Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Im Golf gibt es mancherlei Legenden, damit meine ich jetzt nicht Old Tom Morris oder Moe Norman, sondern gewisse Sprüche, die uns oft leichtfertig über die Lippen perlen.

'Den finden wir' oder 'Der macht nix kaputt' ist ja noch nett gemeint. So ein Satz macht nix kaputt und mag der Beruhigung des Mitspielers dienen, wobei man den Ball häufig nicht findet und der Score sehr schnell kaputt sein kann.

'Den Zweiten kann jeder' oder 'Never up, never in' blubbern jene Tiger vor sich hin, die Rabbits gegenüber Kompetenz und Erfahrung signalisieren möchten. Na gut - doch spätestens die Empfehlung 'den Kopf unten lassen' bedürfte zum richtigen Verständnis einer fachlichen Erklärung, die die meisten nicht liefern können.
Immerhin ist diese Anregung noch gut gemeint, während die Legende, der Bunkerschlag wäre der einfachste Schlag im Golf, weil nicht mal der Ball – sondern nur der Sand unter dem Ball zu treffen wäre – eine fette Lüge ist.
Das weiß ich, weil ich in mehr als 30 Jahren etliche Bälle am Übungsgrün präzise an die Fahne zwirbeln konnte, während ich den gleichen Schlag auf dem Platz häufig versiebt habe. Egal ob man nicht durchschwingt, zu hastig spielt, den Ball aus der falschen Position (mit zu viel oder zu wenig Sand) spielt – entweder man bleibt im Sand stecken oder donnert den Ball übers Grün bzw. in die Bunkerwand. Nein, der Bunkerschlag ist kein einfacher Schlag und der ca. 30 Meter Schlag aus dem Sand aufs Grün gilt als einer der schwersten Schläge im Golf überhaupt.

Die übelste Lügen-Legende im Golf ist jedoch – zumindest aus meiner Sicht – die Behauptung, dass es beim Golfen kein schlechtes Wetter gäbe, nur falsche Bekleidung.

Dunkle Wolken in Winnerod

Ich habe in all den Jahren erst einen Golfer getroffen, der mir glaubhaft versichern konnte, dass ihm im Regen zu spielen besonderen Spaß macht – und das war Tom Watson 1993 anlässlich einer Clinic, die er am Tag vor dem Beginn der 122. OPEN in Sandwich für einige Member auf dem Nachbargolfplatz Royal Cinque Portes im strömenden Regen abhielt.
Dem habe ich das abgenommen!
An diesem Tag wurde ich selbst mehrere Stunden von garstigem Wind und sintflutartigem Regen über den Platz getrieben, wollte nicht aufgeben und meinte, mir und dem Sekretär, der mich mit einem Stirnrunzeln auf den PreQualifying Course gelassen hatte, etwas beweisen zu müssen.

Andere Wasserschlachten kommen mir dabei in den Sinn: Der Atlantik-Sturm, der uns auf der Backnine von Le Touquet erwischte, worauf alle Member der Flutchers Society die Flucht ergriffen – bis auf jenen Regimental Sergeant Major (RSM) ihrer Majestät und mir, einem golfenden Ex-Hippie, die wir unser Matchplay verbissen und bis unter die Haut durchnässt austrugen, bis wir uns auf der 18 in gegenseitigem Respekt die Hand schüttelten. 

Oder der Tag im Donegal Golf Club (Murvagh), als wir wider jede Vernunft auf einem menschenleerem Platz loszogen. (Selbst wetterfeste Iren hatten sich in der Bar verschanzt). Unsere Drives in den Wind kamen zurückgeflogen und unsere Schläge mit dem Wind waren nicht mehr auffindbar. Das waren „Gales“ in Windstärke 7! Wir Bekloppten stemmten uns in den Wind, standen 45 Grad schräg in der Luft und fielen trotzdem nicht um. Zurück am Clubhaus entdeckten wir, dass der Wind die komplette Dachrinne um das Clubhaus abgerissen hatte.

