26.05.2018 - 21:26 Uhr
Die "Aktion Blühende Golfplätze" setzt sich dafür ein, das Nahrungsangebot für die Blüten bestäubenden Insekten zu verbessern und ihnen dauerhaft gesicherte Lebensbedingungen zu schaffen. Potenziale liegen überall, von der Landwirtschaft, über die kommunale Grünpflege bis in die privaten Gärten. Auch Golfclubs haben ein großes Potenzial, ihren Beitrag für die Blüten besuchenden Insekten zu leisten.

Hintergrund
Die Lebensbedingungen der Blüten bestäubenden Insekten wie Honigbiene, Wildbienen, Fliegen, Wespen, Schmetterlinge, Käfer und andere haben sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verschlechtert. Die Verknappung der Nahrungsgrundlage der Bienen, also der Rückgang von Nektar und Pollen spendenden Pflanzen ist eine der entscheidenden Ursachen, denn das schwächt die Vitalität der Bienen. Zudem nehmen bei der Honigbiene die Probleme mit Krankheiten und Parasiten zu.
Blüten besuchende Insekten wie Honigbiene, Wildbienen, Fliegen, Wespen, Schmetterlinge, Käfer und andere haben eine entscheidende Funktion im Ökosystem. Sie bestäuben auf ihrer Nahrungssuche die besuchten Pflanzen. Ca. 80 Prozent der einheimischen Blütenpflanzen sind auf die Fremdbestäubung durch Insekten angewiesen. Ein Mangel an Blütenbestäubern führt bei Kulturpflanzen (Obst, Raps, Sonnenblumen) zu deutlichen Mindererträgen und zu Qualitätsverlust. Zusätzlich dienen die Blüten besuchenden Insekten als Nahrungsgrundlage für Vögel und andere Insektenfresser.
 
Blumenwiesen neben den Spielbahnen
Durch den Erhalt oder die Neuansaat von artenreichen Blumenwiesen in den Bereichen des Rough können farbige und summende Akzente gesetzt werden. Bei der Anlage ist vor allem auf die Verwendung von autochthonem Wildpflanzensaatgut zu achten. Möglich ist die Übertragung des Samenpotenzials einer benachbarten artenreichen Spenderfläche oder die Aussaat von zertifiziertem Wildpflanzensaatgut.
Tulpen_in_Winnerod.jpg  
Staffelmahd, Mähstreifen und Insekten schonende Mahd
Optimal für Blütenbesucher sind Mähstreifen oder auch eine „Staffelmahd“, die zudem Arbeitsspitzen entschärft. Wenn die Wiesen nicht alle zum gleichen Zeitpunkt gemäht werden, so bleiben immer Rückzugsräume und Nahrungsangebot erhalten.
Große Verantwortung übernimmt der Greenkeeper bei der Mahd von Wiesen und Säumen. Mäht er, wenn mehr als eine Biene pro Quadratmeter zu sehen ist – was an warmen Tagen oft der Fall ist – müssen zahllose Bienen im Mähwerk ihr Leben lassen. Deshalb: Gemäht oder gemulcht werden sollte möglichst außerhalb des Bienenfluges, also vor 8 Uhr oder nach 18 Uhr, oder an bedeckten Tagen oder bei kühlen Temperaturen!
 
Wildes Rough: Je wilder desto besser
Golfplätze prägen die Landschaft. Gut gepflegte Fairways sind das Aushängeschild für jeden Club. Doch was passiert auf den Flächen, die die Spielfläche umgeben. Jeder Winkel einer Landschaft, der nicht gemäht, beschnitten oder regelmäßig gepflegt wird, ist für Insekten eine Oase. Ein Saum, der selten gemäht wird oder eine besonnte Böschungskannte mit Rohbodenstellen, bietet eine Vielfalt von Nahrungsquellen und Nistplätzen. Also warum nicht mal „ein Auge zudrücken“, eine kleine Wildnis sein lassen. Müssen wir wirklich unser ganzes Land sauber halten und im Griff haben? Könnte nicht gerade dieser Wechsel zwischen gepflegt und wild zum Konzept werden auf den Plätzen. Mut zur Wildnis, wenn dafür wieder unsere Insekten überleben können! Und wenn es wieder summt in unserer Landschaft!

Heimische Gehölze pflanzen als Trachtquellen
Hecken und Kleingehölze bieten nicht nur vielen Kleintieren und Vögeln Nahrung und Lebensraum. Bei der gezielten Auswahl von blühenden Sträuchern und Bäumen können sie auch eine wertvolle Nahrungsgrundlage für Blüten besuchende Insekten sein.
 
Rund ums Clubhaus: Ansaat ein- und mehrjährige Blühmischungen
Für experimentierfreudige Greenkeeper bietet es sich auf Flächen rund um das Clubhaus an, bunte ein- und mehrjährige Blühmischungen auszusähen. Der Vorteil von Ansaaten gegenüber von Staudenpflanzungen ist, dass eine Wirkung auf größeren Flächen erzielt werden kann, die Kosten sind geringer und die Pflege extensiver. Ein kleines Wagnis bleibt immer, ob die Saat erfolgreich aufläuft. Doch mit einem Feldschild „Hier blüht es für Bienen, Hummeln und Co.“ werden die Mitglieder das Experiment gerne begleiten und für etwas Geduld mit einem bunten Erfolg belohnt. Es gibt zahlreich erprobte Saatgutmischungen, z. B. bei www.rieger-hoffmann.de oder www.saatgut-manufaktur.de.
 
Rund ums Clubhaus: Staudenpflanzungen und Balkonpflanzen für Blüten besuchende Insekten
Warum sollte man auch Stauden im Garten verwenden? Zunächst einmal sicher aus ästhetischen Gründen. Stauden sind wunderbare Zeitgenossen: Ihre Blüten schillern in den klarsten Farben, die Blattstrukturen sind mannigfaltig, Stauden verändern ihr Erscheinungsbild im Jahreslauf und sind doch dauerhafte Begleiter. Aufgrund der unterschiedlichen Blühzeitpunkte der Pflanzen kann man ein bewusstes ganzjähriges Blühangebot für Insekten schaffen. Dabei sollte man unbedingt Frühjahrszwiebelpflanzen miteinbeziehen, sie stellen ein wichtiges Nahrungsangebot dar (z. B. Blaustern, Schachbrettblume).
 
Ökologie beginnt mit der Kreativität in der Landschaftspflegerischen Begleitplanung (LBP) und beim Konzept für Ausgleichsflächen
Erfahrung mit ökologischer Golfplatzplanung und Vorträge: Wolfgang Barth, Landschaftarchitekt, Effnerstr. 35, 81925 München

Links:

Weitere Handlungsanweisungen vom Netzwerk Blühende Landschaften

Netzwerk Mellifera

Zur AVAAZ-Aktion "Rettet die Bienen"


Broschüre "Organisierte Unverantwortlichkeit"



Text: Nicole Krüger, überarbeitet von Eugen Pletsch