Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Selbst habe noch keinen Seniorennachmittag mitgespielt, aber der Tag ist nicht fern, besonders nach diesem Liga-Spiel der AK65 vor ein paar Tagen….

Es ist nicht meine Art Privates auszuplaudern und schon gar nicht aus meinem Heimatclub. Ich genieße die Anonymität, die mir zuteilt wird (Pletsch? Nie gehört), schreibe grundsätzlich nicht über meine Mitspieler in Privatrunden und weiß, dass mein golferisches Unvermögen im Gegenzug unter einem Teppich des Schweigens begraben liegt. So möchte ich es auch weiterhin halten, aber manchmal muss man einfach aus dem eigenen Leben berichten. Zum Beispiel von diesem Liga-Spiel der AK 65 vergangene Woche.

Der Ruf ereilte mich per Telefon. Gerade hatte ich meine Kolumne über die Gnade des kurzen Drives veröffentlicht, als mich der Captain unserer AK65 Mannschaft anrief und um Unterstützung bat. Er habe derzeit nur fünf Mann für das Heimspiel, das wäre doch peinlich und ob ich nicht mitspielen könne?

Da ich in diesem Jahr noch kein Turnier gespielt habe, mich mit meinen Gedanken hauptsächlich mit Gitarren beschäftige und mich einstige Adrenalinrunden in der seinerzeitigen Jungsenioren-Liga traumatisiert haben (obwohl ich niemals das Streichergebnis war!), winkte ich ab.

„Nichts für mich, danke. Kann nicht mehr spielen. Habe Rücken, kaputte Haxen, geschredderte Nerven, keine Kondition, Schlaf-Apnoe, Bluthochdruck…“, was mir so einfiel.

Er ließ das nicht gelten: „Überleg doch noch mal, ich hab derzeit nur fünf Mann,….für ein Heimspiel!.“

„Wo sind denn die Männer aus der Mannschaft?“

„Sind auf Seniorenreise, oder krank, jeder hat was anderes.“

„Und was ist AK 65?“

Das meinte ich ernst. Auch wenn ich die vielfältigen Ideen des DGV ehrenamtlich auf Cybergolf.de poste, heißt das nicht, dass ich jede Meldung lese. Und wenn ich es mache, dann heißt das nicht, dass ich mich stets erinnern könnte.

„Altersklasse ab 65. Bist du doch, oder?“

„Also die Volkssturm- oder Greisenliga?"

„Nein. Die AK 50, genannt die Voltaren-Liga, haben wir hinter uns. Bei der AK 65 sind Hüfte und Knie bereits ausgetauscht. Da fängt Golf wieder an, Spaß zu machen.“

„Und wo steht ihr da?“

"Unterste Liga, letzter Platz. Wir können nicht mal absteigen. Es geht nur drum mit sechs Mann anzutreten.“

„Welche Erwartungen hast Du?“

„18 Bahnen durchhalten und möglichst 18 Brutto-Punkte reinbringen. Beim letzten Spiel hatten wir nur zweimal 8 Bruttopunkte.“

„Ohne Cart? Und vollkommen unvorbereitet. Undenkbar.“

„Du kannst ja Montag und Dienstag noch zwei Proberunden spielen.“

„Ich bin noch kein Rentner. Ich muss arbeiten. Und Montagabend läuft die neue Staffel von Game of Thrones.“

„Schade. Dann kann man nix machen.“ Er legte auf.

In der Nacht schlief ich schlecht. Ich träumte vom Reich der Untoten in dem ich wandelte bis mich Wildlinge aus Oberhessen vor den Weißen Wanderern retteten. Was das ein Zeichen?

Am nächsten Tag rief ich unseren AK 65 Captain an.

„Wann ginge es denn los?“

„Abschlag ab 10 Uhr“.

„Da wache ich gerade erst auf. Undenkbar.“

Schweigen.

Es grummelte in mir....Schandfleck im Club, die Kameraden in der Not im Stich gelassen … gerade jetzt, wo mich manche mittlerweile sogar grüßen…

„Wer spielt denn noch mit?“

Er nannte ein paar Namen, seinen und vier andere.

Ich zierte mich immernoch: „Also ich weiß nicht…ich spiele derzeit lieber Gitarre…“.

„Würden die Stones in Deutschland Liga spielen, dann wären die auch in der AK65!“

„Die Stones spielen Golf?“

„Nein, aber Bob Dylan und Paul McCartney, Alice Cooper, eigentlich fast alle Rockmusiker: Game of Stones. Steinalt, aber mörderisch gut!“

„So klopft man alte Steine weich“, dachte ich, aber ich bewunderte sein Engagement.

