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Textbeitrag zur Festschrift 40 Jahre Golf-Club Schloss Braunfels von Eugen Pletsch

Vor einiger Zeit fragte mich ein guter Bekannter, welchen Golfplatz ich ihm empfehlen könne, um einer Gruppe ausländischer Geschäftsfreunde einen unvergesslichen Golf-Tag zu bereiten.
„Braunfels!“ sagte ich ohne nachzudenken und fragte nicht einmal nach, ob seine Gäste aus Ost oder West anreisen würden. Dann erklärte ich ihm, wie er sich als Nichtgolfer an diesem Tag und auf dem Platz zu verhalten hätte. Wochen später erhielt ich ein Dankesschreiben. Seine Gäste waren vom Golfclub Schloss Braunfels begeistert.

Warum Braunfels? Weil Hessen da am Schönsten ist! Hinter einem verwunschenen Grimms Märchen-Zauberwald in einem Tal versteckt stehen die Lebkuchenhäuser des Clubs und bereits die Anfahrt durch den magischen Tunnel der Kastanienallee lässt Mühsal und Sorgen des Alltags vergessen. Von der 13. Bahn erblicken wir jenes Schloss, das mit seinen Türmen, Zinnen und Erkern bereits Walt Disney inspirierte. Am Wichtigsten jedoch: Der Platz ist fair aber nicht einfach und zu einem Parkland-Course gereift, auf den manche englische Grafschaft stolz wäre.

Wie ich der Entstehungsgeschichte entnehme, war die Intention, die zum Bau dieser Anlage führte,, vom Wunsch geprägt, den Bürgern und Gästen der Region – aus damaliger Sicht – etwas ganz Besonderes zu bieten: Einen Golfplatz! Vielleicht war es dieser Gedanke, etwas für die Allgemeinheit zu schaffen, der dazu führte, dass sich der Golfclub Braunfels heute so schön, offen und international präsentiert.
Meine Beziehung zu dieser Oase der Ruhe ist von besonderen Erinnerungen geprägt. Als ich vor mehr als 25 Jahren, angeleitet durch meinen schottischen Schwiegervater, mit dem Spiel begann, war es nicht einfach, Spielpraxis zu bekommen. Übungsmöglichkeiten für „Barfußgolfer“, wie uns der damalige DGV-Präsident Jan Brügelmann nannte, waren rar. Es gab damals nur wenige Golfvereine, die mehr von echtem Golfgeist denn von elitärem Dünkel beseelt, für uns „Clubfreie“ offen waren.

Irgendwann erreichte mich die Kunde, dass man im Golfclub Braunfels die Driving Range benutzen dürfe. In Dereks Proshop zahlte ich meine Range Fee, um dann auf die Pitch- und Putt- Übungswiese rechts hinter der 1. und 9. Bahn zu verschwinden. Dieses kleine Fleckchen Erde mit seinen buckligen Briefmarkengrüns wurde „mein erster Golfplatz“, auf dem ich viele glückliche Stunden verbrachte. Wenn jemand seinen Ball vom 1. Abschlag nach rechts verzog und der 2. Schlag auch nicht die Bahn fand, bekam ich Besuch! Dann hielt ich inne und schaute bewundernd zu den „echten Golfern“, die schon auf den Platz durften. Erst später verstand ich, dass meine Besucher meist die Hacker und Slicer waren.
Viel Zeit verbrachte ich auf dem Pitching Grün mit den Entfernungsschildern und dem großen Bunker davor oder rätselte auf dem Putting Grün, warum der Ball stets anders lief, als er sollte.
Ich hielt mich auch gerne im Proshop auf und fragte Derek Löcher in den Bauch, nur um diese besondere Golfer-Luft zu atmen.
Nach schlaflosen Nächten entschloss ich mich eines Tages, ein Holz 3 zu erstehen: Ein gebrauchtes „First Flight Persimmon Wood“, das mir der legendäre Caddymaster Gil Nunzi mit einem Graphit-Schaft ausstatten ließ, wie sie damals gerade in Mode kamen.

