15.11.2018 - 13:27 Uhr

Ihre Schlägertruppe

Die Hölzer
Hölzer, also die Schläger mit dem dicken Kopf, waren früher tatsächlich aus Holz. Die Materialbezeichnung wurde zum Fachbegriff. Alle Schläger mit den dicken runden Köpfen werden als Hölzer bezeichnet, unabhängig davon, ob sie tatsächlich aus Holz, aus Metall oder Kunststoffen hergestellt sind. Die englischen Golfkommentatoren feixten mit der Zunahme moderner Materialien über den Begriff Metalwood, also »Metallholz«, und benutzen heute meist den Ausdruck „Metal“, wenn sie diese Schläger beschreiben.

Die Hölzer bestanden bis vor einigen Jahren aus Persimmon-Holz, eine Hartholzart, die von handwerklich begabten Meistern zu erlesenen Kunstwerken verarbeitet wurden. Alte Driver sind oft kostbare Sammlerstücke. Als das Persimmon-Holz knapp und teuer wurde, begann man, Holz in Schichten zu leimen, woraus der Schlägerkopf geschnitten wurde. Der bekannteste laminierte Holzschläger ist vermutlich das gute alte Ping-Holz, mit dem mein Freund Tim erstaunliche Weiten erzielte. Die laminierten Holzköpfe sind stabiler als die alten Persimmon-Köpfe, lassen sich besser ausbalancieren, gelten aber als nicht so schön.

Schlägerhersteller experimentierten schon seit vielen Jahren mit SchlägDean Ota Eisen mit Persimmon Hölzernerköpfen aus Leichtmetallen, aber der große Durchbruch kam erst in den letzten Jahren in Verbindung mit neuen Schäften. Nach Aluminium und Stahl sind Schlägerköpfe aus Titan, geschmiedeten Stahlauflagen und allen möglichen Legierungen entwickelt worden. Titan ermöglicht den Bau extrem großer, dünnwandiger Schlägerköpfe mit einem vergrößerten Sweet Spot. Damit bezeichnet man den Teil der Schlagfläche, mit dem der Ball die optimale Kraftübertragung durch den Schwung erhält.

Kaum haben wir das begriffen, wird aus Gründen der »besseren Spielbarkeit« wieder der kleinere Schlägerkopf auf den Markt gebracht. Jede Saison etwas Neues. Ich frage mich, ob es nicht bald, wie in der Mode, zwei Hauptkollektionen geben wird, den Sommer- und den Winterschlägersatz?

Die ganze Branche geht – zum Teil berechtigterweise – davon aus, dass Sie und ich zu ungeschickt sind, den Schlägerkopf zu erspüren, um ihn mit seinem Schlagflächenmittelpunkt durch den Ball zu schwingen. Deshalb gibt es jedes Jahr eine neue Generation von Schlägern, die es noch einfacher machen, den Ball in den Teich zu schlagen.

Der Driver
Betrachten Sie Ihren Driver als Einzelschläger, den Sie nicht im Komplettset kaufen sollten. Driver, auch Holz Nr.1 genannt, gibt es mit Lofts von 5 -16 Grad. Anfängern empfehle ich einen Driver mit möglichst viel Loft  so um die 12 bis 14 Grad, was dem früheren Holz 2 entspricht, das in Schottland „Brassie“ genannt wurde. Mehr Loft gibt Ihnen Selbstvertrauen und bei guten Lagen können Sie dieses Holz auch noch vom Fairway für einen langen zweiten Schlag benutzen. Testen Sie vor dem Kauf die verschiedenen Driver bezüglich Flex, Kopfform und Loft. Wenn Sie langsam schwingen, brauchen Sie mehr Flex und einen niedrigen Kickpoint (Flexpunkt) im Schaft. Je niedriger der Kickpoint liegt, umso höher fliegt der Ball. „Hitter“ die schnell schwingen werden nach einem steiferen Schaft und höheren Kickpoint greifen.

Fairwayhölzer
Sie können natürlich genauso gut probieren, mit einem Holz 3 abzuschlagen, das mit Lofts zwischen 13 und 16 Grad angeboten wird. Im Standardsatz für Amateure hat das Holz 3 meist 15 Grad Loft. Auf dem Fairway (nicht aus dem Rough!) hilft meist ein »Seniorenschmeichler« wie das Holz 5 mit einem Loft von ca.19 Grad oder ein Hybrid, um den Ball voranzubringen. Schläger-Set des Autors

Manche spielen aber lieber Eisen – also nehmen Sie den Schläger, mit dem Sie den Ball mit größter Wahrscheinlichkeit in die Luft und aufs Grün bringen.

Die meisten Spieler haben neben dem Driver meist zwei Fairwayhölzer (meist 3 und 5 im Standardsatz) oder Hybrids im Bag. Fairwayhölzer, Hybridhölzer und Utility-Hölzer mit hohem Loft werden heutzutage auch von Profi-Spielern genutzt, wenn sie mit ihren Eisen bei langen Annäherungsschlägen Probleme haben. Mit dem kleineren Kopf der Hybrid-Schläger lassen sich vom Fairway oder aus dem Rough leichter ordentliche Weiten erzielen. Ein weicherer Flex bringt den Ball besser in die Luft.

