23.07.2018 - 00:02 Uhr

Im Gespräch mit dem Clubfitting-Experten Michael Welwarsky. Den komplizierten Prozess der optimalen Schlägeranpassung hat er bereits an anderer Stelle erklärt. Heute geht es um Fragen, die nicht nur, aber zumeist ältere Spieler betreffen.

EP: Kommt es häufig vor, dass ich „SeniorInnen“ als sagen wir mal Spieler Ü60 fitten lassen?

MW: Aufgrund der Tatsache, dass Golf in Deutschland relativ „alt“ ist, haben wir natürlich regelmäßig Fittings mit Spielern im Bereich Ü50-60. Diese Spielergruppe profitiert oft sehr stark von einem guten Fitting und entsprechend angepassten Schlägern

EP: Mit welcher Problematik wird man auf häufigsten konfrontiert? Fehlende Länge?

MW: Fehlende Länge ist oft ein großes Thema bei älteren Spielern. Am stärksten betroffen ist die Spielergruppe, die früher mal den Ball relativ weit geschlagen hat und nun mit schwindender Schnellkraft einen gefühlt überproportional starken Längenverlust für sich verbuchen muss.

EP: Und wie begegnet Ihr dem?

MW: Die häufigsten Längenthemen treten ja beim Driver auf. Da ist auch natürlich oft der Wunsch Vater des Gedanken. Allerdings ist es oft schon sehr hilfreich, wenn man hier den passenden Loft wählt. Viele Spieler verbinden immer noch Weite mit niedrigen Driver-Lofts. Das entspricht nicht der Realität. Loft ist der Freund des Golfers und je niedriger die Schlägerkopfgeschwindigkeit ist, desto höher muss der Ball starten, um eine optimale Länge zu erreichen.

Natürlich können auch die Standardmittel leichterer und gegebenenfalls weicherer Schaft helfen, die Resultate zu verbessern. Das ist aber definitiv nicht immer der Fall.

EP: Grundsätzlich weicherer Flex passt ja auch nicht zu jedem, da manche alten Burschen noch mächtig Kraft haben und manchen  ältere Damen bereits die leichtesten L-Schäfte spielen.

MW: Das ist so absolut richtig. Ich hatte gerade vor kurzem wieder ein Fitting mit einem Spieler Ü60, bei dem die Variante leicht und weich überhaupt keine Lösung war. Die besten Längen und genauesten Ergebnisse wurden mit einem Schaft über 110 Gramm erreicht. Leichtere Schäfte führten zu miserablen Ergebnissen – schlechte Treffer, mehr Richtungsabweichung, mehr komplette Fehlschläge. Leichter kann eine sehr gute Lösung sein, aber ab und zu muss man auch mal außerhalb der vermeintlichen Regeln im Fitting suchen, um die passende Kombination zu finden.

EP: Welche Einsicht sollten ältere Spieler beherzigen, um mehr Spaß am Spiel zu haben.

MW: Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist die wichtigste Zutat für mehr Spaß am Golf. Bitte nicht dem besten Drive des Lebens hinterher hecheln, der mit viel Glück bergab, mit Rückenwind und Heimweh mal im Urlaub gelungen ist. Es gibt inzwischen sehr solide Ballflug- Simulations-Tools, mit denen man ganz einfach berechnen kann, wie weit ein Golfball unter optimalen Rahmenbedingungen fliegen kann. Wenn man im Rahmen eines Fittings an diese Werte heran kommt, dann ist leider Gottes das Ende der Fahnenstange erreicht. Wenn man nicht mehr Schlägerkopfgeschwindigkeit reinstecken kann, wird dann auch kein Längenzuwachs mehr möglich sein. Ausnahme wäre dann der Verlagerung des Lebensmittelpunktes in die Alpen, um von der dünnere Luft zu profitieren. Oder natürlich die Kontaktaufnahme mit zwielichtigen Kreisen der Fitness-Industrie, die sich sehr gut mit der Substitution auskennen und dem einen oder anderen Kraftsportler zu mehr Muskelmasse verholfen haben. Gesundheitsrisiken natürlich eingeschlossen.

EP: Was sollten Golflehrer beim Training mit älteren Spielern (aus der Sicht eines Clubfitters) berücksichtigen?

MW: Ab und zu mal einen Blick in die Tasche werfen und gegebenenfalls auch mal darauf hinweisen, dass der 15 Jahre alte Schlägersatz, der noch aus der Hoch-Zeit des golferischen Schaffens herrührt, jetzt nicht mehr ganz so passend sein könnte. Manchmal reicht ein Schaftwechsel, wenn der Spieler sehr an seinen Schätzchen hängt. Manchmal darf man sich auch einfach etwas Neues gönnen, um noch viele Jahre Spaß am Golfen zu haben.

EP: Noch eine Frage, die Dir einfällt?

MW: Keine Frage – eher ein kleiner Hinweis, da ja jetzt wieder die Phase der Demotage auf den Golfplätzen Deutschlands ansteht: Wenn Sie sich für einen neuen Eisensatz interessieren, dann lassen Sie sich nicht von einem möglichen Längengewinn beim Ausprobieren blenden. Es könnte sein, dass Ihr derzeitiger Satz mit den neuen Sätzen nur die Nummer auf den Eisen gemein hat. In den letzten Jahren wurden vor allem die etwas leichter zu spielenden Eisen immer „stärker“ vom Loft. Ein modernes Eisen 7 hat zum Teil heute 30° Loft und weniger. Bei älteren Eisen wäre das ein Eisen 6. Das ist insofern unproblematisch, als dass die Eisen heutzutage auch bei niedrigeren Lofts noch einen sinnvollen Ballflug unterstützen. Aber man vergleicht halt nicht immer Äpfel mit Äpfeln. Und ab und zu muss man auch die Eisen anders bestellen von der Konfiguration her. Bei uns im Fitting enden die meisten dieser Sätze mit dem Eisen 5 und schließen die Gap Wedge aus dem Satz mit ein. Dann hat man als Spieler die Ziffern 5-A in der Tasche und im Vergleich zu früheren Sätzen von den Lofts her 4-P. Das ermöglicht dann auch wieder einen guten Übergang zu den speziellen Wedges.

Beim Driver sollte die rohe Länge nicht das einzige Kriterium sein. Fairways treffen hilft beim Golfen und tief im Wald oder weit im Aus ist keine gute Basis für eine entspannte und erfolgreiche Runde Golf.

EP: Danke für das Gespräch!

 

Kontakt:
Clubmate Golf GmbH

Darmstädter Str. 33
D-64319 Pfungstadt-Eschollbrücken
Telefon: 06157-80366-40
http://clubmategolf.com/

Links:
Wiki über Clubfitting
http://www.cybergolf.de/links/golfschlaeger

 

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