Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Gerade dachte ich über das Thema Golf lernen nach, als der neue Newsletter von Frank Pyko angeflogen kam…

Sein Intro mit der Geschichte vom Waldarbeiter bezieht er zwar aufs Coaching, aber es passt auch perfekt zur Generation Light-Golfer, jenen Spaßvögeln, die Golf nur im Rahmen einer ‚multioptionalen Freizeitgestaltung“ erleben möchten, was es ihnen zeitlich unmöglich macht, das Spiel auf angemessene Weise zu erlernen.

Ein Golfer, der (aus zeitlichen Gründen) ohne Anleitung, Training, Sinn und Verstand auf dem Platz herumhackt erinnert tatsächlich an einen Waldarbeiter der den Baum nicht um kriegt, weil er sich nicht die Zeit nimmt, die Axt zu schärfen. (Danke, Frank)

Auch wenn meine Abschläge immer kürzer werden, stehe ich nach wie vor im Ruf, meinen Ball relativ häufig auf das Fairway schlagen zu können. Das verdanke ich keinem Golfvideo, keinem Gadget, technischen Geräten oder sonstigen modernen Errungenschaften, sondern ganz alleine der „Grundausbildung“, die ich vor mehr als 30 Jahren bei Andrew Bruce im Grand Ducal Golfclub in Luxemburg erhielt. Klassische Basics a` la Hogan: Griff, Stand und Ausrichtung.
Dass ich aus vielerlei Gründen meist einen flachen Fade spiele, nicht weit schlage, vieles falsch mache und golftechnisch überhaupt keine Ahnung habe ist mir egal, solange ich meinem Credo, dem zielorientierten Spiel, treu bleibe und weder vor noch im Schwung an den Schwung denke – wodurch der Ball (meist) auf dem Fairway landet.

Wie andere Golf lernen und wie viel und wie oft sie üben, ist mir relativ egal, solange sie sich mit angemessener Geschwindigkeit über den Platz bewegen!

Doch da hängt es allerorts, weil es laut DGV immer mehr Menschen mit den Bedürfnis „multioptionaler Freizeitgestaltung“ gibt, also Leute, die alles mitnehmen wollen, aber für nichts richtig Zeit haben. Mein Gleichnis in Bezug auf Platzreifekurs und Sonntagsrunde auf einem vollbesetzten Platz wäre eine Person, die einen Blockflöten-Wochenendkurs besuchte, seitdem keine Zeit zu üben hatte, aber am Sonntag in einem Kammerorchester mitspielen will.

Wer Anfängern vormacht, dass Golf ein gaaanz toller Spaß wäre, den man mal so nebenher lernen kann, lügt.

Dass ich als Anfänger drei Jahre lang fast täglich geübt habe, bis ich mich erstmal auf einen Platz getraut habe (Lausward, Düsseldorf), mag an meinem Mangel an Talent gelegen haben bzw. der damaligen Situation, die es Clubfreien Golfers fast unmöglich machte, irgendwo zu spielen. Aber seitdem hat sich viel geändert. Es gibt öffentliche Plätze und selbst manche Traditionsclubs öffnen die Türen und gebärden sich plötzlich scheißfreundlich, weil ihnen die Kosten und die Mitglieder davonlaufen. Also üben kann man genug.

(Meine Version, warum die Dinge im deutschen Golfsport so sind, wie sie sind, kann man in meinem Artikel Historie des Golfsports nachlesen, bzw. in meinem Buch ‚ Der Weg der weißen Kugel‘.)

C. Gregor Landwehr, der eine meiner Lieblings-Golfsites betreibt, hat einen Artikel über die neue Platzreife-Prüfung in Österreich verfasst. Bei uns ist der Platzreifewahn schon so alt, dass der DGV selbst nicht mehr weiß, wie es dazu kam (und heute meint, es wäre alles nur ein Vorschlag gewesen)....also, ich weiß es noch wie es dazu kam:

Zuerst wollte man die vielen Clubfreien gängeln, aber dann erkannte man in dem "Golfführerschein" ein Geschäftsmodell, das man allen Golfern aufs Auge drücken konnte.

Mittlerweile wissen wir, dass das alles nichts bringt, weil – aus meiner Sicht – der Golflehrer nicht mehr das Spiel sondern nur noch den Schwung lehrt. Die einstige Tradition, Anfänger mit auf den Platz zu nehmen (Golfmentoren) ist vielerorts in Vergessenheit geraten und die Grundlagen des gemeinsamen Spiels, die Regeln und die Etikette, gelten immer nur für die Anderen. In dem Zusammenhang steht auch mein Artikel „Golf in Deutschland“.

Ich sage das so deutlich, weil ich manchen Initiativen für den Golfsport bisweilen skeptisch gegenüberstehe. Selbstverständlich unterstütze ich auf Cybergolf die Bemühungen zum Beispiel der Golfmentoren und anderen, aber mir wäre sehr daran gelegen, wenn man sich auch mit den Hintergründen der derzeitigen Entwicklung befasst, was dann vielleicht dazu führt, das ein Bewusstseinswandel eintritt.

Ich freue mich über jedwede Ambition, jede Absicht oder Idee dieses wunderbaren Spiel populärer zu machen, aber ich habe keine Lust, aus falscher Solidarität die Löcher in den Budgets jener stopfen zu helfen, die die desolate Situation in ihren Clubs selbst verschuldet haben, nichts daraus lernen und – von Clubfreien Golfwanderern immer noch Greenfee-Aufschläge verlangen.

Wenn Du heute auf dem Platz einer ehrwürdigen Golfanlage spielen darfst, dann nicht, weil in den Köpfen des Vorstandes ein Paradigmenwechselt stattgefunden hätte! Nein! „We are only in it for the money“, wie das die Mothers of Invention einst auf einem LP-Cover treffend ausgedrückt haben.

Meiner Ansicht nach wird der Golfsport nur dann eine Zukunft haben, wenn wir dieses Spiel nicht jenen überlassen, die den Karren in den letzten 20 Jahren in den Dreck geschoben haben. (Und schon gar nicht jenen ‚Sponsoren‘ aus dem Umfeld der Bankenkriminalität, die sich jeden Spitzenspieler kaufen können, weil Geld aus Waffen- und Drogenhandel nicht mehr stinkt, wenn man es gründlich wäscht.)

So. Wer bis hierhin durchgehalten hat, bekommt jetzt etwas Positives zu hören, das mit Golf lernen zu tun hat. Nach anfänglicher Polemik, gründlichem Nachdenken, Erfahrungen im Wintergolf, auf nassen Plätzen und den vielen Runden, die ich mit Golfanfängern spiele, unterstütze ich Oliver Heulers Vorschlag, zumindest in der Startphase einer golferischen Entwicklung den Ball bei Bedarf auch auf dem Fairway von einem Tee zu schlagen – ohne Scham und Schande.
Wie mir O. Heuler auf meine Frage hin versicherte, nimmt das Löffeln dadurch nicht zu. Er meint, Anfänger wären entweder von Haus aus Löffler — oder nicht. Egal, ob sie vom Tee spielen oder nicht.

Also: Spielt vom Tee oder trinkt Euren Tee – Hauptsache es fließt!

Ihr /Euer

Eugen Pletsch

Powered by Spearhead Software Labs Joomla Facebook Like Button

Der Waldarbeiter Pletsch

 Antizyklisches Winter-Foto des Autors