18.12.2018 - 22:07 Uhr

(Auszug aus: Der Weg der weißen Kugel)

(....) Jetzt bräuchte der Spieler jemanden, der ihm den Kopf zurechtrückt, anstatt ihn am Scheitelpunkt der Eitelkeit mit warmem Öl zu salben. Anstatt am Schwung zu schrauben, wären Ruhe, eine Fangopackung und vielleicht das energetische Feld eines Schamanen angesagt. Ein Schamane ist eine Person, die mit Energien umgeht.

Der Spieler sucht keine neue Golftechnik, sondern einen Ritus der Heilung und bittet den Schamanen um Hilfe, worauf der sich um Versöhnung mit den »bösen Geistern« wie die Yips bemüht. Während des Ritus (Training) und durch die Zuwendung des Schamanen erlebt der Spieler einen Transformationsprozess. Das Energiefeld, das der Schamane zu schaffen imstande ist, erfüllt den Spieler mit neuer Hoffnung und Kraft. Sinnvolle schwungtechnische Änderungen helfen, die neue innere Einstellung zu verankern.

In diesem Prozess versöhnt sich der Spieler mit sich selbst, indem er lernt, seine dunkle Seite, seinen Schatten, anzunehmen. Dadurch baut er sich selbst neu auf. Er erfährt seine Heilung als Erkenntnisprozess, was die Grundlage für eine echte Veränderung ist.

Manchmal ist der Schamane ein guter Psychologe, manchmal jedoch auch ein Scharlatan (selbst wenn er von sich glaubt, in guter Absicht zu handeln). Die Übergänge sind fließend. Gerade Spieler, die bereits das süße Gift von Ruhm und Erfolg genossen haben, finden im Scharlatan eine interessante Projektionsfläche, die ähnliche Prozesse wie ein Schamane auslösen kann. Deshalb berichten manche Schüler so begeistert von ihren Erfahrungen, auch wenn sie objektiv betrachtet keinerlei »Heilung« erfahren haben.

Das erinnert an die Szene aus einem Asterix-Heft, wo der kranke Miraculix zum Druiden gebracht wird: Er sitzt mit Asterix auf der Wartebank. Ein Mann rennt auf allen vieren quiekend ins Behandlungszimmer. Asterix fragt, wer das denn sei. »Der glaubt, er wäre ein Wildschwein«, ist die Antwort. Kurz darauf kommt der Mann auf zwei Beinen heraus, »Oink«, lächelt er beglückt und verschwindet. Asterix fragt: »Glaubt er jetzt, wieder ein Mensch zu sein?« – »Nein«, lautet die Antwort, »aber der Druide hat ihm beigebracht, Männchen zu machen.«

Wenn der Schamane kein Schamane ist, sondern einfach nur hoch pokert und sich nicht die Energie des Kranken im Ritual selbst heilt, sondern das Bad in der Ego-Aura des Gurus der Kick ist, um das Ego aufzumöbeln, dann wird keine tiefgreifende Veränderung stattfinden, was Transferproblem genannt wird. Denn wenn der Spieler das energetische Feld des Trainers (und der anderen Schüler) verlässt, dann bricht sein Energiefeld sehr schnell zusammen. Solche Schüler kommen irgendwann reumütig zu ihrem alten Golflehrer zurück, um den Schwung ihrer Jugend wiederzufinden.

Was wir aus dem kleinen Exkurs in die Welt des professionellen Golfsports lernen können, ist, dass auch der Top-Spieler nur mit Wasser kocht. Auch er ist ein wankelmütiges Menschlein, das bei aller Begabung von den gleichen Teufeln des Selbstzweifels heimgesucht wird wie wir, die wir als Anfänger oder auch als fortgeschrittene Hacker oft nicht mehr wissen, ob das Golftraining Sinn macht oder uns geradewegs in den Irrsinn führt.

Wenn es auf Dauer nicht klappt auf der Tour, wird der Spieler gerne Golflehrer (Teaching Pro). Weil er international eine große Erfahrung darin gesammelt hat, wie man eine Runde versemmelt, nimmt er doppelt so viel für die Stunde wie seine Kollegen. Besonders verbitterte Kerle fangen dann auch noch an, Golfplätze zu konzipieren, um ihren Hass auf die Menschheit loszuwerden.

Ein schlechter Tour-Spieler kann ein sehr guter Golflehrer werden. Andererseits haben manche sehr guten Spieler nicht die Begabung, ihr Können zu vermitteln.

»Golflehrer« ist ansonsten ein Lehrberuf wie jeder andere auch: Man lässt sich für ein paar Jahre ausbeuten, in der Hoffnung, später die schnelle Mark zu machen. Bernhard Langer ist gelernter Golflehrer und wurde als Golfspieler ein reicher Mann.

 

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