15.11.2018 - 13:29 Uhr

Golfbekleidung

Ist es nicht ein Phänomen, dass Golfer oft so grässlich gekleidet sind? Frauen, die im Alltag durchaus in der Lage sind, sich zu Beruf, Beischlaf und Beerdigung entsprechend geschmackvoll zu anzuziehen, verwandeln sich plötzlich in zitronenfarbene Kanarienvögel, pinkfarbene Schweinchen und goldbehangene, klauenbewehrte Ungeheuer.

Männer, die Reichtum, Ansehen und Macht zwar mit einer gewissen Inkontinenz bezahlen, aber immer noch einen mächtigen Slice raushauen, tragen alberne Hütchen, spannen dünne Trikotstoffe über den frisch verheilten Bruch und lassen ihre krummen, weißen Spargelbeinchen aus einer verwaschenen Hose ragen, die sie gerne als ihre Bermudas bezeichnen und die sie schon vor 50 Jahren trugen. Dazu kurze Tennissocken! Eine stilistische Gratwanderung zwischen Massa-Markt und Campingplatz. Warum ihr Betriebsrat sie nicht bei der näcCartoon: Peter Rugehsten Gehaltsrunde mit Fotos erpresst, ist mir unerklärlich.

Wenn Sie wissen wollen warum Golfer so gerne als Karikaturen dargestellt werden und allgemein als Zielscheibe für jede Menge Spott herhalten müssen, sollten Sie sich alte Golfer-Filme auf Youtube ansehen. Ich meine nicht die Klassiker mit Ben Hogan oder Bobby Jones oder die Verfilmung des Bagger Vance. Nein, ich meine diese grellen Spaßvogelproduktionen aus den Zeiten des jungen Arnie Palmer. Auch alte Golfmagazine beweisen, dass die das damals ernst meinten. Die Altmeister des Golfsports waren die grell leuchtenden Vorbilder ihrer Generation.
Besonders grässliche Pullis, wahre Gruselkabinettstücke aus den 60er und 70 Jahren, dienen manchem farbenblinden Golfpunk-Designer, der in der freien Modewirtschaft gekreuzigt würde, heute wieder als Vorlage für seine „Retro-Kollektionen“.

Für Erwachsene ist die Golfmode etwas dezenter geworden. Das fing mit Freddy Couples und Tiger Woods an, die wieder Stil in den Sport gebracht haben.

Golfmode ist meist recht teuer, was der alte Goldzahn im Proshop mit »Qualität« erklärt. Ich habe jedoch kein Polohemd über 50 Euro gefunden, dass im Dauertest qualitativ wesentlich besser wäre als preiswertere Fabrikate.

Warum Polo? – Der Strickstoff ermöglicht Ihnen beim Golfschwung die Bewegungsfreiheit, die der gewebte Stoff nicht bietet. Ich empfehle Polohemden und andere Bekleidung in Ecru und Naturfarben zu kaufen – nicht nur wegen der Hitze. Ungefärbte Naturfasern haben eine wesentlich geringere Belastung für den Körper, der beim Tragen und durch das Schwitzen selbstverständlich Farbe und Chemikalien aufnimmt.

Ob Profis mit Nervenkasper (beim Putten Yips genannt) unter Vergiftungen leiden, welche von Farbe und Ausrüstung ihrer Bekleidung stammen, ist eine Frage, die meines Wissens nie untersucht wurde. Profis tragen vielleicht jeden Tag ein neues Hemd ihrer Sponsoren. Ich vermute, dass diese nicht vorgewaschen werden und den Spieler mit Gift stark belasten. Vielleicht würde sich durch Tests herausstellen, dass gerade die älteren Spieler an Vergiftungserscheinungen leiden, die nicht vom Trinken kommen.

Bei Ihren Clubbesuchen sollten Sie sportlich dezent gekleidet sein. Die Damen bitte keine penetranten Parfüms, schon gar nicht diese modernen Designerdüfte, die nach erbrochener Melone riechen und dauerhaft das Gelände kontaminieren. Meiden Sie Kleidungsstücke mit Golfemblem! Das Polohemd oder der Pulli eines weltbekannten Clubs, dem Sie sich nach einem schaurigen Gemetzel zutiefst verbunden fühlen, mag durchgehen – sofern Sie wirklich dort waren.

Tragen Sie neue Golfkleidung bei der Gartenarbeit ein. Vermeiden Sie den nagelneu glänzenden Golferauftritt. Sie werden damit unweigerlich als Rabbit (Golfanfänger) eingestuft und irgendwann gefragt, ob Sie schon Platzreife haben.

(c) by Eugen Pletsch

 

 

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