Übrigens: Die albernen Wollmützchen, die Ihnen sicher schon aufgefallen sind, dienten dem Schutz der  früheren Persimmon-Hölzer, die besonders an Regentagen nach dem Spiel unbedingt gesäubert, getrocknet und von Zeit zu Zeit geölt werden müssen. Die heutige „Hölzer“ aus Metall und Kunststoff brauchen kein Öl mehr. Dafür haben die Hauben mittlerweile einen langen Strumpf, um die teuren Graphitschäfte zu schützen. Wenn Sie generell mit Graphitschäften spielen, sollten Sie darauf achten, dass Ihr Bag – also die Schlägertasche – an den Innenrändern keine scharfen Kanten hat, die Ihre Schäfte beschädigen könnten. Es gibt spezielle Bags für Graphitschäfte. Es reicht aber auch, einen Klebstreifen mit Filzbeschichtung innen an der Oberkante der Tasche anzukleben.

Die Eisen
Cavity-back- oder Cast-Modelle, also gegossene Schlägerköpfe, ermöglichen, das Gewicht am Schlägerkopf so zu platzieren, dass der berühmte Sweet Spot erheblich größer ist als bei den traditionellen Blades, den geschmiedeten (forged) Eisen, die dem Könner wiederum ein besseres Feedback vermitteln und mehr Möglichkeiten geben, mit »dem Ball zu arbeiten«.

Hogan Apex II Blades aus der Sammlung des Autors

Geschmiedete Eisen spielen beim Umsatz der Hersteller kaum noch eine Rolle. Junge Verrückte, Tourspieler und Materialfetischisten gieren bisweilen noch nach den Tour Blades. Diese alten Flaggschiffe der Schlägerfabrikanten schienen auch auf der Tour auszusterben, da den Ausrüstern daran gelegen ist, dass ihre Stars mit dem aktuellen Modell der Saison ein Major gewinnen können. Mittlerweile hat Tiger Woods für ein Blades-Revival gesorgt, und der bessere Clubspieler hat demgemäß nachgerüstet.

Entscheidend ist, dass Ihnen der Schläger »liegt«, gut gefällt, der Schaft Ihrer Schwunggeschwindigkeit entspricht und der Lie zu Ihrer Schwungebene passt. Darüber wird Sie Ihr Pro oder ein Clubfitter (Schlägermacher) beraten, wenn Sie Ihre ersten Hürden genommen und entschieden haben, in diesen Sport zu investieren.

All diese verschiedenen Schlägermodelle aus den Golfzeitschriften und Prospekten versuchen unser Vertrauen zu gewinnen. Vertrauen ist gut, probieren ist besser! Deshalb sollten Sie vor dem Kauf möglichst viele Test-Eisen ausprobieren. Sie werden als Anfänger kaum etwas anderes feststellen, als dass ein Schlag manchmal gelingt  – und meist eben nicht.

Gestatten Sie mir, dass ich an dieser Stelle nicht näher auf die Neuheiten der Saison, die verschiedenen Trends, Legierungen, Versprechungen und Prophezeiungen der Hersteller eingehe, die noch mehr Gefühl bei noch geraderen, längeren Schlägen und Wedges mit noch mehr Spin und perfektem Feeling versprechen. Auch damit kann man den Ball über das Grün toppen, glauben Sie mir, ich habe diese Schläger!

Es lässt sich leicht spotten, besonders wenn man auf einem dicken Stapel Golfzeitschriften und Prospekten der letzten zwanzig Jahre sitzt, in denen stets dasselbe steht. Natürlich fragt sich auch der abgeklärte Zyniker bisweilen, ob dieses Eisen und jenes Holz nicht doch einen Quantensprung ermöglichen. Aber laut Statistik treffen wir das Grün nicht viel häufiger als vor 30 Jahren und der Durchschnittsdrive der Golfer ist nur unwesentlich länger geworden.

Sandeisen
Viel Aufmerksamkeit gilt dem Sandeisen. Dessen untere Kante hat eine Art Spoiler, wenn ich das mal so nennen darf, auch wenn Puristen spätestens jetzt aus dem Fenster springen. Allgemein wird dieser hervorstehende Sohlenrand Flansch genannt. Ich bevorzuge den Ausdruck Spoiler, weil jeder Porsche- und Mantafahrer sofort weiß, was gemeint ist. Sein Winkel wird in guten Golfprospekten bisweilen als Bounce in Grad angegeben.
Der Bounce sorgt dafür, dass das Eisen mühelos durch den Sand gleitet, auf dem der Ball liegt, der dann mit dem Sand hoch und aus dem Bunker geschleudert wird. Dieser Schlag hat seine eigene Technik, die, wenn man sie genau befolgt, im Übungsbunker hervorragend funktioniert. Auf dem Platz sieht es dann meist anders aus.

