Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Am Tag zuvor, bei unserer Runde im Licher Golfclub, war es mir noch gelungen, Frau Oelmann davon zu überzeugen, dass es bei ihrer rabiaten Drive-Länge nur fair wäre, wenn Sie von blau abspielen würde. Nachfolgend zwei Versionen…

Die weißen Abschläge wären die Meisterschafts-Tees und dürften nur von Golf-Pros oder beim ‚Final Four‘-Turnier benutzt werden, das bis 2016 in diesem Club ausgetragen wurde. Ich selbst müsse jedoch von Gelb spielen, behauptete ich ohne rot zu werden. Frau Oelmann, die nur das Gute im Menschen sieht, schaute mich herzig an. Sie würde niemals an meinen Worten zweifeln, sagte sie so wohlwollend, dass ich überlegte, ihr noch ein Abonnement für meinen Blog zu verkaufen. Das ließ ich dann aber. Weil ihr meine Drive-Längen jedoch verdächtig lang vorkamen (im Vergleich zu ihren), schöpfte sie dann doch Verdacht und weil das Match am 1. Tag an mich gegangen war, konnte ich ihr den Damenabschlag im Golfclub Attighof nicht verweigern.

Frau Oelmann schlägt von Rot ab. Foto: Eugen Pletsch

Geplant war, dass sie mich um die Mittagszeit abholen würde. Am Vormittag schlafe ich nämlich (bedingt durch meine Schlafapnoe) so lange ich nur irgendwie kann (und verbringe den Rest des Tages meist in einer Art Jet Lag Koma).
Frühe Termine führen bei mir zu kompletter Schlaflosigkeit und mittags starten reicht ja wohl auch, oder? Es war sogar klug, denn am Morgen war das Wetter fies und grau und dann fing es an zu regnen. Richtig fett. Wir fahren trotzdem, sagte Frau Oelmann, denn ihre APP habe ihr gutes Wetter für den Nachmittag prophezeit.
„Scheissaufapp“, dachte ich, aber was sollte ich machen. Im strömenden Regen erreichten wir Attighof, wo ein paar ganz Hartgesottene wie der Alterspräsident Becker gerade ihre Morgenrunde absolviert hatten.

Der Golfclub Attighof, um den sich manche Legende rankt, ist auf seine Weise eine faszinierende Golf-Anlage. Wenn ich (neben guter Platzpflege) etwas besonders schätze, dann ist es die Ruhe, die dieser Platz vermittelt. (Zumindest bis zu dem Moment, an dem jemand zu schreien anfängt, weil er seinen Ball unwiederbringlich in die Hecken gedonnert hat.)

Der Golfclub Attighof ist einer der Clubs, die unsere Jahresmatch-Marotte unterstützen und uns sogar ein kostenloses Cart zur Verfügung stellen, da Frau Oelmann (von ihrem Heimatplatz im Pott) nur flach kennt. Zudem kommt:

Wir beide haben, wie das der selige Jürgen von Manger genannt hätte ‚Gedöns mit die Mauken‘. 

Meine Strategie war zu starten während es noch nieselt, weil wir den Platz dann für uns alleine haben würden. Was ist schöner, als Attighof in ungebremstem Flow spielen zu können (sofern man kann)? Die Strategie ging auf, das Glück war uns hold. Kaum waren wir gestartet, lichtete sich der Himmel, die Sonne brach hervor (leise Posaunen).

Golfclub Attighof Foto: Eugen Pletsch

Wir brauchten für die erste Bahn diesmal keine 9 Schläge um uns ‚einzugrooven‘, wie Frau Oelmann das nennt, die gewöhnlich 3-4 Bahnen braucht, bis sie Blut wittert.

