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How to become a Crossgolfer
„Anleitung für freie Feld-, Wald- und Wiesengolfer“
von Mario Prell
 
 
CrossGolfer_Rebel_im_Lampenladen.jpgDa muss man sich zuerst einmal die Frage stellen, wer oder was ist denn ein Crossgolfer?
Ist es die Hausfrau, die zu Hause ihre beiden Kinder versorgt? Der Businessman, der die neusten DAX Werte überfliegt? Der Bauarbeiter, der mit seinen Gummistiefeln im Beton steht? Oder etwa der Penner an der Tanke, der mit „Nachschub“ durch die Tür kommt? Und was ist mit dem Clubgolfer, kann der auch ein Crossgolfer sein?
Das ist das gute am Crossgolf: Es gibt keine gesellschaftlichen Schranken, keine Kleiderordnung, keine Einkommensbeschränkungen und man muss auch keine Prüfung ablegen, um Crossgolfen zu dürfen. Alles was man benötigt, sind ein Golfschläger und ein Golfball – und selbst der Golfball muss nicht zwingend sein, ein Tennisball geht auch. Na gut, der Clubgolfer muss sich was anderes anziehen, sonst erkennt man ihn evtl. wieder. ;)
 
Was ist mit Regeln beim Crossgolf?
Die einen sagen, ohne Regeln kann man nicht vernünftig spielen und die anderen behaupten, dass man immer ohne Regeln spielt. Wer hat denn nun Recht? Beim Crossgolf würde ich mal behaupten, dass beide Seiten Recht haben. Es ist im Grunde genommen ganz einfach: Die Crossgolfer sind im Allgemeinen so flexibel, dass sie ihre Regeln der momentanen Situation anpassen, ohne auf ein festgeschriebenes Regelwerk zurück greifen zu müssen und die meisten brauchen dafür nicht mal einen Bierdeckel. Und allein die Frage „Ball besser legen oder nicht?“ endet mit einer temporären, flexiblen Regel. Wie ihr seht, muss man nicht alles nur schwarz oder nur weiß sehen.
 
Wie sieht es mit der Sicherheit und so aus?
Meine Omi hat mir beigebracht: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg’ auch keinem andern zu.“ – Wenn man sich diesen Satz für das Crossgolfen passend macht und mal ein paar Minuten seinen Verstand benutzt, kommt man nie auf die Idee, irgendwelche „Scheiße zu bauen“ oder Schlimmeres. Und der von allen mir bekannten Crossgolfern benutzte Satz „Safety first!“ reicht mehr als aus (neben den warnenden Worten meiner Omi!). Aber selbst das könnte man bereits als Regel auslegen und schon haben die Regelverweigerer ein Problem oder werden zu Straftätern, was wiederum zeigt: Crossgolfer kommen aus allen sozialen Schichten.
 
Der Platzgolfer spricht an dieser Stelle von Etikette, was jetzt bitte nicht zu verwechseln wäre mit dem kleinen Schildchen, was bei eurer Bierflasche vorne drauf klebt. Grob kann man sagen, dass bei den Crossgolfern ebenfalls Etikette zur Anwendung kommt, nur dass diese bei uns nicht so stark ausgeprägt ist und es keinen US Marshall gibt, der sie unbedingt durchsetzen will. Wenn du jetzt wissen willst, was die Platzgolfer unter Etikette verstehen, lohnt ein Gang zu Wikipedia.
 
