18.10.2018 - 06:51 Uhr

Nach seinem Besuch erwähnte Prof. Groover (Andreas G. Karácsonyi) in einer kurzen Notiz auf Facebook, dass man im Golfpark Winnerod „einen echten Schäfer mit seinen permanent blökenden Schafen bei seiner philosophischen Tätigkeit“ beobachten könne. Das Gebimmel im Rückschwung mag für Andreas heimelige Folklore sein, für andere wäre es ein Grund zum Mord.

Mit einem Mord auf dem Golfplatz – wenngleich aus anderem Grund – befasst sich ein neu erschienener Kriminalroman,  dessen spannende, vertrackte und unterhaltsame Handlung das Zeug hätte, einem hessischen ‚Tatort‘ als Vorlage zu dienen.

Dieser Hessen-Krimi (nicht nur) für Golfer, in dem natürlich auch ein Schäfer vorkommt, stammt aus der Feder meines geschätzten Clubkameraden und Cybergolf-Auslandskorrespondenten Henrich Dörmer, einem Phil Mickelson Verehrer, der seine Mordwaffen ebenfalls linkshändig schwingt.

Sein Erstlingswerk enthält manche Besonderheit, zum Beispiel Ausdrücke des 'Manischen', einer fast vergessenen Sprache sozialer Randgruppen unserer Region. Das diese „Geheimsprache“ noch unter Leuten gepflegt wird, die mittlerweile als Kriminalbeamte oder Bankfachleute Karriere gemacht haben zeigt, dass Integration möglich ist. Auch hessische Mundart wird bisweilen gesprochen, da muss man durch – aber keine Sorge – das Buch enthält ein Glossar.

Zum Inhalt:
In einem erstaunlichen und ergreifenden Prolog erzählt Dörmer von einem unterirdischen Arbeitslager der Nazis in der Nähe des oberhessischen Dorfes Lindental. Es ist der Abend des 6. Dezember 1944. Die Gefangenen, insbesondere Kommunisten und Sozialdemokraten, werden gezwungen, Teile für die V2-Rakete zu fertigen. Der Lagerkommandant mit Vornamen Rudolf wütet brutal und schreckt nicht davor zurück, unliebsame Gefangene kaltblütig umzubringen. Nach der Bombardierung des fünfzehn Kilometer entfernten Gießen fliegen die britischen Bomber über Lindental zurück. Dabei wird – eher zufällig – auch der oberirdische Eingang des geheimen Arbeitslagers getroffen. Durch das daraufhin entstehende Chaos in dem Lager-Bunker kann sich der zwölfjährige Sohn eines Zwangsarbeiters befreien und entkommen, während der Lagerkommandant dessen Vater erschießt.

70 Jahre später

Im oberhessischen Golf- und Countryclub Lindental ereignet sich ein tragischer Unfall: Der Grundstücksgutachter Theodor Müller wird von einem Golfball tödlich am Kopf getroffen, als er am Rande der Spielbahn nach seinem ins Rough geschlagenen Ball suchte. Zunächst scheint der Fall klar. Der Spielpartner von Müller, Thomas Ranft, hatte das Opfer, zusammen mit dem dritten Spielpartner, dem neuen Eigentümer des Golfclubs Joachim R. Hartmann, vorlaufen lassen, damit beide nach ihren Bällen suchen konnten. Offensichtlich hatte Ranft jedoch nicht lange genug gewartet, bis Müller aus der Schussbahn war und ihn aus 150 Meter Entfernung vom Abschlag aus getroffen. Oberkommissar Martin Benedikt Cervinus, Unfall-Ermittler des Polizeipräsidiums Mittelhessen wird beauftragt, den Fall zu untersuchen. Cervinus hatte bis vor fünf Jahren selbst Golf in Lindental gespielt, die Golfschläger jedoch irgendwann in die Ecke gestellt, weil er seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr genügte und vergaß, das Golfspiel als Spiel zu sehen.

