17.07.2019 - 10:58 Uhr

... und was kann man von einem guten Fitting erwarten?                         Von Michael Welwarsky

Immer wieder tauchen in den letzten Jahren neue Fittingkonzepte auf, die zum optimalen Material führen sollen und im Prinzip die Eier-legende-Wollmilchsau der Golfindustrie darstellen. Das Spektrum reicht vom einfachen statischen Fitting anhand der Angaben Körpergröße, Abstand Handgelenk-Boden und Handgröße bis zu Varianten, bei denen weitere Parameter wie Rumpflänge und Körperwinkel abgefragt werden. Spätestens bei letzterem wird die Eigendiagnose relativ schwer und die Ergebnisse können etwas ungenau werden.

Weitere Varianten sind komplexere Online-Plattformen, bei denen Launchmonitordaten eingegeben werden können, um Informationen über die besten Schäfte für den eigenen Schwung zu erhalten. Meist sind diese Schaftfitting Plattformen an einen Hersteller gebunden, es gibt aber auch kleinere Anbieter aus den USA, die solche Systeme als App für Mobiltelefone anbieten. Leider muss der Golfer bei seinen Angaben hier ehrlich sein, um korrekte Informationen zu bekommen. Aus unserem Alltag in den persönlichen Fittings wissen wir leider, dass dies nicht immer der Fall ist. Meist ist die Eigenwahrnehmung bezogen auf die golferischen Fähigkeiten eine etwas andere, als die Fremdwahrnehmung oder die objektive Messung der entsprechenden Daten.

Und hier wären wir auch schon bei der Schwäche der Online basierten Fittings. Unserer Ansicht nach ist Fitting „People Business“. Für ein perfektes Resultat führt kein Weg an einem direkten persönlichen Termin vorbei. Nur so ist gewährleistet, dass Informationen über den Spieler und dessen Schwung gesammelt werden können, die dann in ein sinnvolles Fittingresultat übersetzbar sind. Via Online-Fitting hat man keine Chance, den Schwung zu sehen, sich Gedanken über den Rhythmus des Spielers zu machen, Schaftprofile und Gewichte zu probieren und gegebenenfalls gesundheitliche Probleme zu berücksichtigen bei der Materialauswahl.

Was ist nun also die Zielrichtung eines Fittings? Unserer Meinung nach ist das Ziel eines seriösen Fittings, dem Spieler das Leben auf dem Platz einfacher zu machen. Wir verfolgen immer die Absicht, eine Verbesserung gegenüber dem alten Material zu erreichen. Dies kann mehr Längen sein, aber auch mehr Präzision oder mehr Spielkomfort, je nach Vorgabe des Spielers. Ab und an ist das verwendete Material auch einfach handwerklich schlecht gemacht, was dem Spieler mehr Probleme auf der Runde schafft, als es notwendig wäre. Auch hier versuchen wir natürlich Abhilfe zu schaffen. Wir vermeiden es, im Rahmen unserer Fittings in den Schwung einzugreifen, weil es einfach nicht unsere Kernkompetenz ist. Allerdings können wir schon sehr genau einschätzen, welche Fehlschläge Schwung- und welche Materialbedingt sind. Sollte der Schwung ein ordentliches Fitting nicht möglich machen, dann werden wir dies dem Kunden auch mitteilen und ihm eine Empfehlung für einen guten Golflehrer in der Region geben. Oft ist es allerdings eine Kombination von beidem. Unpassendes Material kann den Lernprozess massiv behindern. Insofern muss in vielen Fällen erst mal Material ins Bag, das eine Verbesserung des Schwungs möglich macht. Natürlich ist nicht immer die Badehose schuld, wenn der Bauer nicht schwimmen kann. Wenn aber in der Badehose Bleiplatten eingenäht sind, wird das Schwimmen lernen auch schwer werden.

Woran erkennt man nun einen guten Fitter? Unserer Erfahrung nach in erster Linie daran, dass er seinem Spieler zuhört und auf dessen Wünsche eingeht. Es geht um den Spieler und nicht um einen gezielten Lagerabverkauf des Fitters. Seien sie immer dann auf  der Hut, wenn sie mit sonderbaren Spezifikationen aus dem Fitting rausgehen und der Fitter den Satz rein zufällig in genau dieser Konfiguration auf Lager hat. Spätestens dann hilft nur noch der geordnete Rückzug. Auch ein Launchmonitor allein macht noch keinen guten Fitter aus. Ein Schimpanse mit gutem Werkzeug ist immer noch kein guter Handwerker. Und ein Launchmonitor ist kein Gütesiegel. Es braucht immer noch einen Menschen mit entsprechender Erfahrung, der die gelieferten Daten auch interpretieren und dem Spieler vermitteln kann.

Für interessierte Spieler bleibt im Wesentlichen nur ein Ratschlag: Bleiben sie aufmerksam und lassen sie sich nicht von technischen Spielereien blenden. Hören sie zu, stellen sie viele Fragen und seien sie möglichst klar in der Formulierung ihrer Wünsche und Bedürfnisse. Erst wenn klar ist, was sie wollen, wird ein seriöser Fitter auch in der Lage sein, einen Abgleich zwischen Ist und Soll durchzuführen.

Michael Welwarsky

Kontakt:

Clubmate Golf GmbH
Darmstädter Str. 33
D-64319 Pfungstadt-Eschollbrücken
Telefon: 06157-80366-40
http://clubmategolf.com/

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