Wer sich als Crossgolfer irgendwann einmal auf einen Golfplatz „verirren“ will (ja, dort macht Golfen auch Spaß), sollte sich vielleicht zuerst mit einigen wenigen grundlegenden Regeln vertraut machen. Falls du in Deutschland auf einen Platz willst, brauchst du ein dickes Fell. Der Deutsche ist im Allgemeinen nicht bereit, dir auf dem Platz zu helfen und dir (freundlich) zu sagen, was du falsch machst und was nicht. Das liegt uns (Deutschen) nicht so im Blut wie z. B. den Briten. Gut, jetzt ist es für dich als Neuling nicht einfach zu wissen, was der Platzgolfer „von dir erwartet“, woher auch? Der Spruch: „Kommunikation, nicht Telepathie!“, dürfte für 99,99% aller Menschen zutreffen, deshalb sollte man auf einem Golfplatz
  1. ruhig mal Fragen stellen,
  2. erwarten dürfen, dass man eine (freundliche und in der Sache hilfreiche) Antwort bekommt und
  3. die Platzregeln durchliest und diese dann bitte einhält.An dieser Stelle muss ich jetzt mit einem Zitat kommen: „Wenn man z. B. den wunderschönen Kurzplatz in Winnerod spielt und der Herr Pletsch läuft da gerade rum, dann freut der sich über jede Truppe langhaariger Bombenleger in Baggypants und Rastas, vom süßen Duft seiner Jugend umnebelt, aber er regt sich fürchterlich auf, wenn diese Hacker weder durchspielen lassen, geschweige denn wissen, was ein Divot oder eine Pitchmarke ist.“
Er hat Recht, denn wir sind hier sozusagen auf „feindlichem“ Gebiet und sollten uns so verhalten, dass wir nicht unnötig auffallen. ;) – Es bricht sich keiner einen Ast ab, wenn er sich nach dem Schlag bückt und das Divot zurück legt oder nach einer geilen Annäherung auf dem Grün seine Pitchmarke beseitigt. Geht mit gutem Beispiel voran – auf dass die nächsten Crossgolfer, die auf einen Golfplatz wollen, dann auch noch dort spielen dürfen.
Ach ja, für den Fall, dass ein Schlag mal nicht so wird, wie gewünscht oder ein Platzgolfer euch voll mault, ist ein „Ich F$*# deine Mudder!keine sehr gute Antwort und trägt nicht dazu bei, andere Crossgolfer noch mal auf den Platz zu lassen. Tut daher euch und mir einen Gefallen und lasst solche Sprüche, denn weitere Crossgolfer möchten diese öffentlichen Plätze nutzen!
 
Im Gegenzug möchte ich von Platzgolfern ein wenig Geduld einfordern (sofern das hier überhaupt einer von ihnen lesen wird). Wir Crossgolfer spielen Golf so, wie ihn die Schotten früher einmal erfunden haben – im Zählspiel. Ich weiß, dass ihr das nicht mehr unbedingt kennen werdet, aber das bedeutet, dass wir das Loch beenden und ALLE Schläge zählen, die dafür benötigt werden. Der beste Spieler ist derjenige mit den wenigsten Schlägen und nicht derjenige, der nach CSA, Handicap und Formeln, die sogar für einen Taschenrechner zu lang sind, den niedrigsten Wert haben. Martin Kaymer hebt den Ball auch nicht auf (außer beim Lochwettspiel).
 
Ein paar Sachen beachten wir Crossgolfer aber auch:
  1. Sicherheit geht vor
  2. Nie auf Menschen, Tiere oder Sachgüter zielen
  3. Keine mutwilligen Sachbeschädigungen
  4. Der am weitesten vom Ziel entfernte Spieler schlägt immer zuerst
  5. Aufpassen, dass man niemandem mit dem Golfschläger beim Schwung die Zähne raus holt.
Und sollte doch mal was passieren, gilt immer noch das Verursacherprinzip, also seid keine „Freiherren von und zu“ und steht zu euren Fehlern.
 
War das alles, bin ich jetzt ein Crossgolfer?
Fast, denn jetzt musst du noch den Willen aufbringen, unbedingt Spaß bei dem zu haben, was du da machen willst. Egal, ob du das Ziel triffst oder den Schläger schon zum 19. Mal am Ball vorbei geschlagen hast – das ist alles egal. Du musst nur mit dem Herzen dabei sein und dich selber nicht zu ernst nehmen, dann wird alles gut. Damit es nicht zu langweilig wird, solltest du zum Crossgolfen noch jemanden mitnehmen. Zu zweit macht es erstens mehr Spaß und zweitens schmeckt das Bier dann auch besser. Außerdem bezahlt der Verlierer die nächste Runde.
 
Vor allem neugierige Nichtcrosser reagieren recht gut, wenn man z. B. mit Softbällen im Stadtpark oder auf ähnlichen Spielplätzen unterwegs ist und ihnen erklärt, was man da tut und dass man niemanden verletzen kann. Immer daran denken, so wie man es in den Wald rein schreit, so schreits auch wieder raus. Und durch die offene Art der Crossgolfer sollte es für euch kein Problem sein, in Kontakt zu kommen und andere von eurem ungefährlichen Tun zu überzeugen.
 
