22.09.2018 - 01:19 Uhr

Nach den 36 Löchern gestern zeigte mein Schrittzähler 31,187 Schritte, 107 Stockwerke und 22,9km an. Dem entsprechend fühlten sich auch unsere Körper heute Morgen an, was uns aber nicht davon abhielt um 7:00h aufzustehen und nach Portsalon aufzubrechen.

Der Linksplatz dort liegt eine gute halbe Stunde von Letterkenny entfernt und ist als Nr. 22 von Irland gelistet. Ein für uns positives Merkmal ist, dass der Platz nicht für Massen an Golftouristen ausgelegt. Ein kleiner Parkplatz auf dem keine Reisbusse parken und ein kleines, gemütliches Clubhaus, was für die Mitglieder aus der Umgebung gedacht ist.   

Auf dem Parkplatz angekommen, standen wir erstmal vor verschlossenen Toren. Wir hatten aber schon einen Blick über den Platz werfen können, der an der Küste in einer Linkskurve verläuft. Neun Löcher raus, neun wieder rein. So wie es sich für einen traditionellen Linkskurs gehört. Die Greenkeeper stampften gerade die Löcher neu aus als einer auf uns aufmerksam wurde und uns mitteilte, dass der Proshop gleich öffnen würde. Zehn Minuten vor unserer Abschlagszeit kam dann auch jemand, begrüßte uns sehr nett und dann legten wir einen Kaltstart hin. Eine Driving Range gibt es hier nämlich leider nicht, aber ein kleines Puttinggrün neben dem ersten Abschlag. Der Club ist leider nicht mit unendlich viel gesegnet. Allerdings wusste der Architekt diesen geschickt zu nutzen und designte einen echt schönen Golfplatz. 

 

Obwohl Basti der Jüngere von uns beiden ist, brauchte er ein wenig länger bis die Knochen nicht mehr so knirschten und das erste Par fiel. Bei mir lief es etwas besser. Die ersten Löcher verfügen über tolle Aussichten über das Meer und den Strand auf der linken Seite. Die zweite Bahn verläuft in einer Linkskurve und man musste gut abschätzen wie weit man seinen Schlag plant ohne zu wässern. Bastis Tigerline stufte er im Nachhinein als zu aggressiv ein, so versenkte er doch einige Bälle im Meer. Aber an diesem herrlichen Tag sollte uns das nicht weiter stören. Außerdem bezeichnete er diese Bahn als das schönste Loch dieser Woche.  

Die ersten sechs Löcher spielten wir bei Sonnenschein als es landeinwärts sehr dunkel am Himmel wurde. Basti meinte noch, dass wir auf den Backnine wohl doch noch nass werden sollten. Doch so lange dauerte es gar nicht. Noch auf dieser Bahn kam ein ordentlicher Schauer runter und ich notierte prompt das erste Doppelbogey.
Das Schöne war, dass es eine Viertelstunde später wieder aufklarte und die Sonne wieder durchschien. Dieses Wechselspiel ging den Tag ein paar Mal so. Zu unserer Freunde bietet der Platz zwei Doppelgrüns, was den Charme der alten Links-Plätze wieder aufleben lässt.

Der Golf Club von Portsalon wurde 1891 gegründet und im Jahre 2000 von Pat Ruddy und Paul McGinley umgestaltet. Dabei wurden nur fünf Löcher in ihrer Ursprungsform belassen. Auf den ersten und letzten Löchern sind auch kleine Flüsse als Wasserhindernisse eingebaut, die das Festland mit dem Meer verbinden. Der Großteil der Löcher bietet aber den Linkscharakter mit engen Fairways eingepasst in die Dünenlandschaft mit vielen kleinen Hügeln und ondulierten Fairways. Hin und wieder sieht man auch massive Felswände. All diese Merkmale verleihen diesem Platz eine ganz eigene Note.  

Basti und ich genossen also unsere Runde. Natürlich hob Bastis Birdie auf der 10 seine Stimmung und die wurde auf der 14, der Bahn mit dem Namen „Matterhorn“, noch besser. Das Tee lag deutlich erhöht und von dort hatte man eine super Aussicht über die komplette Anlage und das Meer im Hintergrund. Ein ähnliches Schauspiel kann man auch auf der 16. Spielbahn erleben. Basti brachte seine Sympathie und Begeisterung für diesen Platz zum wiederholten Male zum Ausdruck. Wir hatten noch zwei Löcher zu spielen: die 17: ein Par 5 mit dem Namen River In und dann noch die 18, ein Par 4 mit dem Namen „Home“ und nach 3,5 Stunden beendeten wir unsere Runde. Im Clubhaus tranken wir noch das obligatorische Bier und überlegten uns, was wir mit dem halben Tag noch anfangen konnten. 

