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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

GOLFHEROEN“ von Jürgen Diethe ist ein außerordentliches Buch. Es sei jedem Golfer als Pflichtlektüre empfohlen.

Wer einen erstklassigen Reiseführer zu den golfhistorischen Quellen unseres Spiels sucht, dem sei das Buch Golfheroen von Jürgen Diethe empfohlen, der sich auf 174 Seiten mit den Gründervätern des Golfsports befasst.
Diethe übersetzt, was man von den frühen Tagen des Golfsports in Schottland weiß (oder zu wissen glaubt), erzählt von der Gründung der ersten Golfclubs und lässt die Kirchenväter unseres Spiels lebendig werden: Von Alan Robertson über Old Tom Morris werden alle bedeutenden Protagonisten des Golfsport bis in die Zeit des Triumvirats Braid-Taylor-Vardon gewürdigt. Diethe beschreibt nicht nur deren sportliche Dominanz, sondern auch ihr Lebenswerk, das zur Quelle dessen wurde, woraus sich der Golfsport noch heute speist.
Oder sagen wir besser: speisen sollte, denn in der Quelle, aus der „The Game of Golf“ einst in klarer Reinheit sprudelte, schwimmt mittlerweile viel Dreck rum – aber das ist ein anderes Thema. Jürgen Diethe hat die Fähigkeit, trockene Fakten, Zahlen und Turnierresultate so zu verweben, dass alles, was mir bisher als ein Mythos erschien (wie die Figur von Old Tom Morris), lebendig, transparent und greifbar wird. Und höchst aktuell, worauf ich gleich zurückkommen werde.

Der Autor Diethe lebt bei Inverness / Schottland und ist „der mit Abstand älteste Basketballspieler in Nordschottland“, wie er mir schrieb. Nach seinem Studium von Englisch und Geschichte hat er lange bei der BBC gearbeitet und ist übers Wirtschaftsfernsehen beim Sport gelandet. Sein Thema war vorwiegend Golf, weshalb ihn die meisten von uns als deutsche Stimme von „European Tour Weekly“ kannten. (Seit 2016 in Rente). Diethe, der Mitglied eines schottischen Golfclubs ist, schreibt außerdem Gedichte und Bücher zu historischen Themen (zum Beispiel über die Pikten).
Für sein Buch Golfheroen hat er seltene Quellen im Originaltext gelesen, sich umfassend in die von Legenden und Mythen überlagerte Golfgeschichte eingearbeitet und das Ergebnis ist hochaktuell, weil es die derzeitige Diskussion über das Image des Golfsports in Deutschland unmittelbar berührt.

Im alten Schottland war jede erfolgreiche Golfkarriere mit sozialem Aufstieg verbunden. Tausende von Jungen aus schottischen Arbeiter-und Handwerkerfamilien begannen als Caddies, lernten das Golf-Handwerk und zogen in die Welt, um als Golflehrer und Golfplatzerbauer geachtet, als Profispieler bisweilen auch vermögend zu werden. Das beste Beispiel dafür sind Tom Morris oder James Braid.

Durch seine Schilderung der soziokulturellen Hintergründe des Golfsports beantwortet Diethe letztendlich auch die Frage, warum wir in Deutschland so wenige erfolgreiche Profi-Spieler haben: Weil die Wahrscheinlichkeit als Profi dauerhaften Erfolg zu haben sehr gering ist und für die Kinder unserer Eliten somit keinen sozialen Aufstieg bedeuten würde!

Der Golfsport in Deutschland wurde von den englischen Eliten nach Deutschland gebracht und „gleich von der besseren Gesellschaft okkupiert, die die ersten Golfvereine gründeten“.
Das ist unsere Tradition, die etliche hervorragende Amateure hervorgebracht haben mag, aber mangels Substanz nur wenige Profigolfer von internationalem Rang. Spieler wie Langer, Cejka und Siem haben einen anderen sozialen Hintergrund.

Der Film über das Leben von Francis Quimet „Das größte Spiel seines Lebens“ ist ein anderes perfektes Beispiel für den sozialen Aufstieg eines Golfers und die Klassenunterschiede seiner Zeit.

Kindergolfevents, die anlässlich großer Turniere häufig als PR-Aktionen veranstaltet werden, haben meines Wissen keinen einzigen jugendlichen Spieler hervorgebracht, der eine erfolgreiche Golfkarriere gestartet und eine effektive Verbesserung seiner Lebenssituation erfahren hätte.

Weil sich der Golfsport in Deutschland nicht wirklich öffnet, talentierte Kinder nicht wirklich einsteigen können, wird Golf als Sport – so dumm das sein mag – unmittelbar mit gewissen(losen) Sozialschmarotzern der Oberschicht assoziiert. Und das, obwohl es laut DGV etwa so viele „Barfußgolfer“ wie Clubgolfer gibt. Doch diese Golfparias, wie ich sie nenne, wurden bisher stets totgeschwiegen bzw. kamen bis auf ein paar Crossgolf-Artikel in den Medien nicht vor. Zumindest konnten sie nicht imagebildend wirken und müssen sich hierzulande nach wie vor als vogelfreie Golfer durchschlagen.

Die „Volksbewegung Golf“ (die es seit etwa 30 Jahren in verschiedenen Ansätzen durchaus gibt und der ich mein Buch Der Weg der weißen Kugel gewidmet habe, wird nach wie vor von den Platzhirschen des deutschen Golfsports ausgegrenzt. Die Chance, breite Schichten der Bevölkerung zu diesem wunderbaren Spiel einzuladen, wurde bisher vertan. Über das Image des Golfsports braucht man sich deshalb nicht zu wundern und wenn nun manchen Clubs mangels Mitgliedern das Wasser bis zum Hals steht, dann ist das selbstverschuldet.

Es mag sein, dass soziokulturelle Betrachtungen nicht jedermanns Sache sind, aber wer sich mit der Frage befasst, warum Golf hierzulande so ist, wie es ist, während sich Golf in den angelsächsischen Ländern in vielfältigsten Erscheinungsformen als Volkssport etablieren konnte, wird bei Diethe fündig.
Das, was Golf war und teilweise noch ist, sollte jeder Spieler wenigstens einmal in seinem Leben auf einer Pilgerfahrt nach Schottland ergründen und Jürgen Diethes Buch Golfheroen zeichnet die dafür erforderliche Landkarte.

Jürgen Diethe: Golfheroen
Die Gründerväter des modernen Golfsports
1. Aufl. 2013, 176 Seiten
mit 10 farb. und 7 sw-Abb.,
Broschur 15,8 x 23,5 cm
ISBN: 978-3-89896-560-6
24,50 €

 

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