20.09.2018 - 21:03 Uhr

Julia K. aus F fragt, was ein Pro/Am ist. Nun, dann will ich das mal auf meine Art kurz erläutern...

 

Am Tag vor dem offiziellen Beginn eines Golfturniers müssen / dürfen Golfprofis (Pros) mit den Sponsoren der Veranstaltung und deren Gästen auf die Runde gehen. Beim Pro/Am spielt jeweils ein Golfprofi mit drei Amateuren und das Gruppenergebnis wird gewertet. Mit etwas Glück hat man sogar einen Promi im Flight, je nachdem, wer man selber ist, denn da wird schon drauf geachtet, dass nicht Kreti mit Pleti spielen muss.

Der Pro sollte aus eigenem Interesse nett sein, auch mal einen Tipp zu geben, und darf die nächsten sechs Stunden als Teamleiter einer Selbsterfahrungsgruppe in einem Spannungsfeld zwischen Jubel und Trübsal moderieren. Es kann zu Konflikten oder tiefen zwischenmenschlichen Kontakten kommen. Ein kleiner Tipp des Pros im richtigen Moment hat manchen schwitzenden Industriellen zu einem großmütigen Sponsor gemacht. So hat jeder etwas von diesem Tag.

Am Meisten hat der Veranstalter davon. Die Veranstaltung eines Turniers, egal ob hierzulande in der Provinz oder mit Tiger Woods in den USA, ist mit viel Arbeit verbunden. Die Zeiten, als ein paar Pros zusammen über den Platz schlurften und sich der Gewinner einen silbernen Gürtel um den Bauch binden konnte, für den alle zusammen gelegt hatten, sind längst vorbei. Deshalb werden die Turniere im Profigolf, egal ob in der 3. Liga oder auf europäischem oder internationalem Niveau jeweils von Monopolisten gestaltet, die ihre eigenen Interessen verfolgen, über die ich mich jetzt nicht auslassen werde, weil mir mein Anwalt davon abgeraten hat.

Golfturniere können bei etwas Kreativität ein Riesengeschäft sein, ähnlich wie Rockkonzerte. Bei Rockkonzerten verkauft man mehr Karten, als man mit den Künstlern abrechnet. Bei Golfturnieren kann der Veranstalter seinen Schnitt zum Beispiel dadurch erhöhen, dass ein Teil der nötigen Arbeiten kostenfrei und ehrenamtlich erbracht wird. Freunde des Golfsports, Mitgliedern aus dem Club sowie aus benachbarten Golfvereinen –  ein Heer von Freiwilligen – alle strömen herbei, um tagelang bei Hitze, Kälte und Nässe auszuharren. Begeistert dienen sie ihrem Sport und bekommen dafür eine Plastikbluse mit Sponsorenwerbung, warme Suppe und manchmal nicht mal das. Das Konzept der freiwilligen Helfer stammt aus der Zeit, als sich Golfclubs gegenseitig bei größeren Turnieren und Veranstaltungen unterstützten. Mittlerweile wird die Veranstaltungsszene in den meisten Ländern jedoch von jenen pharisäerhaften Buchhalterphysiognomien dominiert, die es verstanden haben, sich das jeweilige Veranstaltungsmonopol einer Organisation unter den Nagel zu reißen.

Ein junger Profi kommt nur weiter, wenn er gut spielt und nach der Pfeife dieser Paten tanzt, die es wiederum verstehen, ihre gewerblichen Absichten elegant zu verkleiden. Als bescheidene Förderer des Golfsports stehen sie dann am Abend der Veranstaltung im Rampenlicht und es wird ihnen von allen Seiten herzlich gedankt. Sie schauen bescheiden zu Boden, lächeln still und reiben sich die Hände.

Na gut – es wird niemand gezwungen da mitzumachen und jeder scheint etwas davon zu haben, sonst würde es nicht klappen. Die Pros müssen, um mitspielen zu können, eine Menge Spesen und die deftigen Startgelder aufbringen. Dafür brauchen sie Sponsoren, weil die Siegerschecks unterhalb der European Tour selbst bei Top-Spielern nicht ausreichen würden, um die anfallenden Kosten zu bestreiten. Um Sponsoren zu finden und zu halten, muss man das ganze Spiel mitmachen und wie das Spiel läuft, bestimmen die Tour- Ayatollahs in den jeweiligen Ländern.

Den Golfamateuren ist das egal. Die dürfen mitspielen und wenn eine hübsche junge Dame am Halfway-House den Kaffee reicht und die Gelegenheit besteht, mit einem echten Tour-Pro Smalltalk machen können, dann ist dieser herrliche Tag jede Mark Wert gewesen.

Für den Veranstalter und für seine Sponsoren, die ihre Kunden und Kontakte auf elegante Art pflegen konnten, sowieso.

Und für uns Presseleute, die wir sonst nichts zu tun haben, ist so ein Tag im nassen Klee das Größte. Wir dürfen Golf spielen, lecker essen und uns betrinken, Helferinnen anbaggern und werden mit Spesen, Preisen und Reisen gestopft, damit die Berichterstattung ein angemessenes Format bekommt. Das ist ein Leben, oder?

(ep)

Der 2. Teil eines Pro/Ams, die Abendveranstaltung, habe ich 201o in einer Glosse beschrieben. Seitdem werde ich nicht mehr zu Pro/Ams eingeladen.

 

 

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