Von der Reiseplanung wusste ich noch, dass Letterkenny auch einen Golfplatz besitzt. Erste Überlegungen  kreisten schon in unseren Köpfen, ob das eine Option sei. Auf den Smartphones kurz die Homepage des Clubs gecheckt und zu unserer Enttäuschung gab es heute keine freie Tee Times mehr. Naja, hinfahren und gucken kann man ja mal. Als Kind gab es auch hin und wieder mal etwas im Spielzeugladen, obwohl die Mamas immer gesagt haben: „Aber nur gucken!“ Und auf dem Weg lag der Golfplatz sowieso.  

Basti fuhr unseren Kleinwagen souverän Richtung Letterkenny. Mir fielen hin und wieder die Augen zu, wurde aber immer wach, wenn das Navi irgendwelche Anweisungen gab. Um 14:10h fuhren wir auf den Parkplatz des Letterkenny Golf Clubs bei Sonnenschein vor. Schnell in den Proshop und nach Startzeiten gefragt. „Ja, er hätte eine um 14:20h frei“.
Eine kurze Verständigung zwischen Basti und mir und die Entscheidung stand.
„Alles klar, wir müssen nur kurz die Taschen aus dem Auto holen.“
Der junge Mann im Proshop merkte noch an, dass heute ein Turnier sei und fragte ob wir dort mitspielen wollten. Wieder kurzer Augenkontakt zwischen uns.
„Alles klar, machen wir!“
Das positive an der Sache war, das sich das Greenfee dadurch von 25 EUR auf 20 EUR reduzierte. Ein absoluter Witz. Um eines vorweg zu nehmen: Für einen Platz in solcher Qualität zahlt man in Deutschland mindestens das Vierfache.



Auch wenn alles unter Wasser stand hatten Basti und ich unseren Spaß. In weniger als 10 Minuten mussten wir am Tee sein. Als wir den Proshop verließen, regnet es wieder. Aber da mussten und wollten wir jetzt durch. Wir hetzen zum ersten Abschlag, zückten unsere Driver als hinter uns ein netter Ire, sich unter einem Baum vor dem Regen schützend, bemerkbar machte: No Driver! Das erste Loch war ein Par 4 mit Dogleg nach rechts, was stark bergab verlief. „Ein Hybrid oder langes Eisen reiche auch“. Okay, gesagt getan und es war eine gute Entscheidung. Mit dem Driver hätten wir deutlich über das Ziel hinaus geschossen.  

Die nächsten Löcher verliefen auf flachem, nicht onduliertem Grund. Man hatte immer einen geraden Stand und saftiges Fairway unter seinen Füßen. Für uns eine willkommene Abwechslung. Trotz unserer Müdigkeit spielten wir ordentliches Golf. Hier und da mal ein Par, bis zum elften Loch. Ab hier verliefen die Spielbahnen hoch und runter. Mit den deutlichen Höhenunterschieden hatten wir jetzt beide sehr zu kämpfen, die Kraft fehlte leider ein wenig. Der Platz verlor aber nicht an seiner Attraktivität mit interessanten Spielbahnen und schönen Ausblicken. Man kann leicht erahnen, über welch sehr gute Qualität dieser Platz verfügt, wenn er nicht gerade unter Wasser steht aufgrund der Regenmassen der letzten Tage. Und ich wiederhole mich hier nur gerne: Das Greenfee ist nahezu unglaublich günstig.  

Die letzte Bahn wollte Basti unbedingt in Par spielen. Das Par 5 verlief steil bergab. Es gelang ihm ein toller Abschlag, gefolgte von einem langen zweiten Schlag, welcher am Rand in einem Wasserhindernis landete. Nachdem ich meinen 3. Schlag auf das Grün spielte, wollte Basti natürlich nachlegen. Ich setzte gerade mein Divot zurück als hinter mir ein Geräusch erklang, welches Eisen auf Stein sehr ähnlich war. Und so war es auch. Basti wollte sein Par retten und zog voll durch, leider hatte er den Stein neben seinem Ball nicht gesehen. Das Eisen hat jetzt für immer eine Erinnerung an diese Runde. Das Par konnte Basti leider nicht retten, aber wir waren heilfroh, diesen Platz heute noch gespielt zu haben. Nachdem wir anschließend in das Hotel fuhren, war schnell klar, dass wir nach 72 Löchern in den letzten 36 Stunden, heute unsere Unterkunft nicht mehr verlassen wollten, studierten aber schon die Bahnen des morgigen Kurses. 

Bis demnächst

Euer

Tim Frodermann

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