19.07.2018 - 21:11 Uhr

Die Idee, dass Leser schreiben könnten, wie sie zum Golfspiel gekommen sind, entstand, nachdem mir Jürgen Diethe, Autor von „GOLFHEROEN“ nachfolgenden Text geschickt hat. Es wäre schön, wenn auch andere zur Feder greifen würden...

Wie alles anfing ... von Jürgen Diethe

Eines sei gleich vorausgeschickt: wenn meine Frau mich nicht 1976 nach Großbritannien exportiert hätte, wäre Golf mir nie in den Kopf gekommen. Und eine aufmerksame Lektüre von Cybergolf scheint mir zu bestätigen, daß sich an der Ausgangslage dafür auch heute nicht so viel geändert hat. Es steckte in der Familie: als in Bad Harzburg, wo ich aufwuchs, der Golfplatz angelegt wurde, in einem Gelände, das für uns als Kinder eine herrliche Spielwiese gewesen war, grummelte mein Vater, ob man bei der Eröffnung nicht anrufen solle, daß da eine Bombe vergraben sei. Natürlich hat er nicht, und inzwischen sind aus den ursprünglich neun 18 Löcher geworden.

Um Golf und mich zusammenzubringen, eine wie unharmonische Beziehung das auch immer werden sollte, war Schottland nötig. Ich kann mich gut erinnern, wann das war, 1987, leicht zu merken, weil ich da gerade 40 war. Wir wohnten in London und hatten einen unserer "billigen" Urlaube, mit unserem da zehnjährigen Sohn, nachdem wir herausgefunden hatten, daß Jugendherbergen Familienzimmer hatten. Variable Erfahrungen, vor allem in unserem Alter ... Wir waren da in Torridon gelandet, einer großartigen Berglandschaft an der Nordwestküste, mit nicht gerade idealem Wetter, oder besser: typischem Wetter. Meine Frau war nicht gerade erbaut, als sie in der Herbergsküche eine junge Frau ihre Unterwäsche in einem der Töpfe kochen sah. Sie war auch nicht erbaut, als ich wandern ging und sie sich mit unserem Sohn vergnügen mußte.

Und so passierte Golf: meine Frau hatte Vergangenheit. In ihrer ersten Ehe hatte sie schon mal Golf gespielt, und ihre Mutter war in den Fünfziger Jahren einmal "lady captain" im Macclesfield Golf Club gewesen. Ein hübscher Platz, ziemlich kurz, aber sehr bergig am Rand des "Peak District", heute übrigens etwas profilierter, weil sein Touring Pro Jamie Donaldson heißt. Sie entdeckte in der Gegend (wenigstens das Auto stand ihr zur Verfügung) das Städtchen Gairloch, und da gibt es einen Golfplatz. "Possibly the best wee golf course in the Highlands", beschreibt der Club seinen winzigen Links Course, neun Löcher, zweimal gespielt rund 4500 Yards. Auf jeden Fall ist er bildhübsch. Und da probierte sie es halt, mit geliehenen Schlägern, mit unserem Sohn.

Und als wir uns zwei Tage später wieder vertragen hatten, wurde ich auch mitgeschleppt. Ich kann gar nicht beschreiben, wie katastrophal das war. Irgendwie habe ich das Ende erreicht, und natürlich ist es hier auf den britischen Inseln so, daß es so etwas wie Platzreife nicht gibt. Auf einem so kleinen Platz bezahlt man seine Greenfee und wird einfach losgeschickt.

Ich kann nicht behaupten, daß es mich gepackt hatte. Aber als wir am Ende des Urlaubs nach Edinburgh kamen, wo das Festival in Gang war, erstanden wir im Trödel einen alten Driver mit Holzkopf. Ich erinnere mich noch gut, wie unsere Zimmerwirtin in ihrem Wohnzimmer damit den richtigen Schwung demonstrierte. Sie hatte hohe Decken. Und dann haben wir auch in Edinburgh gespielt, wenn man ein so großartiges Wort verwenden darf. Auf Braid Hills (Design James Braid & Tommy Armour!), einem nur ungefähr 5000 Meter langen, aber ziemlich anspruchsvollen öffentlichen Platz. Es ist schon erstaunlich, daß jemand wie ich (auf der überhaupt zweiten Runde!) auf so einen Platz losgelassen wurde. Er kam mir endlos vor. Ich kann mich noch an das Gefühl der Erleichterung erinnern, wenn ich eines der Grüns erreicht hatte. Wir drei müssen schon ein erstaunliches Bild abgegeben haben. Wie es heißt, ist die Aussicht auf Edinburgh von Braid Hills herrlich. Daran kann ich mich wieder überhaupt nicht erinnern. (Eine Runde kostet im übrigen heutzutage 23 Pfund an Wochentagen, 25 am Wochenende.)

Daß ich zu diesem Zeitpunkt nicht gleich wieder aufgegeben habe, ist ganz und gar meiner Frau zu verdanken. Die war zwar auch nicht viel besser, wollte aber unbedingt weitermachen. Gemeinsam, in London. Dazu vielleicht mehr demnächst!

Jürgen Diethe

 

Zum Autor:
Jürgen Diethe (*1947 in Bad Harzburg) lebt nahe Inverness in Schottland und in London. Er ist promovierter Politikwissenschaftler und veröffentlichte Bücher und Aufsätze zu historischen Themen (englische Revolution und frühmittelalterliches Schottland: Pikten). Er arbeitete langjährig als Journalist in Rundfunk und Fernsehen und moderiert seit bald zwanzig Jahren Golfprogramme der europäischen Golftour im deutschen Pay-TV.

Jürgen Diethe: Golfheroen
Die Gründerväter des modernen Golfsports
1. Aufl. 2013, 176 Seiten
mit 10 farb. und 7 sw-Abb.,
Broschur 15,8 x 23,5 cm
ISBN: 978-3-89896-560-6
24,50 €

 

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