Wo immer ich in Deutschland beruflich unterwegs war, feilte ich abends in irgendeinem Club an meinem Spiel. Nach drei Jahren des Übens schloss ich mich einem Verein für Clubfreie Golfer an und erspielte in mehreren Turnieren ein Handicap. Das war insofern besonders schwierig, als wir „Clubfreien“ keinen „Heimatclub“ hatten, sondern uns stets auf fremden Plätzen beweisen mussten. Geschadet hat mir das nicht. Nachdem es mir immer öfter gelang, den Ball in die gewünschte Richtung zu schlagen und ich mal wieder in Hessen war, klopfte ich im Sekretariat des GC Schloss Braunfels an und fragte, ob ich einmal beim Herrenmittwoch mitspielen dürfe. Das wurde mir dann gestattet und zwar zu einer Zeit, als die meisten deutschen Clubs noch eine strikte elitäre Abschottungspolitik betrieben.
Aufgeregt und mit klopfendem Herzen stand ich am ersten Abschlag und prompt verzog ich meinen Ball scharf nach rechts, in Richtung meiner kleinen Übungswiese. Es war, als hätte sich auch mein Ball nicht vorstellen können, dass wir jetzt wirklich auf dem großen Platz spielen durften.
Mein Zähler war ein älterer Herr, der gute Miene zu meinem (anfangs) bösen Spiel machte. Um mich aufzulockern, erzählte er mir von der Entstehung des Platzes, vom alten Herrn von Limburger, wie der auf seinem Stühlchen saß und über das Land schaute, um dann die ersten neun Bahnen zu entwerfen, die als Grundlage für diesen großartigen Platz anzusehen sind. Charakteristisch für ihn, von Limburger, wäre ein Par 3 ohne Bunker. So ein Par 3 gab es zu jener Zeit auch in Braunfels.
Dann zeigte mir der Herr das Schnürchen, das zu einer Flasche Wein führte, die rechts vom 4. Grün oben im Schatten der alten Linde hing. Hier konnte man sich Mut antrinken, denn der 5. Abschlag führte durch ein Schreckensspalier finsterer Tannen, das mir und manchem anderen Spieler Selbstvertrauen und Bälle raubte.

Es wird erzählt, dass die Golfgötter manchmal unter uns Menschen wandeln, um selbst eine Runde zu spielen und eines Tages kamen sie nach Braunfels. Sie genossen die ersten Bahnen, aber als ihre Drives am 5. Abschlag rechts und links im Wald verschwanden, wurden sie wütend und schickten einen Orkan, der die ballhungrigen Tannen wegfegte. Seitdem hat der Platz in diesem Bereich einen sonnigen Charakter bekommen und nicht nur die Golfgötter atmeten auf.

Trotzdem bleibt Braunfels eine sportliche Herausforderung, besonders wenn die Roughs hoch und die Grüns schnell sind. Das musste ich damals auf meiner ersten Runde und seitdem immer wieder erfahren. Aber bei diesem „Hermi“ hörte ich erstmals den Namen Bernhard von Limburger. Später besuchte ich auch andere Limburger-Plätze, entdeckte, dass er Ben Hogans Klassiker “Der Golfschwung“ ins Deutsche übertragen hatte, suchte auch nach anderen Limburger Schriften und genoss seine humorvolle Art des Schreibens.
Durch ihn wurde mir bewusst, dass im Golfgenre nicht nur Lehrbücher ihre Berechtigung haben. Auch Satiren, Fabeln und Glossen sind wichtig, denn wer beim Golfspiel den Humor verliert, hat auch das Spiel verloren. Von Limburgers Schriften machten mir Mut meine „skurrilen Geschichten“ aufzuschreiben, die mittlerweile in drei Büchern (das vierte ist in Vorbereitung) veröffentlicht wurden.

„Golf ist mein Weg, meine Übung, mein Tao geworden“, schrieb ich im Vorwort meines ersten Buches „Der Weg der weißen Kugel“. Dieser Weg hat mich immer wieder nach Braunfels geführt, weshalb ich mich bei den guten Geistern, die diese Anlage geprägt haben, herzlich bedanken möchte.

Ich wünsche Ihnen noch 100 Jahre schnelle Grüns und Spieler/Innen, die den Golfclub Braunfels zu schätzen wissen, indem sie die Divots zurücklegen und ihre Pitchmarken ausbessern um dann  – vielleicht in einem Moment der Stille – das Besondere zu spüren, das diesem Ort innewohnt.

Alle guten Wünsche!

Eugen Pletsch

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