„Und kostet mich das was? Muss ich dann wieder so einen Angeber zum Essen einladen wie damals diesen Orthopäden, der im eigenen Club wegen Bescheißen gesperrt war?“

„Nein. Du bekommst sogar ein Essen. Dazu Gratis-Bälle auf der Driving Range und ein Mannschafts-Polohemd!“

„Warmes Essen?“

„Yep. Und ein Freigetränk plus Halfway-Verpflegung!“

„Und das Hemd: Synthetik oder Baumwolle?“

„Moderne Leichtfaser.“

„So ein Plastik-Zeug kann ich nur tragen, wenn das Wetter sehr heiß wird. In Turnieren wechsle ich mein Polohemd auf der Runde 2-3 mal.“

„Ich kann Dir nur ein Hemd geben, aber ich kümmere mich drum, dass es heiß wird.“

„Und das Hemd vorgewaschen. Ich trage keine neuen Hemden voll mit Chemikalien!“

„Alles klar. Also spielst du?“

„Nur im letzten Flight, wann wäre das?“

„Zehn nach 11.“

„Also gut.“

Stunden später begann ich mit dem Training. Ich schaffte eine Liegestütze vom Unterarm, drehte mich dreimal rechts /links, dann diagonales Strecken, zwei Kniebeugen (mehr ging nicht) und schloss das ganze Programm mit zehn Niederwerfungen vor dem Bild der Golfgöttin ab, das Klaus Holitzka gemalt hat.

Golfgöttin von Klaus Holitzka

Am Montag spielte ich einige Bahnen, aber nachts schlief ich schlecht. Ich weiß nicht, ob es wegen dem Kampf mit den weißen Wanderern war oder ob ich nicht schlafen konnte, weil ich Angst davor hatte, die nächste Nacht (vor dem Turnier) nicht schlafen zu können.
Dienstag spielte ich auch noch ein paar Bahnen, schluckte vorsichtshalber eine Schlaftablette, flehte die Golfgöttin um 18 Bruttopunkte an und schaffte es am Mittwochmorgen rechtzeitig aus dem Bett.

Das Turnier ist schnell erzählt: Ich spielte mit zwei Herren, die vermutlich noch ein paar Jährchen mehr als ich auf dem Buckel haben. Sie spielten flott, lamentierten nicht, wenn sie den Ball in die Grütze schossen und machten kein Gezicke wegen irgendwas. Gestandene Golfer, kampferprobt. Meine Abschläge waren grottenschlecht, aber manchmal traf ich die Bahn. Es gab kein Gedöns, kein Gelaber, kein Diskutieren, kein Geklapper im Rückschwung … die Herren hatten alles gesehen, alles erlebt, worüber noch aufregen...

Der Platz war sehr nass, die Bälle flogen nicht weit, aber die erste 9 spielte ich (mit viel Glück) sehr gut, bis sich auf der 9 (erster Doppelbogey) der Konditionsmangel bemerkbar machte, der mich den Rest der Runde nicht mehr verließ. Es war affenheiß, ich hatte bereits nach 9 Loch Sonnenbrand, aber die moderne Leichtfaser trug sich angenehm in der Hitze.
Am Meisten gefiel mir: Da war kein Druck. Letzter Platz in der untersten Liga. Ich musste nur zu Fuß 18 Bahnen schaffen, egal wie.
Unter meinen Mitspielern gab nur einmal einen kurzen Dissens, am Abschlag der 18. Bahn, als man sich nicht einig war, ob es einen AUDI-Sportwagen gibt, der so viel PS hat wie der McLaren, den der eine Mitspieler früher fuhr, bevor er wieder auf Ferrari umstieg. Um mitreden zu können, deutete ich an, dass mein Hyundai i30 mittlerweile mehr als 175000 Km auf dem Tacho habe und nach wie vor stabil läuft, was jedoch niemand interessierte. Vermutlich wussten sie nicht einmal, dass es einen Hyundai i30 überhaupt gibt.

Dann schlugen wir ab und ich spielte auf der 18 ein Par, was bei mir so selten ist, wie die Sichtung von Drachen und weißen Wanderern im Golfpark Winnerod.

Doch, doch. Es war eine erfreuliche Runde. Ich lieferte 18 Brutto-Punkte, bekam ein leckeres Essen  (neue Küche in Winnerod!) und das Polohemd aus moderner Leichtfaser durfte ich auch behalten.

Soviel für heute.

Es grüßt

Ihr /Euer

Eugen Pletsch

 

PS: Habe mittlerweile mein fast vermodertes alter Turnier-Bag abgeschrubbt, groß wie der Sarg von Dany deVito und so schwer, als würde der bereits drin liegen. Ja, ich habe wieder Blut geleckt und am Freitag sogar ein After-Work Turnier mitgespielt. Das war übrigens auch sehr angenehm und ganz anders, wie man das oft hört. Es wurde gut und konzentriert gespielt, sauber gezählt, Regeln und Etikette – alles korrekt bei meinen Mitspielern mit Handicaps über 20. Es war regnerisch, aber irgendwie schön. Ich wundere mich über mich selbst.

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