26.05.2018 - 19:42 Uhr

Michael Welwarsky (Clubmate Golf) über Golfbälle...

Jedes Jahr aufs Neue gibt es zum einen neue Marketingversprechen zum Thema Bälle und zum anderen immer wieder heiße Diskussionen über die Limitierung des Balles bezogen auf die absolute Schlaglänge, weil sonst zu viele Golfplätze vom Design eher obsolet werden. Doch was macht eigentlich so ein Golfball und was steckt hinter den ganzen Marketing Slogans? Wir versuchen in diesem Artikel ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen und einige Begriffe genauer zu erläutern.

Kernkompression:

In den letzten Jahren läuft ein Hersteller-interner Wettbewerb zum Thema softester Ball auf dem Markt. Um den Härtegrad zu bestimmen, wird immer wieder mit Kompressionszahlen argumentiert. Doch was wird da überhaupt gemessen und welcher Spieler profitiert von einer weichen Kompression?

Zuerst zur Frage „Was ist überhaupt Shore Härte?“ Hierbei handelt es sich um einen Elastizitätswert, der gerne für Elastomere als Kennzahl herangezogen wird. Das Messverfahren wurde von einem Herrn Albert Shore entwickelt und wird mit einem relativ einfachen Gerät durchgeführt. Vom Prinzip her drückt man mit einem Stift aus gehärtetem Stahl auf den Ball. Gemessen wird die Eindringtiefe und diese wird übersetzt in Shore Härtegrade. 2.5 mm Eindringtiefe entspricht einer Shorehärte von 0, 0mm Eindringtiefe entspricht 100 Härtegradpunkten auf diese Skala. Bei den Härtegraden im Golfballbereich schwanken die veröffentlichten Zahlen bei den weichsten Bällen derzeit zwischen 38 und 50.

Was bewirkt eine geringe Kernkompression?Logo-Ball der Shivas Irons Society

Im Wesentlichen haben weiche Bälle zwei Grundeigenschaften. Zum einen generieren sie im Normallfall einen höheren Ballflug und zum anderen nimmt der Ball weniger Spin an, als einer mit einer höheren Kompression. Wobei Spin natürlich auch abhängig von anderen Faktoren ist (Eintreffwinkel, Shaft Lean, etc.).

Für wen sind weiche Bälle sinnvoll?

Jeder Spieler, der mehr Flughöhe braucht und bei geringeren Schlägerkopfgeschwindigkeiten auf der Suche nach ein bisschen mehr Länge ist, sollte sich mit einem weichen Ball bewaffnen und auf dem Platz schauen, ob das nicht ein Teil der Lösung vorhandener Probleme darstellt. Man sollte auch nicht davor zurück schrecken, mal einen ausgewiesenen Damenball in die Tasche zu packen. Wenn es dem eigenen Spiel gut tut, sollte das Ego nicht im Weg sein.

2 Piece, 3 Piece, Multilayer – was soll das Wirrwarr?

Das Schlagwort hierzu lautet Spin-Slope. Der perfekte Ball generiert viel Spin im kurzen Spiel und wenig Spin beim Driver. Dazwischen soll ein sinnvoller gradueller Zuwachs erreicht werden – ein spielbarer Spin-Slope also. Und um diesem Ziel gerecht zu werden, arbeiten die meisten Hersteller inzwischen mit mehreren Lagen in unterschiedlichen Härten und mit unterschiedlichen elastischen Eigenschaften. Wenn man sich die Komplexität der Herangehensweise betrachtet, wird den meisten Spielern sehr klar, dass des ernsthaft nur dann auf das eigene Spiel positive Auswirkungen hat, wenn man selbst einen sehr reproduzierbaren Ballkontakt hat und sich diesen Slope auch zu  Nutze machen kann.

Schalenchemie – Surlyn, Urethan, Cellophan?Alter Slazenger-Ball

Natürlich wird Cellophan in anderen Sportarten benutzt  - somit das Material schon mal vom Tisch. Doch was unterscheidet Surlyn Cover von Urethan Covern? Im Wesentlichen ist es so, dass die Urethanschalen im kurzen Spiel beim Chippen und Pitchen etwas mehr Gefühl vermitteln und etwas mehr Spin annehmen. Allerdings sind die Surlyn Cover meist haltbarer und vertragen auch mal den Einschlag auf einem Schotterweg ganz gut. Aufgrund der speziellen Eigenschaften im kurzen Spiel, kommen Urethan Cover eher bei hochwertigen Bällen zum Einsatz, da hier die Zielgruppe gern das Gefühl von voller Kontrolle in diesem Bereich hat. Die Surlyn Schalen finden sich – auch aus Kostengründen – eher im mittleren und günstigeren Preissegment. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel. Es gibt ein paar vereinzelte Vertreter im Mittelpreissegment, die auch mit einer Urethanschale aufwarten können. Im High End Bereich befindet sich aber unserer Kenntnis nach kein Ball mit Surlyn Schale.

Unserer Erfahrung nach kommt ein Großteil der Spieler mit einem guten 2-Pieceball klar. Wenn gewisse Vorlieben beim Spieler vorhanden sind, wird eine andere Ballkategorie interessant. Doch egal, was sich zukünftig in ihrer Tasche befindet – es sollte immer der gleiche Ball sein. Das Golfspiel ist komplex genug – sie müssen nicht noch mehr Variablen einbauen, um das Spiel interessanter zu gestalten.

 

Michael Welwarsky

Clubmate Golf GmbHDarmstädter Str. 33
D-64319 Pfungstadt-Eschollbrücken
Telefon: 06157-80366-40
http://clubmategolf.com/

 

 

 

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