein Drive weit hinaus in die Wicken unbedingt erfordert.

(Wäre heute nicht so dichter ein Nebel, würde ich grade mal zum Platz fahren und kucken, wie die nun alle schwingen können.)

Leider, leider konnte ich gestern Abend nicht länger mitschwingen, weil ich zu angeschickert war und die dringende Gefahr bestanden hätte, die groovenden Swinger voll zu reihern. Deshalb zog ich mich dezent zurück.

Nachts hatte ich dann Kreislauf, aber nicht wegen der Drinks, sondern weil mir die Mail von Heiko in den Kopf kam. Er schrieb: „(…) Im Sommer bin ich mit dem Rad rund um Schottland gefahren, Golfschläger dabei auf dem Gepäckträger. 

Schottland auf dem Fahrrad umrunden! Schaut Euch mal seinen Bericht an! Fahrrad-Golf: Cycgo! KEIN eBIKE – richtig mit strampeln! Wart Ihr schon mal da oben? Die Singletracks in den Highlands … der Pass nach Applecross? Mein Gott, da denke ich nur dran und kriege sofort Kreislauf. Aber: Respekt, Heiko! Tolle Story!

Ja, das sind sie, Harald und Heiko, zwei moderne Helden des Golfsports!  

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

PS: Werde Heiko mal fragen, ob er auch meinen einstigen Heimatclub Lochcarron / Western Ross besucht hat. Der liegt schließlich direkt an der Straße und da oben gibt es nur eine. (Antwort: Heiko ist von Fort Williams direkt hoch nach Inverness, auch eine schöne Strecke...).

PPS: Oskar Brunnthalers Sky-Bashing im neuen GOLFTIME-Heft kann ich nur unterschreiben. Die neue Sky-App: Man findet nichts mehr außer PR. Die Tiger versus Phil-Übertragung kommt auf Sky Select und kostet extra. SkyGo kann vom iPad kein CromeCast ansteuern und was die Qualität des Sky-Service angeht, kann man sich hier informieren. Zum Thema Golf-Kommentatoren ist ohnehin schon alles gesagt.

Sky Deutschland Bewertungen

 

 

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Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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