16.07.2018 - 12:52 Uhr

Ist der Golfschwung ein Bewegungsablauf, den wir allein durch Golftechnik lernen? Oder gehört noch mehr dazu?

Darüber sprach ich mit einigen „Golfexperten“. Golflehrer stellen meist die Technik in den Mittelpunkt, Clubfitter sind der Ansicht, dass der schönste Schwung nicht funktioniert, wenn der Schläger nicht passt, Sportspychologen verweisen darauf, dass nur der mental starke Spieler erfolgreich Turniere spielen kann und Physiotherapeuten betonen, dass ohne körperliche Fitness gar nichts geht.  Also wandern wir Golfer mal zum Pro, mal zum Clubmaker, oder zum Physio und Schraubendoktor. Nur sehr selten wird ein Golfadept sozusagen „ganzheitlich“ aus einem Guss betreut.

Dabei wäre die Synergie der vier Elemente Schwungtechnik, Material, sowie körperliche und geistige Fitness, die „Quadratur des Kreises“ und für uns Golfspieler ideal. Eine Binsenweisheit? Na gut – aber warum gibt es dann kaum einen Golflehrer, der seinen Schülern hilft, diese vier Elemente in Einklang zu bringen.

„Weil es unser Job ist, die richtigen technischen Grundlagen zu vermitteln“, werden viele Golflehrer entgegnen. Das mag stimmen, aber diese richtige Technik mit einem Golflehrer einüben und das, was wir Laien machen, wenn wir ohne Golflehrer sind, sind zweierlei Dinge: Wir beginnen dann nämlich, über unsere Technik nachzudenken, und wenn es auf dem Platz nicht klappt, beginnen wir, uns selbst zu analysieren, obwohl wir dazu keinerlei Kompetenz haben. Meist endet das in der Erkenntnis, dass wir grässliche Stümper sind. Indem wir uns das immer wieder selbst bestätigen, verinnerlichen wir einen Selbstzerstörungsmodus, der immer einsetzt, wenn etwas unbedingt klappen sollte, weshalb wir gerade dann wie grässliche Stümper spielen. Das betrifft übrigens nicht nur Golfanfänger, auch bekannte deutsche Profis können davon ein Lied singen.

Dass besonders die Golflehrer beim ihrem Spiel sehr technik-fixiert sind und was dabei herauskommt, habe ich bei Pro/Ams mehrfach erfahren müssen: Nackte Verzweiflung diesseits und jenseits der out of bounds-Grenzen und keinerlei Konzept, wie dem zu begegnen wäre.

Deshalb mein Tipp: Versuchen Sie auf dem Platz nicht über Technik nachzudenken. Praktizieren Sie ein zielorientiertes Spiel – worüber man im Golfunterricht leider sehr wenig erfährt. Dabei erzählen gerade Spitzenspieler in Interviews immer wieder, dass sie vermeiden, auf der Runde über Schwungtechnik nachzudenken.
Gute Golfer haben einen Plan, wie sie den Platz spielen wollen und denken in Landezonen, also möglichst exakt definierten Stellen, an denen ihr Ball landen soll: Wo ist das nächstes Ziel und mit welchem Schlag bzw. Schläger habe ich die größte Chance, dieses Ziel anzuspielen. Wenn Sie das zielorientierte Spiel verinnerlichen, wird das auf dem Platz eine große Hilfe sein. Sie werden schneller und erfolgreicher spielen, wenn Sie technische Gedanken und Anweisungen ausblenden und stattdessen versuchen, den Schläger mit gleichmäßigem Rhythmus zu einem Ziel hin zu schwingen.

Nach der Runde sollten Sie nicht über das reden, was Sie zusammengehackt haben, sondern versuchen Sie, sich nur an gelungene Schläge zu erinnern. Ich weiß, das ist viel verlangt. Aber die Erinnerung an positive Erfahrungen stärkt nicht nur das Selbstvertrauen, sondern ermöglicht auch, solche Schläge wieder „abzurufen“, wenn sie gebraucht werden.

„Was ist, wenn ich keine positiven Erfahrungen auf der Runde gemacht habe“, könnten Sie fragen. Dann sollten Sie die Kriterien überprüfen, nach denen Sie Ihr Spiel bewerten. Wenn Sie mit Ihrem Handicap 48 sauer sind, weil Sie ein Par 4 mit fünf Schlägen gespielt haben, anstatt die Bahn als persönlichen Birdie-Erfolg zu verankern, dann ist Ihnen nicht zu helfen.

An den Schwächen Ihres Spiels können Sie auf der Driving Range und dem Übungsgrün arbeiten, meinetwegen auf manchen Übungsrunden, aber nicht, wenn Sie Golf spielen!

 

(c) by Eugen Pletsch

 

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