Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Heute wieder keine Zeile geschrieben. Ich meine: für mich, das schreiben, was ich schreiben möchte...

Natürlich Mails. Post beantwortet, Cybergolf aktualisiert, Telefonate. Warteschleifen. Rückrufe. Tims Irland Artikel hochgeladen, Bilder eingefügt. Nicht alle Bilder. Doch lieber das eine Bild raus, ein anderes rein. Viele Klicks. Freut mich. Sowas wollen die Leute lesen! Frontberichte, life von den Links. Irische Links, schottische Links. Viele lieben Geschichten vom ‚echten Golf‘, fahren dann aber doch lieber nach Malle. Oder auf einen deutschen Golfplatz, wie ich das mache. Da kennt man die Preise, verträgt das Essen und kann sich verständigen. Zuverlässig die alten Rangebälle. Da weiß man: Es war der Ball, der so schräg wegsegelte und nicht der eigene Schwung. Aber soll ich mich jetzt verzetteln? Wollen wir uns nicht lieber jenem Match zuwenden, dem 2. sportlichen Highlight des Jahres, zumindest aus meiner Sicht? Die Rückrunde im Match Oelmann gegen Pletsch in 2017!

Seit 10 Jahren geht das nun schon Jahr für Jahr, Ball um Ball. Erinnern wir uns:  Die ersten 9 Jahre lag ich vorn (angeblich, kann mich nicht mehr genau erinnern), aber in diesem Frühjahr, im 10. Jahr, hat mich Frau Oelmann Staub fressen lassen, mich kurz gelassen, abgezockt, geschreddert und mit einem herzigen Lächeln nach Hause geschickt.

Nun, so ist das Leben. Man wird älter, zittert und verzagt.

Damals, in meiner Blüte, hat mich der Nachbar von unserer Grandma in Falkirk, der alte Jimmy Jarvie Jahr für Jahr auf einen hügeligen Inland-Course geschleppt, um mir mit seinem grausamen Eisen 9 (jeder Chip am Stock) den Scheitel zu ziehen. Und hat mir dabei jeden Hochmut gründlich ausgetrieben. Bis dann eines Tages seine Kräfte versagten, (er war bereits Mitte achtzig) und ich meine Chance ergriff. Es wurde unser letztes Match. Monate später machte er sich dahin auf, wo Old Tom Morris seine himmlischen Fairways mäht.

Tja, und nun war ich dran. 9 Jahre hatte ich triumphiert und Frau Oelmann nach der Runde mit einem oder zwei wohlwollenden Tipps zu ihrem Spiel nach Hause geschickt. Bis ich in diesem Frühjahr die Hucke voll bekam, obwohl ich gerade erst Mitte 60 wurde.

Teufel, dachte ich mir: Zwischen Mitte 60 und Mitte 80 sind zwanzig Jahre Unterschied! 

Das Rück-Match kannst Du schaffen! Ich begann eine Diät, mein Krafttraining (täglich 12 Stunden an den Maschinen) dann 18 Stunden Yoga am Tag und 2000 Bälle Minimum geschlagen, während ich an die Session mit Moe Norman in Orlando dachte. Meine zarten Künstlerhände wurden zu Bratpfannen, meine Nerven stählern, mein Gemüt eisig. Jeden Tag auf dem Putting Grün und nachts Mental-Training (Subliminal-Musik im Tiefschlaf). Zwei Telefonate mit Frank Pyko.

Als Frau Oelmann mich anrief um mir mitzuteilen, dass sie ihr Hotel erreicht hätte und sich dann zum Licher Golfclub aufmachen würde, hatte ich mein Headset auf. Wie Jean-Claude Van Damme die Hände und Füße an die Türrahmen gepresst, hing ich in der Luft. Nur so, zur Entspannung. „OK ich komme“, sagte ich und ließ mich fallen.
Dann nahm ich mein Zweit-Set, das bei mir zu Hause steht, meine alten Schläger. Den Platz in Lich hatte Frau Oelmann noch nicht gespielt, aber durch die alten Schläger, die ich in diesem Jahr nur ein oder zweimal angefasst hatte, schienen mir die Chancen fair verteilt. Das Wetter war äußerst moderat, wir hatten Glück, nach diesen Sauwetter-Tagen.