In Port Noo gibt es kleine Betonbunker-Kammern in der Nähe mancher Abschläge. Ich hatte mich gefragt, ob die noch aus dem Krieg stammen, bis uns plötzlich – aus heiterem Himmel - eisige Hagelkörner ins Gesicht peitschten. In Sekunden waren die Grüns von weißen Körnern bedeckt, dann schien eine milchig-weiße Sonne am Himmel, aber nur bis sich eine riesige, schwarze Wolkenwand von Westen heranschob. Der Wind wurde so stark, dass das Bag nicht nur umfiel, sondern samt Trolley weggetrieben wurde. Da half nur eins: Mit einem Satz in diesen Schutzräumen verschwinden! Eines Tages, als uns ein überfallartiger Blizzard überraschte, hatte ich es gerade noch in das Beton-Loch geschafft, während meinem Freund Timbo, kaum 50 Meter entfernt, nur die Möglichkeit blieb, sich mit seinem Trolley vom Wind in einen Topfbunker schieben zulassen, um sich darin im Sand einzugraben.

Diese Beispiele mögen nicht dem hiesigen Golf-Alltag entsprechen, aber sie zeigen, dass ich geeicht bin und weiß, wovon in rede. In unseren Gefilden mag ein Wetterumsturz nicht ganz so drastisch ausfallen, aber auch wir haben im Sommer heftige Gewitter gefolgt von schwerem Regen.

Damit ließe sich noch umgehen, indem wir ins Clubhaus rennen und auf die Sonne warten – aber was ist mit diesem fiesen Wetter, das uns die letzten Tage quälte?
Ja, die Erde ist derzeit zu trocken, der Wald, der Platz, der Garten, der Landwirt – alle freuen sich über den tagelangen Regen, aber erzähle mir doch einer, (außer ein paar durchgeknallten Frischlingen, wie ich damals einer war), dass es ihr/ihm Spaß machen würde, bei dieser kalten Nässe fünf Stunden Golf zu spielen. Fünf Handschuhe nass, die Brille verschmiert, der Regen rinnt vom Kragen in Unterhose, die Socken klatschnass, die Schuhe in Auflösung.

Niemand mag das, selbst Brenda nur notgedrungen. Brenda war ein junges Mädchen aus Timbos irischem Clan, die wie eine Bergziege klettern konnte und Abend für Abend etliche Kilometer im strömenden Regen und nur mit einer dünnen Windjacke bekleidet auf der Suche nach ihren Schafen durch die Berge lief. Wer als irisches Schäfer- Landwirts- oder Fischerkind aufwuchs, ist vielleicht nicht so zimperlich, aber wir urbanen Mitteleuropäer mit industriell produzierter Immunschwäche sollten etwas vorsichtiger sein. Oder?

Was ist mit Regenkleidung? Ich habe in all den Jahren NICHTS gefunden, was mich von INNEN UND AUSSEN trocken hält. Entweder wasserdicht, dann schwitz‘ ich wie Sau oder nur regenabweisend, dann reicht das nicht für längere Schauer an einem fiesen Golf-Tag.
Glaubt mir: Dass es beim Golfen kein schlechtes Wetter sondern nur falsche Bekleidung gäbe, ist ausgemachter Bockmist.
Natürlich können wir das Bag mit einem Cover schützen. Und ein kleines Handtuch an den Schirmspeichen befestigen, mehrere Handschuhe mitführen und beachten, was es sonst an Regentipps gibt. Aber spätestens wenn der Wind so stark ist, dass Ihnen Cover und Schirm mit einem WUUFFFF davonfliegen, dann hat sich das auch erledigt.
Mir ist egal, ob ich, der einstige Allwetter-Spieler, auf meine alten Tage als Weichei gelte. Meine schlichte Erkenntnis ist, dass mir das Spiel in quatschnassem Feld nicht gut tut und mir keinen Spaß macht.
Sollte jemand die sechs Stunden Stau bei 12 Grad im strömenden Regen anlässlich eines Turniers genießen weil ihn ein Fabrikat, das ich nicht kenne, von innen und außen dauerhaft trocken hält, freue ich mich über Zuschriften.

Bis dahin bzw. sich das Wetter bessert, bleibe ich jedoch zu Hause,
koche mir Spargel und schnuppere am ersten Flieder …(siehe Bild).

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

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Flieder auf Schreibtisch