Überlassen wir ihr nun das Wort und mir kleine Anmerkungen dazu. Frau Oelmann schreibt:

Ein Besuch im GC Attighof

Ja, der Tag begann grau und trist. Es regnete permanent, die Wolken hingen tief. Dennoch fuhren wir hinaus zum Attighof GC im Taunus, ausgesuchter Schauplatz für einen krönenden Abschluss unserer Kräfte zehrenden Matchplay-Serie über das ganze Jahr. Der Attighof wird nahezu allen Spielstärken gerecht und lockt zudem auch noch Matchplay-verrückte Golfer an, die es etwas kniffliger mögen.
Frau Oelmann schreibt... Bereits die Anfahrt zum Club ist für einen Stadtbewohner wie mich etwas Besonderes. Die Straßen führen durch eine herrliche Urlaubslandschaft – wirklich schade, dass ich nicht noch ein paar Tage länger bleiben konnte. Nach herzlichem Empfang im Clubsekretariat gedachten wir, uns noch einmal aufzuputschen mit einer Tasse Kaffee in der gemütlichen Gastronomie, die ein sehr schönes und in diesen Tagen ein mit viel Liebe fürs Detail Oktoberfest-Ambiente anbot. 

Es regnete noch immer. Ich verwies auf eine Wetter-App (wie kamen wir einst zurecht im Leben, als diese smarten Wunder der portablen IT-Technologie noch nicht gab?), die bis dato recht verlässliche Angaben lieferte, was Eugen mit Blick hinaus auf die Club-Terrasse zunächst nicht sonderlich überzeugte. Die Vorfreude indes war groß, wollte ich doch die vorerst letzte Chance in der ablaufenden Saison wahrnehmen, die Schmach von Lich am Vortag vergessen zu machen und betonte, dass der Regen ab 13.00 Uhr aufhören würde.

Sagen umwobenes Rasenschach wollte ich präsentieren, nach Möglichkeit die richtigen Schläger wählen, auch am Abschlag nicht immer sofort zum Driver greifen und vor allem: Nicht auf fiese Matchplay-Tricks reinfallen. Der Platz präsentierte sich in einem tollen Zustand und die Grüns von exzellenter Qualität luden geradezu ein zum glorreichen Finale!

Angeblich um Gnade vor Recht ergehen zu lassen durfte ich dieses Mal tatsächlich erstmals (in dieser Endrunde, ep) von ROT abschlagen. Ich war irritiert. Was führte Eugen im Schilde? Völlig verdutzt kegelte ich meinen Abschlag mit einem nachdenklichen Hook in Rough und verlor sogleich das erste Loch. Ein fieser Trick, dachte ich. Aber nach ersten Irritationen fing ich mich dann gottlob wieder und konnte das Match eine Weile spannend mitgestalten.

Ich trällerte fröhlich vor mich hin und nahm deutlich wahr, wie der Regen inzwischen den ersten Sonnenstrahlen gewichen ist. Eine herrlich frische Luft, duftende Wiesen und Wälder, Eichhörnchen, die fleißig Wintervorbereitungen trafen, sprangen umher. Dann ein Traumschlag aus dem Fairway-Bunker (ca. 100 Meter) an den Fahnenstock zum Lochgewinn … Golferherz, was willst Du mehr?!

Ist das nicht der Stoff, aus dem Golferträume gemacht werden?

Pech gehabt! Foto. Eugen PletschSo bemerkte ich im Laufe der Runde leider erst viel zu spät, dass Eugen mich (mal wieder) aus sämtlichen Golferträumen zurück auf die Fairways der Tatsachen holte: Nach 10 Löchern noch fröhlich trällernd in Führung liegend war die Partie dann „plötzlich“ nach 15 Löchern entschieden. (Nach kleinen Missgeschicken, siehe Foto...).

Auf Einzelheiten möchte ich in diesem Moment lieber verzichten, da die ersten Wildgänse im geübten V-Flug geräuschvoll über die Dächer von Gelsenkirchen dahinfliegen und mich ihrerseits ebenfalls zum zweiten Mal aus meinen Golferträumen holten. Schachspiel fand ich schon in jungen Jahren weniger interessant, ich hätte es besser wissen sollen … wer hat sich nur diesen Vergleich in Bezug auf das Golfspiel ausgedacht?

Und doch: Hart erkämpfte ich mir zumindest das 1. Damen-Brutto, ein versöhnlicher Jahresabschluss einer aufregenden Matchplay-Saison!

