19.07.2018 - 20:55 Uhr

Jürgen Diethe, Autor von „GOLFHEROEN“ lebt in Schottland. Der zweiten Teil seiner Erinnerungen befasst sich mit seinem Clubeintritt und wie er sein Handicap "erspielte". ...alles ziemlich anders als heutezutage....(ep)

So war ich also Golf-getauft aus Schottland zurückgekehrt, in meinem 41sten Lebensjahr. Von Spielen konnte natürlich keine Rede sein. Meine Frau hatte ja bereits in einem früheren Leben gespielt, während ihrer ersten Ehe, und hatte Familiengeschichte – ihre Mutter war in den Fünfziger Jahren Lady Captain in Macclesfield gewesen – heutiger Tourpro: Jamie Donaldson. Sie war mittlerweile Mitglied im nächstgelegenen Club geworden: dem noblen Hampstead, was freilich nur ein Platz mit neun Löchern ist, aber sehr hübsch (der Grundstückwert wird in den Jahresfinanzen mit 65.000 Pfund geführt – es wäre wohl bald eine Milliarde, wenn dort Häuser gebaut würden).

Den Begriff der Platzreife gibt es auf der Insel nicht, aber auf Hampstead in meinem Zustand spielen zu wollen, wäre nun wirklich leichtsinnig gewesen. Ich nahm also Golfstunden beim Assistant Pro, bei einem rundlichen Schotten, dessen Namen ich hier nicht verraten will und der auch längst in andere Gefilde gezogen ist – irgendwo in die Golfregion, wer weiß, wo er jetzt ist. Seine Ratschläge waren eher von der simplen Sorte: "turn your shoulders", "sweep the ball away" (Divots??? Nie gelernt.), "keep your head down". Irgendwann nach einigen Monaten fiel ihm etwas ausgesprochen Wichtiges ein, was mir dann wirklich geholfen hat (ich habe leider vergessen, was es war). Aber wir kamen gut miteinander aus. Persönlich. Mein Sohn, der zwar schön schwang, aber auch nicht spielen konnte, kam überhaupt nicht mit ihm zurecht. Er hat erst gelernt, als er zum Chef-Pro wechselte, der mal in den Urtagen auf der European Tour gespielt hatte, "for a pittance", hat er mir erklärt. Mein Sohn kam dann auch ziemlich schnell unter Handicap 10.

Irgendwann war es dann auch so weit, daß ich Mitglied werden sollte – damals gab es noch eine Warteliste, die inzwischen auch der Rezession zum Opfer gefallen ist. Dazu mußte man von Mitgliedern des Komitees eingespielt werden, also zwei Runden von je neun Löchern. Das war ungefähr so nervig wie Staatsexamen. Der erste Anlauf fiel einem Schneesturm zum Opfer, und als es dann schließlich so weit war, wurde mir gleich erklärt, es sei völlig gleichgültig, was ich anstellte. Ich könne sogar am Ball vorbeischlagen. Und was für eine Farce es wurde! Es fing bald an zu regnen und regnete immer mehr, keiner konnte den Schläger mehr richtig festhalten, und zumindest bei mir konnte von Golf keine Rede sein. Allgemeine Erleichterung, als wir völlig durchnäßt das Clubhaus erreichten (sehr hübsch, im Arts-and-Crafts-Stil) und man mir mitteilte, ich sei nun Mitglied. Prost.

Nach Einreichung dreier Karten hatte ich dann das Maximalhandicap von 28, und dabei blieb es auch. Von Wettbewerben hielt ich eigentlich nichts, und damals brauchte man auch keine jährliche Bestätigung des Handicaps. Immerhin kam ich mit Hilfe weiterer Lektionen gelegentlich auch um den Platz, ohne mich völlig zu blamieren, nur mit Eisen im übrigen, mit Hölzern wußte ich damals gar nichts anzufangen – der dicke Klumpen am Ende beunruhigte mich ziemlich.

Leider, muß ich hinzufügen, war mein Temperament nicht das beste, was auch nicht unbemerkt blieb. Frustriert warf ich schon mal Schläger herum (nicht in Gesellschaft anderer), und einmal habe ich auch einen zerstört. Eisen fünf. Das wurde schließlich mehr oder weniger korrigiert durch eine Story, die überhaupt nicht komisch war. Ein Nachbar, der etwas älter als ich war, hatte nach mir angefangen, war ein lausiger Golfer, aber ausgesprochen enthusiastisch. Wir spielten gelegentlich miteinander. Dann ist er an Krebs gestorben. Da sagte ich mir: lieber schlechtes Golf als tot sein. Ich denke oft an Brian Hobbs.

Neue Serie: Wie alles anfing... (1.Teil)

 

Zum Autor:
Jürgen Diethe (*1947 in Bad Harzburg) lebt nahe Inverness in Schottland und in London. Er ist promovierter Politikwissenschaftler und veröffentlichte Bücher und Aufsätze zu historischen Themen (englische Revolution und frühmittelalterliches Schottland: Pikten). Er arbeitete langjährig als Journalist in Rundfunk und Fernsehen und moderiert seit bald zwanzig Jahren Golfprogramme der europäischen Golftour im deutschen Pay-TV.

Jürgen Diethe: Golfheroen
Die Gründerväter des modernen Golfsports
1. Aufl. 2013, 176 Seiten
mit 10 farb. und 7 sw-Abb.,
Broschur 15,8 x 23,5 cm
ISBN: 978-3-89896-560-6
24,50 €

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