Kommen wir dann mal langsam zum technischen Teil des How to become a Crossgolfer.
Wir haben jetzt coole Klamotten und einen Golfschläger, aber – ja ähhhmm – welchen denn?
Mist, schon wieder eine Frage, die eine Entscheidung sucht. Wir brauchen jeder wenigstens einen Golfschläger. Man kann es sich leicht machen und in der e-Bucht sofort einen ganzen Schlägersatz kaufen, was uns aber gleich zur nächsten Frage führt: Welchen Schaft will ich nutzen? Die einfachste Lösung wäre: Ich nehme das billigste Material. Mir doch egal, was das für Schläger sind. Und schwupps, steht zu Hause eine Golftasche mit einem Halbsatz Kindergolfschläger, die für 12jährige gedacht sind. Für meine Körpergröße von knapp 1,80 Meter nicht gerade sehr geeignet. Aber man kann auch damit auf alle Fälle Spaß haben – meist auf meine Kosten. Also machen wir uns erst einmal Gedanken über das Material.
 
Bei den Schäften sind zwei Materialarten auf dem Markt: Golfschläger mit Stahlschäften und Golfschläger mit Grafitschäften. Aus meiner Erfahrung heraus (und auch aus der anderer Crossgolfer) ist es für Einsteiger leichter, den Golfball zum fliegen zu überreden, wenn der Schaft aus Grafit ist. Das hat ein paar materialbedingte Gründe, die allerdings für einen Anfänger eher verwirrend als hilfreich sind.
Stahlschäfte richten sich mehr an den sportlichen Spieler und haben nach meiner Erfahrung ihre Vorteile, wenn man eines Tages einen halbwegs gefestigten Schwung hat. Die Steuerung des Ballfluges fällt mir mit meinen Schlägern mit Stahlschaft um einiges leichter und auch der Ballflug ist konstanter. Wobei mehr Konstanz bei mir inzwischen auch andere Gründe hat wie z. B. dank der vielen Turniere in den letzten Jahren, den unzähligen Runden Crossgolf und der daraus resultierenden Spielpraxis. Üben hat aber auch den Nachteil, dass man in den meisten Fällen besser und besser wird. Gut spielen kann ich übrigens auch noch mit meinen Grafitschlägern – die Übung eben. Immer diese Nebenwirkungen. Jeder hat so seine Vorlieben, was den Schaft angeht, spielen kann man mit beiden sehr gut.
 
Da wir uns gerade mit Schäften befassen, nur mit einem Schaft schlagen macht das Spiel noch schwieriger als es schon ist. Wie sieht es deshalb mit dem Schlägerkopf aus? Der Schlägerkopf ist das letzte Geheimnis das Universums, das Thema, das alle Schläger produzierenden Firmen in den Mittelpunkt ihrer Werbung stellen. Jahr für Jahr schlagen die neusten Modelle noch mal 10 Meter weiter als im letzten Jahr. Lasst euch nicht verrückt machen. Für Crossgolfer ist es in den meisten Fällen ganz egal, was für ein Kopf unten dran hängt. Sei es eine der Nobelmarken, wo man für einen Neukauf schon mal als Gegenwert einen Kleintransporter mit Hopfenblütentee füllen kann oder ein so genannter NoName Schlägerkopf. Im Allgemeinen kann man aber sagen, dass sich Schlägerköpfe der neueren Generationen leichter spielen lassen als ganz alte. Das hängt mit „cavity back“ zusammen und ist eine bestimmte Bauform, wie Schlägerköpfe produziert werden können.
 
Noch mal zur Kontrolle: Coole Klamotten haben wir, einen schönen Schaft haben wir auch und beim Schlägerkopf sind wir uns fast sicher. Jetzt gibt es nur noch diese lustige Frage: Welcher Schläger soll es denn sein? Die lustigen Nummern, die unten draufstehen, bezeichnen die verschiedenen Winkel (Loft) der Schlagflächen. Ein Eisen 3 hat etwa einen Loft von 23 Grad (Loft ist so was wie die Schräglage des Schlägerkopfes). Mit diesen Schlägern kannst du, voraus gesetzt du triffst, sehr lange Bälle schlagen. Dagegen hat ein Eisen 8 einen Loft von sagen wir mal 40 Grad. Damit fliegt der Ball höher, aber kürzer. Der Grund, warum Normalo-Golfer so viele Schläger haben ist, weil sie damit unterschiedliche Flugbahnen und Schlaglängen produzieren. Bei einer flachen Flugbahn kann der Ball dann je nach Untergrund auch noch lange ausrollen, bei einer hohen Flugbahn rollt der Ball nach dem Auftreffen nicht mehr ganz so weit oder bleibt gleich liegen.
 