Der Ermittler befragt am Unfallort den traumatisierten Ranft und den nicht minder erschütterten und scheinbar unter Schock stehenden Hartmann. Nach einer ersten Analyse des Unfallhergangs mit dem Pathologen Dr. Ernst Wiesenholder kommen bei Unfall-Ermittler Martin Benedikt Cervinus Zweifel auf. Die Wunde weist auf eine Einschlag-Geschwindigkeit hin, die ein Amateur wie Ranft nur schwer erreichen konnte. Insbesondere der Golfball selbst, der Müller getroffen haben soll, passt nicht ins Bild. Der Ball ist scheinbar nicht der, den Ranft gespielt haben will, sondern ist dem Manager der Golfclubs, Bernd Grüner, zuzurechnen.Bunkerschlag - Ein oberhessischer Kriminalroman von Henrich Dörmer

Grüner zeigt gegenüber Cervinus deutlich seine Abneigung gegenüber seinem neuen Chef und Eigentümer der Golfanlage Joachim Hartmann, der den Golfclub komplett umkrempeln, den Platz um ein benachbartes Waldstück vergrößern und Grüner entlassen will. Grüner war zur Tatzeit unweit des Tatorts selbst auf einer Golfrunde unterwegs. Er gerät mehr und mehr in Verdacht, es auf Hartmann abgesehen zu haben und „aus Versehen“ Müller – anstellte des eigentlichen Ziels Joachim Hartmann – erschlagen zu haben. Cervinus befragt auch den Schäfer, den er am Rande des Tatorts auf einer darüber gelegenen Schafweide sichtet. Der Schäfer namens Wolf gibt sich wortkarg und will nichts von dem Tathergang mitbekommen haben. Allerdings fällt Cervinus auf, dass der Schäfer zunächst einen ostdeutschen Dialekt aufweist, dann jedoch plötzlich ins Oberhessische verfällt. Auch die erste Befragung der Club-Sekretärin Melinda Riedmüller bringt zunächst nicht viel ein.

Drei Tage später wird der neue Eigentümer des Golfplatzes, Joachim R. Hartmann, auf dem Golfplatz niedergeschlagen und schwer verletzt, unweit des Tatortes, wo Müller getötet wurde. Zudem ist es der bereits verdächtigte Bernd Grüner, der seinen Chef schwerverletzt in einem Sandbunker auffindet. Die Wunden an Hartmanns Kopf weisen eine eigenartige Form auf: eine längliche Form, wie durch einen Golfschläger verursacht, und eine punktförmige, wie von einem Golfball getroffen. Im Polizeipräsidium zweifelt man nun an der Unfalltheorie und beordert den kompromisslosen und selbstbewussten Oberkommissar der Mordkommission, Tom Keller, dazu, Martin Cervinus als Leiter der Ermittlungen abzulösen und gemeinsam mit ihm die beiden Vorfälle aufzuklären. Cervinus kann den deutlich jüngeren Keller nicht ausstehen, ihre Charaktere sind zu unterschiedlich. Tom Keller ist allerdings im Präsidium sehr beliebt und erfolgreich. Er hat seine Wurzeln in einem der Gießener Problemviertel und spricht mit dem Manischen eine Sprache, die ausschließlich in den mittelhessischen Städten Wetzlar, Marburg und Gießen bekannt ist und insbesondere in der Gießener Weststadt immer noch gesprochen wird. Manisch ist ein Soziolekt, der seine Ursprünge in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Sprachen wie die der Sinti und Roma und des Jiddischen hat und tatsächlich eine Besonderheit in Mittelhessen darstellt. Dennoch nähern sich Cervinus und Keller über die Ermittlungen an.

Sie befragen zunächst den Clubmanager Bernd Grüner in seiner ärmlichen neuen Wohnung in der Gießener Weststadt, zunächst ohne zwingende Erkenntnisse, Grüner beteuert seine Unschuld.

Nachdem der vermeintliche Unfall-Verursacher Ranft versucht, sich umzubringen und gerade noch von Cervinus und Keller gerettet wird, verstärken die beiden Kommissare ihre Ermittlungen.

An einem Abend, an dem sich Cervinus, dessen Golf-Kollege Richard Steiner und Tom Keller in der Gießener „Loftikus“-Bar treffen, beschließen sie, das Edel-Bordell „Herren-Haus“ zu besuchen. Dort bekommt Steiner mit, wie Joachim Hartmann und ein Manager der Bundesimmobilien-Agentur, Wendelin Schlömer, sich zu einem ominösen Geschäft verabreden, bzw. Hartmann auf Schlömer einwirkt, um über diesen etwas sehr Wichtiges zu erlangen. Einzelheiten bekommt er jedoch nicht mit. Währenddessen lernt Cervinus die schöne und tiefgründige Prostituierte Szenifer kennen.

Es geht also um Mord, SEX, Kungelei, Habgier und Rache – aber wie die Handlung im Detail weiter geht, wird natürlich nicht verraten…. das müsst Ihr selbst herausfinden...

Bunkerschlag
ISBN 9783839164662Erhältlich überall im Onlinehandel (Amazon, BoD-Buchshop)
und vor Ort: Bücherkiste Lich, Hopfengarten 10, 35423 Lich. Preis 11,99 EUR.

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

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