Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Golfer, die sich gefragt haben ob das Sauwetter gerade zur Clubmeisterschaft losgeht, atmen erleichtert auf. Zumindest in meiner Gegend ist es heute noch mal schön sonnig und warm geworden.

Und am Abend, wenn Fake und Foxi zum virtuellen Schattenboxen antreten, wird sich der Golf-Würger von Würselen in Mutti's Allgemeinplätze verbeißen und wir dürfen life dabei sein. Was für ein Tag!

Ich fahre heute nicht zum Platz, denn ich tigere bereits seit Tagen um den heißen Brei herum. Die gesamte Medienwelt von BILD bis Böhmermann hat die Aussagen von Martin Schulz kommentiert und selbst die Helden aus dem Ahrtal „versunken in Schwunggedanken und Arbeitswelt“ sind erwacht. Muss ich da nun auch noch meinen Senf hinzugeben, jetzt, wo die Wurst längst kalt ist?

Wenn ich die stattlichen Aufrufzahlen meiner letzten Blogs mit anderen vergleiche, in denen ich meine dubiosen golfpolitischen Ansichten äußere, dann ist der Hang meiner Leser zu humoristischen Texten eindeutig. Trotzdem kann ich Euch meine Gedanken zum Golf-Würger von Würselen nicht ersparen.

Diese angebliche Schulz-Attacke auf Deutschlands Golfer hatte ich in meinem Wolkenkuckucksheim überhaupt erst mitbekommen, nachdem mir eine golfende Leserin schrieb:
Die meisten Golfspieler kann auch ich nicht leiden, aber diesen Eierkopp schon mal gar nicht, würg!!!!“

Kurz darauf erhielt ich vom DGV den Brief unseres Verbandsobristen Kobold, in dem er Schulz wahlkampfgetriebene Brachial-Rhetorik und öffentlichkeitswirksame Empörungszurschaustellung vorwarf.

Was hat Martin Schulz bei einem Wahlkampfauftritt in Bezug auf den Abgas-Skandal gesagt?

„(…) Mich interessieren die Golffahrer deutlich mehr als diese Golfspieler. Die Arroganz dieser Leute gefährdet einen ganzen Industriezweig.“

So what? Dass die Arroganz unserer ‚Nieten in Nadelstreifen‘ nicht nur die Industrie sondern unser aller Zukunft gefährdet, ist doch wohl allgemein bekannt, oder?

Ich frage mich nur? Wen wollte Schulz damit erreichen? Etwa unsere so desolate wie desorientierte Mittelschicht?
Den von der Industrie betrogenen Golf-Diesel-Fahrer, der mittlerweile zwischen zwei oder drei Jobs pendelt und (dank SPD) selbst davon nicht gescheit leben kann?
Bei den Unterschichten hat die SPD ohnehin längst verkackt und die stummen Massen, die von der BILD-Matrix geformten betrogenen und belogenen Lemminge, taumeln hinter Mutti her.

„Bei der Golf-Lobby hat er sich damit keine Freunde gemacht“, schreibt die FAZ. Nein, hat er nicht. Der empörte Golfplatzbesitzer Mike Schulze in Tessin (Landkreis Rostock) geht sogar so weit und bietet allen Golfern die „die Partei dieses Herren nicht wählen (Beleg: Handyfoto vom Wahlzettel), für eine Woche in Tessin 50 Prozent aufs Greenfee.“
Golf spielen zum halben Preis, weil Herr Schulze die „arroganten“ Worte von Herrn Schulz nicht hinnehmen möchte.
Na dann, Freunde, fahrt alle für 50 % Rabatt nach Tessin in Euren Ferraris, Bugattis, Lamborghinis und Porsches und hofft dass ihr da heil wieder raus kommt.

Nach dem Aufschrei der Golfer und entsprechend süffisanter Berichterstattung gewisser Medien reagierte Martin Schulz und twitterte life aus dem Fettnäpfchen:
"Ich mag Golf und Golfspieler. Ich habe nur was gegen Manager, denen ihr Handicap wichtiger ist als die beruflichen Handicaps ihrer Mitarbeiter."

Und wo hat er das her? Natürlich aus dem golfamtlichen Weisheitsbuch "Der Weg der weißen Kugel!