Licher Golfclub Foto: Eugen Pletsch

Wie meine verehrten LeserInnen wissen, ratsche ich nicht aus dem Nähkästchen, wie so eine Runde im Detail abläuft, (Scores werden sowieso nicht genannt) aber ich darf aus dem Dankesbrief zitieren, den Frau Oelmann dem Sponsor dieser Runde zugeschickt hat:

„(…) die Runde im Licher GC war in mehrfacher Hinsicht ein unvergessliches Erlebnis: Aus dem dunklen und verregneten Sauerland hinein in einen sonnigen Nachmittag nach Lich! Gemütlich schlugen wir uns auf der Driving Range ein, bevor es dann auf die Runde ging. Im Laufe der Runde wurde schnell klar, dass die Auswahl des Platzes kein Zufall war, denn das ist wahrlich ein Meisterschaftsplatz – insbesondere auch die super schnellen Grüns, wodurch ich mein 3-und 4-Putt Spiel kultivieren konnte (was mir bis dato in dieser Ausprägung noch nicht so bekannt war ;-). Nie zuvor spielte ich schnellere Grüns, ein herrlicher Wahnsinn! Und Waschbären kannte ich bisher nur durch Zoobesuche, nicht jedoch auf freier Wildbahn, da sich zwei Bärchen auf der 14 genüsslich vergnügten…Eugen hat mir dann den Zahn gezogen bei unserem Matchplay. Ich bekam einfach kein Bein an die Erde, hatte aber auch so meinen Spaß! Abgerundet wurde der Abend schließlich durch einen wahrhaft wunderschönen Regenbogen, wie man ihn vermeintlich nur noch aus dem Zauberer von Oz kennt, so anmutig und in voller Farbenpracht!“

Waschbären auf dem Fairway. Foto: Eugen Pletsch

Tja, damit wäre das gesagt. Eins auf für mich. Obwohl sie bereits auf der ersten Neun mit ihrem geliebten Eisen 9 mit einem Chip-in zum Birdie einlochte und in Führung ging. Aber meine magische Konzentrationsfähigkeit, die ich mir den Sommer über mit diesem speziellen Mental-Trainingsprogramm angeeignet hatte, drehte das Spiel.

Ich schob die Bälle sozusagen mit meinen Gedanken ins Loch, wobei ich sie auch manchmal vorbei schob.

Schnell war die 9, die wir uns beide auf der ersten Bahn gezogen hatten, vergessen und dann konnte mich nichts mehr aufhalten (wenn ich mal den Seniorendreier ausblende, auf den wir ab der 10. Bahn aufliefen). Aber dafür sahen wir die bereits erwähnten putzigen Waschbären. Frau Oelmann im Licher Golfclub Foto: Eugen PletschWenn man Waschbären eine Weile zuschaut, fragt man sich, ob Waschbären nicht vielleicht die Seelen von verstorbenen Golfer sind, die es nicht lassen können, ohne Ziel und Zweck hin und her über die Fairways zu zuckeln, wie die Herrschaften auf der Bahn vor uns. Aber die haben uns dann ja irgendwann durchgelassen.

Die letzten Bahnen taumelten wir selig durch das Abendlicht und ließen uns von der zum Par 5 umgestalteten 17 noch mal heftig beuteln, um dann in einem grandiosen Finish die 18 zu vergeigen.

So geht es, das ist Golf und weil sich das Zünglein der Waage letztendlich in meine Richtung geneigt hatte, beschloss ich meine Leber-Schonkost für einen Tag auszusetzen. Wir wandten uns dem gemütlichen Teil des Abends zu und freuten uns auf den 2., den großen Finaltag unseres Matches.

Fortsetzung folgt.

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

Powered by Spearhead Software Labs Joomla Facebook Like Button