vergrößern reset verkleinern

Anzeigen

Developed in conjunction with Ext-Joom.com

Wie weit ist es noch zum Loch? Ein Interview mit Christoph Günther

Durch Vermittlung von Marc Amort lernte ich vor einigen Wochen Christoph Günther kennen, derzeit Ranglisten-Erster der EPD-Tour. Bei dem Pro/AM anlässlich der Licher Classic durfte ich ihn als Caddy begleiten, wie ich in zwei Folgen dieses Blogs berichtete. Als Amateur interessiert mich natürlich, wie ein Profi an einen Platz herangeht und da "Günni" der offizielle Platzvermesser der EPD-Tour ist, war ich bei ihm an der richtigen Stelle. Hier seine Antworten auf meine Fragen. Eugen Pletsch (EP): Als Spieler der EPD Tour vermisst Du auch für Deine Kollegen die Plätze und stellst ein kleines Yardagebook zur Verfügung. Worin liegt der Unterschied zu einem Birdiebook, wie es jeder Club verkauft?  Christoph Günther (CG): In den Birdiebooks, die ein Club verkauft, fehlen sehr viele Details. Den Grüns wird in einem Birdiebook so gut kaum Beachtung geschenkt, dabei sind gerade die Grüns enorm wichtig. Ich zeichne alle Wellen und Erhebungen ein und gebe die Entfernungen vom Anfang des Grüns an. Ich habe in meinen Büchern wesentlich mehr Entfernungsangaben zu den Grüns und vom Abschlag. Die Spieler können sich bei mir 100% darauf verlassen, dass meine Entfernungen genau stimmen, da ich alles mit einem Laser messe.   EP: Welche Fehler kann man beim Vermessen machen bzw. was ist zu beachten? CG: Ich muss immer darauf achten, dass der Laser nicht auf Yards gestellt ist, dass könnte für Probleme sorgen. Es ist mir mal passiert, aber ich habe es noch rechtzeitig gemerkt. Wichtig ist, dass ich die Distanzen mehrfach nachmesse, um sicher zu gehen, dass ich auch den richtigen Messpunkt getroffen habe. EP: Ist das Wissen um die Entfernung auch für mittlere Golfer und hohe Handicaps wichtig, die weder ihre Schlaglänge kennen, geschweige denn diese regelmäßig spielen können?  CG: Es ist enorm wichtig! Sie kennen ihre Längen nicht, weil sie nie darauf achten. Wenn ein mittlerer Golfer wüsste, dass sein Eisen 7 im Schnitt 124m fliegt, würde er sich wesentlich wohler über einem Schlag von 120m fühlen. Der Durchschnittsspieler überschätzt seine Länge ständig. Wie häufig siehst Du beim Monatsteller einen Mitspieler, der den Ball aus 130m hinter die Fahne spielt? So gut, wie nie! Der Bunker vor dem Grün dagegen ist komplett überbeansprucht. EP: Ist ein Birdiebook für den Amateur ausreichend bzw. ab wann sollte er (sofern erlaubt) mit Laser oder GPS arbeiten?  CG: Der Laser, GPS oder auch ein Birdie-Buch sind nur dann für den Spieler von Vorteil, wenn er seine Schlaglängen kennt. Wozu muss ich wissen, dass es 154 Meter zur Fahne sind, wenn ich nicht weiß, welchen Schläger ich für diese Distanz benötige. Sobald ich meine effektiven Schlaglängen weiß, helfen mir Geräte, die mir die Entfernung angeben. EP: Wie könnte ein Amateur die eigenen Schlaglängen am Besten ermitteln?  CG: Am Besten mit einem Partner, auf eine freie Fläche gehen, dort Entfernungen abmessen. Angefangen bei einem voll geschlagenem Sand Wedge, bis hin zum letzten Eisen. Der Partner stellt sich in sichere Entfernung, aber ungefähr in der Landezone von dem jeweiligen Schläger. Sobald ein Ball aufgekommen ist geht der Partner an die stelle, an der der Ball gelandet ist und misst mit einem Laser zurück zum Spieler, notiert das Ganze und der Schnitt aus 10 gut getroffenen Schlägen ist die Leitdistanz. Es ist ein wenig aufwendig, aber es lohnt sich. Wichtig wäre es, immer dieselben Bälle zu spielen, da es doch erhebliche Unterschiede gibt.  EP: Welche Form von "Buchführung" empfiehlst Du besseren Spielern, um sich auf einer Proberunde optimal vorzubereiten.  CG: Im Buch sollte die Schlägerwahl vom Tee notiert sein, also der Gameplan festgeschrieben sein, von dem man nicht abweicht. Ich empfehle jedem ambitionierten Spieler, die Markierungen auf dem Platz nachzumessen, da sie oft nicht stimmen. Die Grüns sollten auch ausgemessen sein, damit der Spieler weiß, wo er den Ball auf dem Grün platzieren möchte. EP: Was ist ein Spielplan bzw. wie macht man sich einen eigenen Spielplan für ein Turnier?  CG: Der Spielplan, oben auch schon Gameplan genannt, soll dem Spieler Entscheidungen auf dem Platz abnehmen. Wenn ich mir im Vorfeld schon Gedanken darüber mache, muss ich mir nicht kurz vor dem Abschlag den Kopf darüber zerbrechen, ob es nun ein Holz 3 ist oder der Driver, oder doch das Eisen 3. Beim spielen der Proberunde probiere ich verschiedene Schläge vom Tee und entscheide mich dann für eine Variante. Diese wird festgelegt und nicht mehr geändert. Wenn ich dann am Abschlag stehe, steht die Entscheidung fest und ich kann zweifelsfrei an meinen Schlag gehen, ohne mir unnötig Gedanken zu machen.  EP: Vielen Dank für das Gespräch - und weiterhin viel Erfolg.