22.08.2019 - 06:47 Uhr

John Letters Blades

Sechseinhalb[1] Golfbücher habe ich mittlerweile veröffentlicht, endlose Schachtelsätze über das Golfspiel verfasst, Sätze, die wie Katzen schnurren, wie Mantras summen und manchmal wie Motorsägen Nerv tötend aufkreischen.

Stets habe ich meine Leser zu betören versucht, habe mich eingeschleimt, war manchmal barsch, trotzig, sarkastisch, zynisch und bisweilen sogar witzig – aber es war umsonst.
Weder gelang es mir, das Golfspiel in Deutschland zu beschleunigen, noch hat sich das spielerische Niveau zu verbessert. Der Eulenspiegel, den ich meinen Lesern vorhielt, indem ich bizarre Figuren aus meiner Golf-Welt karikierte, führte höchstens zu einem Schulterzucken und der Erkenntnis, dass Golfer nun mal sonderbare Gestalten sind.

Als ich zu schreiben begann, waren Golfer meist kultivierte, intellektuell interessierte, bisweilen akademisch gebildete und künstlerisch ambitionierte Menschen, die ihre Gäste im Club noch mit Handschlag und einem „Gestatten, Soundso…“ begrüßten – um in meinem Fall sofort zu erkennen, dass ich weder den Stallgeruch noch das Einkommen hatte, um mir mehr als ein paar Stunden Übungszeit auf der Driving Range zu erkaufen (und selbst für die Gunst musste ich mit mancher Clubsekretärin noch heftige Sträuße ausfechten).

Ich trauere dieser Zeit nicht nach, im Gegenteil, denn ich war damals ein vogelfreier Golfer, ein Außenseiter, der um Spielmöglichkeiten betteln musste. Diese einstigen „Gentlemen“ des deutschen Golfsports, die mich zu mancher Satire anregten, hatten mein mittlerweile etwas abgestandenes Bild vom deutschen Golfer geprägt (wobei ich dem damals weitgehend üblichen, niveauvollen Umgang miteinander mittlerweile bisweilen nachtrauere).  

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Notizen eines Barfußgolfers

Pletsch, Eugen
19,99 € Buch
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Beschreibung

„Notizen eines Barfußgolfers" ist eine für die Buchfassung überarbeitete Auswahl an Texten, die der Golfautor Eugen Pletsch in seinem renommierten Blog (cybergolf.de) zwischen 2006 und 2018 veröffentlicht hat. Kommentare zu aktuellen Golf-Themen, Szene-sezierende Glossen, Golf-philosophische Betrachtungen, praktische Tipps und stille Hinweise auf das mystische Geheimnis dieses eigenartigen Spiels, dem der Autor in seiner mittlerweile 30jährigen Wanderung (...)

  

Hätte ich damals erkannt, dass ich selbst der Prototyp des neuen Golfers war, hätte alles anders kommen können. Intellektuell unbelastet wie eine Tontaube und vollkommen golfverrückt taumelte ich über die Fairways, so man mich ließ. Was habe ich in dieser Zeit gelesen? Fast nichts!
Ein Buch hatte ich, das „Das Golf-Handbuch“ von Alex Hay. Sonst nur Magazine mit möglichst vielen Bildern. Bilder vom Golfschwung, Bilder von den neusten Schlägermodellen, Bilder von den schönsten Golfplätzen der Welt  – Bilder, Bilder, Bilder – mit ein paar erklärenden Sätzen und dazwischen die üblichen PR-Artikel. Das hatte ausgereicht um mich träumen lassen, ich wäre ein Golfer. Internet gab es noch nicht.
Was zum Teufel war also in mich gefahren, dass ich irgendwann damit begann, eigene Bücher mit viel Text und wenigen Bildern zu veröffentlichen?
Und all diese Notizen, Blogs, Kommentare und Glossen? Leider kann ich nicht anders. Wie gerne würde ich lehrreiche Golf-Cartoons zeichnen, mit deren Hilfe sich jeder Vollhorst mit Sockenschuss und DGV-Jagdschein auf feuchten Pfötchen in den Golf-Dschungel wagen kann, da wo Tiger brüllen und Gnome und Giftschlangen hausen.  Aber – ich kann es nicht. Also schreibe ich weiter meine Schachtelsätze und hoffe, meinen Lesern damit dennoch eine Freude zu bereiten. 

Es gibt viele Golf-Welten über die man schreiben kann: Club-Golfer, Mannschafts-Golfer, Liga-Spieler, Netzwerk-Golfer, Business-Golfer, Vereinsmeier, Verbands-Granden und jene Wohlstands-verwahrlosten, die leider das Image vom Golf in Deutschland geprägt haben.
Ich weiß nicht, was die alle machen und denken. Deshalb schrieb ich jahrelang in meinen ‚Notizen‘ und Kommentaren, was mir gerade einfiel. Online fanden mich überraschend viele Leser und manche kaufen sogar meine Bücher. So wurden „Der Weg der weißen Kugel“, „Golf Gaga“ und „Endlich einstellig!“ Sparten-Bestseller, später folgten „Achtung Golfer!“ und „Anmerkungen für Golfreisende“.

Soweit ich das aus Zuschriften weiß, sind meine Leser meist Menschen, die von diesem Spiel wirklich fasziniert sind, die aber einen anderen Zugang zum Golf suchen. Für diese Leute schreibe ich am liebsten, denn wer sich wirklich mit Golf beschäftigt, entwickelt allein schon als Überlebensstrategie jene Art von Humor, die man braucht, um an meinen Geschichten Gefallen zu finden. Manche der Figuren, die ich beschreibe, sind sehr skurril und viele haben offensichtlich eine Klatsche, aber sie sind liebenswert, auch wenn das in meinen Erzählungen nicht immer deutlich wird.

In meinem neuen Buch Notizen eines Barfußgolfers finden Sie eine Auswahl meiner Texte der letzten Jahre, an denen Sie hoffentlich Gefallen finden werden. Der Titel ist in allen Fach-und Onlinebuchandlungen erhältlich. Oder bei mir als signierte Sonderausgabe (Erstandruck) für EUR 20.- inkl. Versandkosten, Bestellen...

Eugen Pletsch

PS: Ich möchte mich bei allen LeserInnen bedanken, die mir nach einem meiner Blogs schrieben, dass meine Texte hilfreich wären, um ihren Montagmorgen-Blues zu vertreiben. Danke! Wenn der Sinn meines Lebens darin besteht, Euren Geist - zusammen mit dem Morgenkaffee - wach zu rütteln, dann kann ich gut damit leben.

 

[1] „Banalanga – über Golf, Geist und Gesundheit“ zähle ich nur als halbes Golfbuch.

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