Ich zitiere: "Die Führungsschwäche in den großen Konzernen haben nur eine Ursache: Golf! Nicht die Steigerung des Bruttosozialproduktes beschäftigt die Gedanken unserer Wirtschaftskapitäne, sondern allein die Steigerung ihrer Bruttopunkte beim Monatsbecher."

So viel dazu. Was mich in Nachhinein verwundert ist, dass die Aussagen von Schulz als Angriff gegen alle Golfer interpretiert wurden. Prompt haben 'die Golfer' so empört zurückgebrüllt, als wäre an dem Vorwurf etwas dran. Ist was dran?

Mich hat Schulz mit seinem Zitat in keiner Weise angesprochen. Erstens weiss ich, das Golf zur Demut erzieht und unsere Wirtschaftskapitäne im Golfspiel das einzige ehrliche Korrektiv in ihrem Umfeld finden, das sie je nach Charakter entweder annehmen oder nicht. (Wer im Raum Ingolstadt, München, Wolfsburg oder Stuttgart Golf spielt, kann da manche Schoten erzählen.)

Zweitens ist eine Aussage über arrogante Manager durch einen Polit-Bonzen wie Schulz vollkommen grotesk. Wenn die SPD, die immer größer werdende gesellschaftliche Verelendung maßgeblich mitinitiiert hat, einen Kanzlerkandidaten aufstellt, der von seiner erträumten Wählerschaft so weit entfernt ist wie ich vom Scratch-Golf, dann ist das doch nur peinlich. Fast so peinlich wie grüne Transatlantiker-Karrieristen vom Schlage eines Cem Özdemir.

Schulz schimpft auf die Großkopferten von VW, von denen einige Golf spielen mögen. Aus wahlkampftaktischen Gründen greift er eine Elite an, der er selbst angehört, eine Elite ignoranter, arroganter Fehlentscheider, die spätestens seit dem Bericht des Club of Rome, also seit 1972, hätte wissen müssen, was auf uns zukommt. Wie viele Jahre hat die SPD in ihrer Zeit als Regierungspartei der Automobilindustrie aus der Hand gefressen, besonders der „Genosse der Bosse“ und jegliche Form von zerstörerischem Hyänen-Kapitalismus unterstützt.

Wenn Schulz nun gewisse Leute der Wirtschaft an den Pranger stellt, die den ökologischen Umbau unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten unter dem Beifall der Gewerkschaften (Arbeitsplätze!) verschleppt haben, so ist das zwar sinnlos, aber er hat damit Recht, egal wie absurd das aus einem Mund klingen mag..
Das meint auch Golfer Dieter Cüppers (73) aus Würselen in BILD: „Eigentlich hat er doch Recht! Er hat das ja im Zusammenhang mit den Golffahrern gesagt, die vom Fahrverbot betroffen sein werden. Aber wählen tue ich den Martin Schulz trotzdem nicht – ich wähle Die Linke.“ Genau!

Also, warum die Aufregung? Es sind nicht die VW Golf-Fahrer, die sich auf unserem Club-Parkplätzen über zwei Slots breit machen. Das machen die SUV- und PS-Monster einer Nomenklatura, die selbstverständlich auch auf dem Golfplatz ihr Unwesen treibt.

Aber dazu muss man eins wissen: Golf war und ist stets ein Sport der „Eliten“ gewesen. Das Buch „Golfheroen“ von Jürgen Diethe beschreibt, dass es seit den Ursprüngen unseres Spiels stets eine Oberschicht gab, die dieses Spiel ausübte. In England und Schottland basierte dieser Sport auf einer breiten Unterschicht von z.B. Handwerkern, die hierzulande vollkommen fehlt, weil Golf über englische Adlige in unsere Kurorte gebracht wurde, (wodurch Golf ein Sport der Oberschicht und des Großbürgertums wurde. Die einzigen international erfolgreichen deutschen Golfer Langer, Cejka, Kaymer und Siem stammen nicht aus der Oberschicht, bei den Damen weiß ich es nicht).