Wenn die Gegend, wo du in Zukunft spielen willst, weitläufig ist und viel Platz bietet, dann kannst du ruhig ein 5er Eisen wählen. Ist der Platz eher kurz, solltest du dich für ein 7er oder ein noch kürzeres Eisen entscheiden. Dabei solltest du auch wissen, dass die langen Eisen (5er) zu Beginn deiner sportlichen Karriere schwieriger zu spielen sind. Mit einem 7er hat man schneller Erfolge, den Ball in die Luft zu bekommen.
 
Die Unterschiede zwischen Eisen und Hölzern sind der Schlägerkopf und die Schaftlänge. Hölzer haben einen längeren Schaft und der Schlägerkopf sieht aus wie eine abgeflachte Kugel. Mit diesen Schlägern kann man noch weiter spielen als mit den Eisen. Nur wird die Kontrolle über Richtung und Weite immer schwieriger, je steiler die Schlagfläche ist – und bei Hölzern wird es schon richtig steil. Eine Sonderform sind die Driver (eigentlich Holz 1), mit ca. 10 Grad Loft ist der am Schwersten zu spielen. Andererseits ist das Gefühl, wenn man den Golfball damit richtig getroffen hat, unbeschreiblich – einfach nur GEIL. Und noch was: Die Schlägerköpfe der „Hölzer“ waren früher tatsächlich aus Holz, mittlerweile sind sie meist aus Titan oder Stahl.
 
Noch was zum Loft der Schläger: Falls du dich wunderst, wenn du mit deinen Kumpels los ziehst, warum Matze mit seinem 7er Eisen weiter schlägt als du mit deinem 7er: Der Loft eines Schlägers ist bei Herstellern unterschiedlich und so können verschiedene Eisen 7 schon mal 38 oder sogar auch 42 Grad Loft haben. Das ist ähnlich wie bei den Klamotten, da ist Größe XL bei unterschiedlichen Herstellern nicht immer gleich XL.
 
Coole Klamotten und ein schönes 7er Eisen mit Grafitschaft gehören inzwischen zur Ausrüstung. Jetzt brauchen wir nur noch geeignete Bälle. Hier wären folgende Überlegungen anzustellen. Willst du auf Wiesen und Feldern spielen, sind mit Sicherheit gebrauchte Bälle aus der e-Bucht die geeignete Wahl, die unter dem Namen „Lakeballs“ verkauft werden. Das sind Golfbälle, die auf Golfplätzen aus den Teichen gefischt werden (nur mal so zur Anmerkung: Du siehst, Clubgolfer spielen auch nicht viel besser als wir!). Willst du jedoch in Wohngebieten, Industriearealen, Gärten, usw. spielen, dann sind so genannte „Softbälle“ die erste Wahl. Diese Softbälle haben den Vorteil, dass sie leichter sind als normale Golfbälle. Dadurch fliegt der Ball nicht so weit und man kann mit diesen Bällen fast nichts kaputt machen, es sei man trifft ein Glas, das vom Tisch fällt.
 
Es gibt unterschiedlichste Arten von Softbällen, denn der Schaumstoff kann in der Dichte unterschiedlich sein. Ich empfehle die „härtesten“ Schaumstoffbälle, die du bekommen kannst, zum Beispiel die Mikado Softbälle, die hier erhältlich sind. Die Flugweite beträgt je nach Schlag 30 - 40 Meter. Einen anderen guten Softball kannst du im Crossgolf-Portal erwerben – den „almost“ Golfball. Dieser besteht auch aus Schaumstoff, nur das dieser „hart“ gepresst ist. Mit diesen „almost“ Golfbällen kann man weiter schlagen als mit normalen Schaumstoffbällen. Aber Schäden kann man damit nicht verursachen – weder an Autos noch an Glasscheiben. So oder so, alle Softbälle sind sehr windanfällig und so kann es bei Gegenwind passieren, dass der Ball nach dem Schlag hinter dir wieder aufkommt.
 
Jetzt bist du komplett! Coole Klamotten, ein geiles 7er Eisen und verschiedene Golfbälle, um für unterschiedlichste Anforderungen gerüstet zu sein. HALT! Um das Klischee zu erfüllen, ein „ordentlicher“ Crossgolfer zu sein, musst du noch kiffen, laute und unverständliche Musik hören und Bier saufen. Ach was, zum Teufel damit, man muss nicht jedes Klischee erfüllen! Clubgolfer sind auch nicht immer die versnobten Armleuchter, wie sie immer in der Werbung gezeigt werden.
 
So, jetzt aber raus mit dir und habe jede Menge Spaß und den am besten mit ein paar Freunden – und denk dabei immer an den Spruch meiner Omi!

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