22.10.2020 - 04:59 Uhr

Am Abschlag stehend, blicke ich in die Ferne. Würde ich nicht in die Ferne blicken, müsste ich jene Gruppe von übergewichtigen Männern betrachten, die etwa 150 Meter vor mir mit geradezu krimineller Energie versucht, einen Golfball aus einem Dornengebüsch zu kratzen.

Die Endzeit ist angebrochen. Auch unspielbare Bälle werden nicht mehr leichtfertig aufgegeben, denn wer weiß, wie lange es Golfbälle noch geben wird. Die Chinesen haben uns in der Hand! Gerade in den Luxusressorts der neuen Bundesländer werden dunkle Erinnerungen an jene Zeiten wach, als die Mauer noch stand. Golfschläger hatte man, aber keine Bälle und keine AfD. Jetzt, wo die Krise offenbar ist, denkt mancher daran, dass jeder Golfball der letzte sein könnte. In manchen Clubs wird bereits mit Hunden nachgesucht.

Nun, es musste soweit kommen. Wer seit Jahren einschlägige Themen in  Goldforen verfolgt, hat entsprechend vorgesorgt und ist mit seinem Goldankauf spätestens bei 700.- EUR die Unze eingestiegen. Und wer am Samstag bei Aldi einkaufen war erlebte hautnah: Die 2. Corona-Welle nähert sich unaufhaltsam und wieder hamstern die Deutschen und kaufen alles, was sich futtern lässt. Ein Fieber, das ansteckt. Auch ich füllte meinen Warenkorb mit Zucker, Mehl, Trocken- und Hülsenfrüchten, lauter Zeugs, das ich nicht esse und das nur Blähungen verursacht, aber ein Endzeitberater empfahl dringend, Nahrungsmittelvorräte anzulegen.

Ich kaufte Schweinefraß wie Pichelsteiner Eintopf, Würstchen und Mexikanischen Feuertopf. Warum? Ganz einfach: Meine Wohnung im 3. Stock eines Mehrfamilienhauses überblickt ein ganzes Tal. Das ist genau die Wohnung, in der marodierende Freischärler ihr Maschinengewehrnest anlegen würden und die werden sich wohl kaum auf meine Hirsebrei-Diät einlassen, wenn Sie meine Bude stürmen. Also: Wenn ich nicht selbst gefressen werden möchte, muss ich den Jungs irgendwas anderes vorwerfen. Das nennt man Überlebensstrategie!

Die Spieler vor mir sind mittlerweile aus den Büschen gekrochen und bestaunen den Ball, der jetzt mit Strafschlag hinter dem Gebüsch neu ins Spiel gebracht wird. Es kann also nicht mehr lange dauern, bis es weitergeht. Meine Gedanken hängen noch im Goldforum fest. Laut Welt.de hat die Welt 52 Billionen explizite Staatsschulden (d.h. ohne Renten- und Pensionsansprüche) und alles Gold der Welt würde nur etwas mehr als ein Zehntel abdecken. Gold wird immer knapper.

Damit geht die Rechnung mancher Leser auf, die seit Jahren jeden müden Euro in Gold investiert haben. Mittlerweile sind die Gemüter der Goldgräber jedoch besorgt. Ihr Problem: Wohin mit dem Goldvorrat? Im Garten der Schwiegereltern vergraben wäre zumindest dann keine Lösung mehr, wenn die Beziehung bereits wackelt und die Schwiegermutter mit der Schippe winkt.

Die Lösung ist einfacher als man glaubt. Versierte Clubfitter können Goldbarren in Schlägerköpfe umgießen und verzinken, um sie dann einem künstlichen Alterungsprozess zu unterziehen. Angerostet und verkratzt werden sie dann im Schuppen zwischen allen anderen alten Gurken gelagert. Da kommt kein Schwein und kein Räuber drauf!

Den Alterungsprozess können Golflehrer auch selbst durchführen, indem sie ihre Goldkeulen in Schnupperkursen benutzen. Faustregel: Pro Schnupperkurstag altert ein Schläger um ein Jahr.

Alternativ kann man von alten Golfschlägern den Griff entfernen um den Schaft da, wo die bessere Gesellschaft aus Bankster-Kreisen kürzlich noch ihr Koks lagerte, Goldstaub einzufüllen. Ich selbst habe meine gesamte Altersvorsorge in 1/10 Gold-Unzen eingetauscht, die 10 Münzen mit einem Zahnarztbohrer durchlocht und als Knöpfe an mein Michael Jackson Faschingskostüms genäht. Da kommt auch niemand drauf!

Ja, so bunkert man das Gold. Mancher Golfer, der sich auf seinen Unzen schlecht bettet und Schweiß gebadet aus seinen Angstträumen aufschreckt, kann jetzt durchatmen.

So, die Jungs da vorne sind weg, ich kann jetzt abschlagen.

Weiterhin schönes Spiel am Kraterrand des Wahnsinns wünscht 

Eugen Pletsch

Über Eugen Pletsch

Eugen Pletsch

Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

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