Kurz gesagt: Man braucht Geld, um einen Golfplatz zu bauen und zu unterhalten. So einfach ist das.
(Seit 20 Jahren erzähle ich die Zusammenhänge, die zu der heutigen Situation des Golfsports in Deutschland geführt haben, unwidersprochen in meinem Buch „Der Weg der weißen Kugel“ in immer neuen Auflagen.)

Zuerst war es das ‚alte Geld‘, das hierzulande auf die Idee kam, Golfplätze anzulegen. Dass mit den Betreibergesellschaften in den 1980ern eine neue Zeit anbrach und dadurch auch die Neureichen, (darunter einige wirkliche Kotzbrocken) einen Platz im Club fanden, hat das schlechte Image des Golfsports leider in manchen Köpfen noch verhärtet.
Wir Golfer wissen, dass unser Sport mittlerweile für jeden, der nicht gerade von Hartz IV lebt, einigermaßen erschwinglich ist, je nachdem mit welchen Ansprüchen man spielt. (Dass wir Hartz IV der SPD verdanken, wissen wir auch.)
Ergo: Gäbe es keine ‚reichen Leute‘ bzw. Unternehmer die Golfplätze bauen, das gebe ich (ungern) zu, müsste zum Beispiel ich als Teil des Kreativ-Prekariats Cross-Golf spielen, was aber auch nicht das schlimmste Schicksal wäre.

In den mehr als 30 Jahren, die ich als Golfer unterwegs bin, sind mir in Golfclubs (z.B. bei meinen Lesungen) nur selten Menschen begegnet, die ich als arrogant erlebt habe. Natürlich gibt die Brüllaffen, Gockel, Machtmenschen, Intriganten und die Wohlstandverwahrlosten, die sich die Probleme vieler Menschen in unserem Land nicht mal ansatzweise vorstellen können, geschweige denn vorstellen wollen.

Mein persönlicher Konflikt besteht aber nicht darin, dass gewisse Golfspieler arrogant wären. Mein Konflikt besteht vielmehr in der Erkenntnis, dass ich das Golfspiel einerseits liebe und andererseits weiß, dass die globalen Kriegstreiber, die Waffenhändler, Plutokraten und Plünderer von Welt-Ressourcen dieses Spiel ebenfalls lieben und eine ruhige Kugel schieben, während sie ihre Polit-Marionetten tanzen lassen.

Und hierzulande sind das u. A. die Verhinderer aus der Automobilindustrie. Spätestens seit 1972 wissen sie um die Zukunft und sollten jetzt eigentlich nur noch in Sack und Asche rumlaufen dürfen, nachdem sie (in ihrer Ignoranz und Arroganz) all die Jahre mit zig Millionen gestopft, in der falschen Richtung geforscht und entwickelt haben. Und jetzt beginnen sie langsam und widerwillig Elektroautos zu basteln, von denen man längst weiß, dass sie ökologisch vollkommen unsinnig sind.

Viele Golfer sind große Autofans. Das dicke Auto ist (mehr noch als Golf spielen) ein Ausdruck ihres Erfolges. Es wäre schon vor Jahrzehnten Sache der Politik gewesen, Autos als Statussymbole als in jeder Hinsicht zerstörerisch zu entlarven. Aber da spielte die Wirtschaft nicht mit und auch nicht die SPD und die Gewerkschaften. Dass Schulz nun am Knochen Abgas-Skandal nagt ist deshalb vollkommen lächerlich.

In dem Zusammenhang gibt es für uns Golfer noch ein anderes Problem, nämlich dass auch der Golfsport viel zu sehr an der Nadel der Automobilindustrie hängt. Andererseits: Wer (außer anrüchigen Banken) hat sonst noch die Kohle für ein Golf-Sponsoring?
Automobile vermitteln Status und Golfer sind nun mal eine hochinteressante Zielgruppe. Wie man weiß, bekommt jeder golfende Junior ab Handicap 18  von Papa (AUDI, BMW oder Mercedes-Fahrer) einen schicken Golf oder kleinen Renn-Audi geschenkt. Das ist nun mal so in Golfer-Kreisen, zumindest solange Porsche derart lange Lieferzeiten hat.

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

 

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Nachtrag:

hat unrecht: interessiert sich weder für Golffahrer noch für Golfspieler, sondern für Golfdiktatoren, denen man Waffen liefert.