In Golfzeitschriften und manchen Büchern wird gerne behauptet, dass der Schlag aus dem Sandbunker der einfachste Schlag im Golf wäre, da man nicht mal den Ball trifft, sondern unter dem Ball durch den Sand schlägt. Aber wie viel Sand wir unter dem Ball herausschlagen, entscheidet zwischen Himmel und Hölle. Golfprofis spielen zum Beispiel bei den US Open lieber aus dem Grünbunker als aus dem ekelhaften Rough, da sie den Schlag aus dem Sand besser dosieren können als im tiefen Gras. Aber auch Könner haben bei diesem »einfachen Schlag« oft ihre liebe Mühe.

Nur die schönsten Schläge sieht man im Fernsehen. Den Ball »irgendwie« aus dem Bunker zu bekommen, ist für den geübten Amateur tatsächlich ein lösbares Problem. Aber um den Ball an die Fahne zu spielen, bedarf es großer Übung. Sandqualität, hohe Bunkerkante und eine schlechte Lage erfordern einen sehr mutigen Spieler. Die Sandsorten auf den Golfplätzen sind von vollkommen unterschiedlicher Beschaffenheit. Die Extreme reichen von zementartig nass und fest bis zu feinstem puderzuckerähnlichem Staub.

Verschiedene Sandeisen, bei denen hauptsächlich die Konstruktion des abgerundeten Bodens, des Spoilers, eine Rolle spielt, wurden entwickelt, um den verschiedenen Sandqualitäten gerecht zu werden. Sandeisen aus Standardsätzen haben meist einen Loft von 56 Grad, sind ansonsten von 54 bis über 60 Grad erhältlich. Sie sind absolut ausreichend für unsere Bunker.

Wenn Sie den Ball nicht herausbekommen, liegt es bei Ihnen – wie bei mir – an der Schlagtechnik, der Gewichtsverlagerung und dem Rhythmus des Schlages. Und manchmal hat man einfach eine blöde Lage.

Eisen ab 58 bis 64 Grad Loft werden auch als Lobwedge oder Utility Wedge bezeichnet. Hier ist die Bodenplatte meistens wesentlich flacher als beim Sandeisen, da der Schläger bei schwierigen Lagen rund ums Grün eingesetzt werden soll. Ein dicker Spoiler würde bei einem harten, trockenen Boden schwerer unter den Ball kommen. In einer Entfernung bis ca. 50 Metern ist das U-Wedge in der Hand eines geübten Spielers eine hervorragende Waffe beim Angriff auf die Fahne. Der Ball kann mit einem vollen Schwung gespielt werden, fliegt hoch und landet weich auf dem Grün – so Gott will.

Grundsätzlich sollten Sie alle Ihre Schläger nach dem Spielen reinigen und in einem trockenen Raum aufbewahren. Die Griffe sollten von Zeit zu Zeit mit warmem Seifenwasser abgewaschen werden, damit sich ihre Griffigkeit wieder verbessert. Es ist signifikant für gewisse Herrschaften, wie lieblos sie ihre kostspieligen Gerätschaften behandeln. Verdreckt im Kofferraum, einsam, kalt und verlassen sinnen ihre Schläger auf Rache – und die kommt bestimmt.

Backspin
Gute Spieler haben eine Technik entwickelt, mit der sie dem Ball durch den Schlag so viel Backspin geben können, dass er sofort nach dem Auftreffen auf dem Grün liegen bleibt und bisweilen sogar noch wie mit dem Jo-Jo gezogen zurückrollt.

Backspin finden alle Amateure toll, aber keiner kriegt es richtig hin. Wozu auch? Die meisten Spieler liegen mit ihrem Annäherungsschlag zu kurz. Und dann hauen sie den Ball über das Grün. Die mittleren und langen Eisen werden je nach Schlagtechnik mit wenig oder keinem Divot geschlagen. Wenn Sie zu viel in die Erde kommen, nennt man das fett getroffen. Wenn Sie zu hoch über dem Rasen durch den Ball schlagen und schlecht treffen, nennt man das zu dünn getroffen. Wenn man den Ball oberhalb seiner Gürtellinie trifft und er davonholpert, dann nennt man diesen Schlag getoppt. Das kommt besonders am Anfang häufig vor. Machen Sie sich nicht verrückt! Solange Sie gerade durch den Ball schlagen, in Ihre Zielrichtung, ist dem Ball egal, wie er vorankommt. Auf alle Fälle können Sie als Anfänger mit getoppten Bällen wesentlich mehr Länge schinden als mit Luftschlägen. »If ye misshit it, misshit it straight, boy«, sagte mir Ted Holmes, Goldmedal Caddy aus St. Andrews.

Auszug aus: "Der Weg der weißen Kugel"
©  by Eugen Pletsch

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