Goldene Herbsttage und einen schönen Saisonausklang wünscht

Frau Oelmann

1. Brutto Damen für Frau Oelmann

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Nun: Die Einzelheiten, auf die Frau Oelmann nicht näher eingehen möchte, muss ich der Fairness halber doch ausführen. Man mag mir manche Boshaftigkeit im Matchplay unterstellen, aber diese Einzelheiten waren höhere Gewalt und lagen außerhalb meiner Möglichkeit, Einfluss auf den Spielverlauf zu nehmen. Es war so:

6. Bahn. Ich schlug einen perfekten Drive, der sich aus mir unerfindlichen Gründen in einen giftigen Quickhook verwandelte.
Der Ball sauste in die Büsche oder in den Wald, genau konnte ich das nicht sehen, denn mein Mobiltelefon meldete mir gleichzeitig, dass jemand auf die Golfschläger geboten hatte, die bei eBay zum Verkauf standen. Einen Driver und ein Holz 4, zwei gute Markenschläger, die ich im Keller entdeckt hatte. Dass ich sie bei eBay anbot, hatte ich vergessen. (Passiert mir letzte Zeit immer öfter...).Meine B-Mannschaft Foto: Eugen Pletsch

Mein Plan bei diesem finalen Match war, Frau Oelmann mit meinem Zweit-Set (also der B-Mannschaft) zu besiegen und spontan hatte ich diesen Driver und das Holz 4 ins Bag geschoben. Nun kam also die Meldung, nach der ein Sammler aus Finnland auf die Schläger geboten hätte. Wie es die Meldung durch das Attighofer Funkloch geschafft hatte, wird mir für immer ein Rätsel bleiben, aber ich reagierte leicht hysterisch und meine schottische Mentalität kollabierte bei dem Gedanken, dass der Käufer diese herrlichen Schläger zu einem günstigen Startpreis würde schießen können. Kaum eine Stunde bis zum Ende der Versteigerung!

„Such‘ meinen Ball, ich hab zu tun!“

schnauzte ich Frau Oelmann an, während ich dem Bieter (aus dem Funkloch heraus) die Frage beantworten wollte, ob ich auch nach Finnland liefern würde. Das klappte jedoch nicht, worauf ich Frau Oelmann darauf hinwies, dass wir das Clubhaus vor Ende der Versteigerung erreichen müssten, damit sie über das Attighofer W-Lan mitsteigern könnte um den Preis hochzutreiben.

Es mag sein, dass diese Unruhe und mein ständiges Drängen (Auf! Lauf! Schneller! Jetzt schlag schon! Mach hinne!) einen gewissen Einfluss auf den Spielverlauf und auf Frau Oelmann hatte, besonders beim Putten.
Immerhin schafften wir es rechtzeitig ins Clubhaus. Frau Oelmann überbot den Finnen und ich gratulierte ihr zum Kauf von zwei herrlichen Schlägern, die ich auf dem Parkplatz sofort vom Bag in den Kofferraum legte, um sie zu schonen. (Habe auch für die B-Mannschaft immer Ersatz-Driver und Hölzer im Wagen).

Der Gedanke, dass sie als Linkshänderin zwei Herrenschläger für Rechtshänder ersteigert hatte, schien Frau Oelmann auf der zweiten Neun irgendwie zu beschäftigen, zumal ihr Mobiltelefon mehrfach piepte. (eBay fragte, wie sie die Schläger bezahlen möchte). Ich empfahl ihr deshalb, sich zu entspannen und das blöde Handy endlich mal auszumachen.

„Genieß doch mal die Aussicht, die herrliche Ruhe - und unser Match!“

Das indische Essen mit Bayrischen Bier im Clubhaus sowie eine pompöse Siegerehrung für zwei Personen mit einem liebevoll gebastelten Preis für das 1. Damenbrutto versöhnten sie einigermaßen, aber dass sie die beiden Schläger immer noch nicht bezahlt hat, damit werden sich wohl die Anwälte beschäftigen müssen.

Ihr Euer

Eugen Pletsch

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Frau Oelmann auf dem 18. Grün im Golfclub Attighof Foto: Eugen Pletsch