Wo steht der Golfsport?

Anmerkungen von Golfprofessional Heinz Schmidbauer über den Golfsport in Deutschland

In jeder Sportart sind letztendlich die diversen Ranglisten das Spiegelbild des Leistungsstandards und reflektieren den Stellenwert einer Sportart im Land. Dies gilt übrigens nicht nur im Sport, sondern auch in anderen Bereichen des Lebens wie z. B. in der Wirtschaft, wenn nackte Zahlen sprechen.

Nur wenn in der Bevölkerung eine Sportart angenommen wird und zahlreiche Menschen diesen Sport ausüben sowie eine entsprechende Anzahl von guten Trainern und Trainerausbildungen vorhanden sind, kommen auch genügend Spitzensportler hervor.

Besondere Talente, auch wenn diese die Ausnahmen in einem Land darstellen, werden ebenfalls ab und an den Weg in die Weltspitze finden. Jedoch die Dichte an Sportlern, die in den Ranglisten geführt werden, bildet ein unwiderrufliches Spiegelbild über den wahren Leistungsstand einer Sportart in einem Land ab. Der Skisport in Österreich ist hierfür ein gutes Beispiel: Er verfügt weltweit über die besten Skisportler und auch über das beste Trainerausbildungssystem und somit die besten Trainer. Nur wenige andere Nationen sind überhaupt in Sichtweite (Schweiz, Schweden, etc.).

 

Als Fan einer bestimmten Sportart neigt man unweigerlich dazu, den wahren Leistungsstand im eigenen Lande etwas verklärt zu sehen. Besonders mutig finde ich es allerdings, wenn eine Nation von sich behauptet, sie habe die beste Trainerausbildung. Deshalb wird im Golf die Profivereinigung eines Landes nicht anerkannt (in diesem Falle Spanien), weil die eigene Ausbildung besser ist, länger andauert. Besagter Trainerverband besitzt auch noch die Courage, dies publik zu machen. In der Folge werden somit Länder diskriminiert, die bereits über Jahrzehnte hinweg viele, viele Spitzengolfer in der Welt und in den Europa-Ranglisten hervorgebracht hat. Bis auf ein Ausnahmetalent (und seit einem Jahr noch ein Jungtalent) hat man selbst dagegen nichts vorzuweisen. Besagte Trainerverbände wollen jetzt in der Winterzeit in den südlichen Ländern Geld verdienen, obwohl man die dortigen Kollegen als unqualifiziert abstempelt. Deren Plätze und Umfeld jedoch braucht man natürlich schon.

 

Nachdem die eigenen Überzeugungen nicht über Nacht entstanden, sondern nunmehr über Jahrzehnte hin gewachsen sind, sei doch die Frage erlaubt, womit besagter Trainerverband seine Vorstellungen begründet, mitunter die beste Ausbildung in Europa - wenn nicht in der Welt - zu haben? Es fehlen seit Jahrzehnten Ergebnisse und Erfolge, wie sie andere Länder (die man ja nicht anerkennt!), vorweisen können. Nachfolgende Übersicht verdeutlicht, welche Nationen durch wie viele Spieler in der Weltrangliste, der Europa-Tourliste und in der 2. Liga, der Europa-Challenge-Tour, vertreten werden:

 

Weltrangliste: Anz./Spieler unter den Top 150

 

USA                                                              58

GB mit Irland, Schottland & Wales            23

Australien                                                     11

Japan                                                            10

Südafrika                                                        8

Schweden                                                      6

Spanien                                                          4

Korea                                                              4

Argentinien                                                     2

Dänemark                                                       2

Neuseeland                                                    1

Italien                                                               1

Frankreich                                                       1

Belgien                                                            1

China                                                               1

Kolumbien                                                       1

Fidschi                                                             1

Deutschland                                                    1

(Bester Österreicher nicht dabei, z. Zt. ca. 250er)

 

Europäische Tour: Anz./Spieler unter den Top 150 

 

GB mit Irland, Schottland & Wales 51

Schweden                                                    15

Spanien                                                        11

Südafrika                                                      11

Frankreich                                                      8

Australien*                                                      8

Dänemark                                                      5

Argentinien                                                     4

USA*                                                               2

Italien                                                               2

Deutschland                                                   2

Thailand                                                          2

China                                                               1

Simbabwe                                                       1

Österreich                                                        1

sowie einige andere Länder ebenfalls         1

 

*Spieler, die in Europa nur ein paar Gastspiele geben

 

Europäische Challenge Tour, 2. Liga: Anz./Spieler unter den Top 50 

 

GB mit Irland, Schottland & Wales 19

Schweden                                                      5

Frankreich                                                      5

Spanien                                                          3

Österreich                                                       3

Italien                                                               2

Deutschland                                                    2

Argentinien, Australien, Belgien,

China, Dänemark, Finnland,

Portugal, NZL, etc.                              je         1

 

Wirft man also einen Blick in dieses „Spiegelbild“ Ranglisten des Golfsports, kann man nüchtern die Positionierung der einzelnen Nationen sehen. Setzte man diese Zahlen noch in Relation zur Gesamtanzahl der jeweiligen Landesbevölkerung, so würde das Ranking noch schlimmer ausfallen.

 

Angefangen bei den Verbänden – egal ob Dachverband oder Trainerverband, hier gibt es nichts zu beschönigen – ist es unverständlich, wie man im Brustton der Überzeugung von sich behaupten kann, Europa- und sogar Weltweit über das führende Ausbildungs-Trainersystem zu verfügen und dabei andere, seit Jahrzehnten wesentlich bessere Nationen nicht anerkennt und sogar diskriminiert. So lange eine derartige Eitelkeit in den Verbänden herrscht und man nicht bereit ist, wenigstens ein wenig auf andere Nationen zuzugehen oder gar von diesen zu lernen, wird sich – so die Befürchtung – nichts ändern außer der Tatsache, dass man in Selbstgefälligkeit erstickt. Es wäre die Aufgabe der Verbände angesichts solcher Zahlen in sich zu gehen und die eigene Arbeit und vor allem die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden zu überdenken. Insbesondere auch dann, wenn es bedeuten würde, lieb gewonnene Pfründe, denn um die geht es ja in erster Linie, über Bord zu werfen.

 

Die wirtschaftliche Krise wird den Golfsport in allen Bereichen mit 100%iger Wahrscheinlichkeit erst im Jahr 2010 treffen. Egal ob Golfclubs, Mitgliederzahlen, Trainer, Trainerstunden, Golfplatzbauer, Turnierveranstalter, Reiseveranstalter, usw.  – der Wettbewerb wird härter werden. Aus diesem Grund sollte man rechtzeitig etwas vom hohen Ross heruntersteigen und neue Strukturen und Angebote zumindest überdenken. Kritische Töne sind angebracht angesichts dieser Tatsachen.

 

Schönes Spiel,

 

Ihr

 

Heinz Schmidbauer

 

http://schmidbauer.zweipage.de/