19.07.2018 - 21:09 Uhr

von Eugen Pletsch

Als ich 1985 mit dem Golfspiel begann, lernte ich als Erstes die Wartelisten der Golfclubs kennen. Aber dann wurden immer mehr – meist sehr exklusive –Golfanlagen gebaut, die leider das negative Image verfestigten, das dem Golfsport nach wie vor anhängt.

Seit der Deutsche Golfverband das Handicap 54 eingeführt hat, um dem »Breitensport Golf« den Weg mit einem Bulldozer zu bahnen, haben sich einige Dinge verändert. Dazu kam, dass planerischer Größenwahn viele mondäne Golfclubs in finanzielle Schwierigkeiten brachte. Seitdem buhlen Hunderte von Golfclubs um neue Mitglieder und Greenfee-Spieler, während sich (meist alte) Clubs, die es nicht nötig haben, hinter drastisch erhöhten Greenfees verschanzen.

Damit Geld in die Kassen gespült wird, bemühen sich die meisten Clubs in diversen Marketing-Aktionen um „Frischfleisch“, wie der Neugolfer liebevoll in der Golflehrersprache genannt wird. Angeblich um den Qualitätsstandard unter den Golfanfängern zu vereinheitlichen, wurde die „DGV-Platzreifeprüfung“ mit der man anfänglich nur die VcG-Wilden traktierte, für alle Clubs als verbindlich erklärt.

Nach der DGV-Platzreifeprüfung“, auch „Golfführerschein“ genannt, sollten Golfanfänger in der Lage sein „sicher, zügig und unter Berücksichtigung der traditionellen Regeln“ Golf zu spielen. Sie wären dann „auf beinahe allen Golfanlagen in Deutschland gern gesehener Golfspieler“*.

Ha, Ha, Ha. Die Realität zeigt, dass das ein Witz ist. Immer mehr schlecht ausgebildete Golfer tapern über die Heide und das, was man früher als „flüssiges Spiel“ bezeichnete, ist auf vielen Plätzen nicht mehr realisierbar. Je verzweifelter manche Clubs Mitglieder suchen, umso laxer wird die Berechtigung zum Spiel auf dem Platz gehandhabt. Mit fragwürdigen Platzreifeangeboten locken klamme Clubs Hacker auf den Platz und die Platzreifeprüfung wird zur Farce, denn dort, wo die Clubs nach Greenfee-Spielern lechzen, zählt nur das liebe Geld. Wegen des wirtschaftlichen Drucks darf heute jeder ziemlich schnell auf den Platz. Das ist eigentlich schön, aber auch gefährlich und für sportliche Golfer (und manche Golflehrer) ein Alptraum, denn das Fortkommen auf dem Platz ist so schnell, wie es der langsamste Hacker zulässt.

Deutschland ist nach wie vor ein Golfzwerg und das spielerische Niveau wird von Hackern, bestenfalls von Mittelmaß bestimmt. Etwa zwei Drittel der deutschen Golfer spielen (laut Statistik des DGV) im Handicap-Bereich 36–54 und wären damit in vielen Ländern weltweit überhaupt nicht als Spieler zugelassen. Zumindest in den Metropolen sind mittlerweile so viele „Platzreife“- Hacker unterwegs, dass sie höchstens noch jenen Golfern auffallen, die ihr Handwerk im Laufe mühseliger Jahre erlernten. Aber diese Saurier, denen es zumindest manchmal gelingt, Spielfluss mit Spielfähigkeit zu verbinden, werden bald ausgestorben sein, wenn das so weitergeht, denn das allgemeine spielerische Niveau hat – wie erfahrene Spieler berichten  –  stark abgenommen. Selbst ein Mindeststandard an Etikette und Spielfähigkeit ist in vielen Clubs zum Novum geworden; regelfeste Spieler werden mittlerweile als Erbsenzähler und Spaßbremsen diffamiert. Dazu kommt, dass Golf gefährlich wird, wenn motorische Chaoten ohne Sinn und Ziel über den Platz ballern.

Wenn Golf ein Breitensport und keine golferische Massenverelendung werden soll, sollten wir uns auf jene Ursprünge besinnen, die von vielen Neugolfern, aber auch manchem älteren Golf-Autisten, offensichtlich nie als essentielle Bestandteile des Spiels verstanden wurden. Damit meine ich Etikette, Ehrlichkeit, soziales Verhalten und die Bereitschaft, selbst Verantwortung für unser Tun zu übernehmen. Das bedeutet aber auch, dass man sich dem Golfspiel mit Fleiß und Konzentration widmen muss. Und das kostet Zeit und Geld.

Bitte verstehen Sie mich richtig: Wir haben alle mal angefangen und mein Unmut gilt nicht den Anfängern, sondern jenen Clubs und Pros, die Massen von „Light-Golfern“ produzieren und dabei die Illusion verbreiten, dass ein Konzertticket zum Mitsingen befähigt. Ich möchte Sie deshalb warnen, ohne ausreichende Kenntnisse der Etikette und Spielfähigkeit auf den Platz zu gehen. Sie werden sich und andere nur quälen – es sei denn, der Platz wäre Ihr Privatbesitz – oder leer.

* Laut DGV-Website auf golf.de

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